Fussball
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epa04875042 Players of FC Dinamo Minsk celebrate  their goal against FC Zurich during the UEFA Europa League soccer match between FC Dinamo Minsk and FC Zurich in Brest, Belarus, 06 August 2015.  EPA/TATYANA ZENKOVICH

Der weissrussische Meister Dinamo Brest jubelt über einen Treffer. Bild: EPA/EPA

Trotz Coronavirus-Krise: Weissrusslands Fussball rollt und rollt

Der Weltfussball ruht, kein Klub in Europa spielt noch. Kein Klub? Nein. Weissrusslands Fussball tut so, als gäbe es keine Coronavirus-Pandemie. In Belarus geht das Leben weiter wie bisher. Das liegt vor allem an einem Mann. Dabei mehren sich kritische Stimmen.



Der Fussball in Weissrussland zeigt dem Coronavirus die Rote Karte. Planmässig und mit Zuschauern auf den Stadiontribünen haben die Klubs des Landes zwischen Polen und Russland den Spielbetrieb für die Meisterschaft aufgenommen.

Die nationale Fussballvereinigung ABFF zeigte sich unbeeindruckt davon, dass in Europa sonst niemand mehr spielt. «Eine Oase in der toten Fussballwüste» - so sahen es Fussballkommentatoren im Fernsehen.

Auch im benachbarten Russland etwa, wo Stillstand vorerst bis 10. April herrscht, fanden sich plötzlich Fans wie in vielen Ländern für die sonst kaum beachtete Liga.

epa08300172 Dragon boats in front of the Saint-Petersburg Arena in St. Petersburg, Russia, 17 March 2020. The UEFA meet on 17 March 2020 to discuss the effects of the coronavirus COVID-19 pandemic on the UEFA EURO 2020 and the European Cup competitions. St. Petersburg will host four UEFA EURO 2020 matches, including a quarter final. Several European countries have closed borders, schools as well as public facilities, and have cancelled most major sports and entertainment events in order to prevent the spread of the SARS-CoV-2 coronavirus causing the Covid-19 disease.  EPA/ANATOLY MALTSEV

In Russland werden die Stadien derzeit nicht gebraucht. Bild: EPA

Es gibt bereits Corona-Kranke

81 Fälle der Lungenkrankheit Covid-19 waren in Weissrussland Anfang der Woche bekannt. Tendenz - wie fast überall - steigend. Doch der als «letzter Diktator Europas» kritisierte Präsident Alexander Lukaschenko sieht keinen Grund für «drakonische Massnahmen». Der 65-Jährige gab früh die Devise aus, dass die Corona-Panik am Ende schlimmer sein könne als das Virus selbst.

Belarusian President Alexander Lukashenko speaks to journalists as he visits the Dobrush Paper Factory in Dobrush, Belarus, Tuesday, Feb. 4, 2020. Lukashenko boasted about Belarus' warmer ties with the United States as he prepared to meet with Russian President Vladimir Putin for another round of difficult economic talks. (Nikolai Petrov/BelTA Pool Photo via AP)

Der weissrussische Präsident Lukaschenko spricht mit Journalisten. Bild: AP

«Ich nenne dieses Coronavirus nicht anders als eine Psychose und lasse mich auch nicht davon abbringen», sagte Lukaschenko. «Die zivilisierte Welt ist verrückt geworden, und die Politiker haben schon damit angefangen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen.» Es sei eine «absolute Dummheit», etwa Grenzen zu schliessen.

Hunderte Fans kamen jeweils zu den Spielen - teils mit Mundschutz. Die Stimmung schwankte zwischen Freude und eiserner Klubtreue bis hin zu Unsicherheit, wie die Boulevardzeitung «Komsomolskaja Prawda» in einer Reportage zum Fussball in den Zeiten von Corona unter dem Titel «Besser im Stadion, als in der Bar» berichtete.

Unterbruch derzeit schwierig

Die von einem früheren Soldaten geführte Fussballvereinigung ABFF versicherte zwar, die Lage genau zu beobachten. Dass sie aber am Ende gegen Staatschef Lukaschenko entscheidet, gilt in dem autoritär geführten Land als ausgeschlossen. Alle Mitglieder im Weltverband der Fussball-Profiligen (World Leagues Forum) - Weissrussland gehört nicht dazu - haben die Spiele ausgesetzt.

Doch die Kritik nimmt zu. «Die weissrussische Meisterschaft mit Zuschauern - das ist einfach Wahnwitz», sagte Sergej Alejnikow, Ex-Profi von Juventus Turin. Er wirft den Funktionären Leichtsinn vor.

«Jeder weiss, was in Spanien und Italien passiert. Das sieht nicht gut aus.»

Alexander Hleb

Berichte etwa über isolierte Sportler der Eishockey-Nationalmannschaft wegen Verdachts auf das Coronavirus dementierte das Sportministerium des autoritären Landes prompt.

Ex-Star macht sich Sorgen

«Es ist, als wenn sich niemand darum kümmert», wird der frühere Bundesliga-Fussballer Alexander Hleb von der britischen Boulevardzeitung «Sun» zitiert. «Jeder weiss, was in Spanien und Italien passiert. Das sieht nicht gut aus.» Er bleibe mit seiner Familie zu Hause, sagte der 39-jährige Ex-Profi. Aber wenn er «raus gehe, sind die Strassen und Restaurants immer noch voll».

Arsenal's Alexander Hleb, front, gets the ball away from Liverpool's Dirk Kuyt, back, during their Champions League quarterfinal first leg soccer match at Arsenal's Emirates Stadium in London, Wednesday, April 2, 2008. (AP Photo/Paul Thomas) WO SPIELT HEUTE?

Alexander Hleb im Dress von Arsenal Bild: AP

Andere Ex-Sowjetrepubliken haben längst, teils mit weniger Coronavirus-Fällen, den Ausnahmezustand verhängt. Der weissrussische Sportkommentator Konstantin Genitsch meinte, dass er sich wie Juri Gagarin - der erste Mensch im Weltall - fühle, dass er in dieser Lage noch am Ball sei. Erst wenn die UEFA ein Machtwort spreche, werde das wohl aufhören. «Ich glaube, dass sich Weissrussland dem fügen würde. Ich wäre erstaunt, wenn sie dann noch weiter kicken.»

Vorerst aber sind Einschränkungen des öffentlichen Lebens wie etwa in der russischen Hauptstadt Moskau mit geschlossenen Stadien, Schwimmbädern und Fitnessclubs nicht in Sicht. (dab/sda/dpa)

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