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Schulturnen ist in der Schweiz Gesetz – nun soll es gekippt werden

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Gehasst und geliebt: Sportunterricht in der Schule. (Symbolbild)Bild: keystone

Schulturnen ist in der Schweiz Gesetz – nun soll dieses gestrichen werden

Drei Lektionen Sport pro Woche sind in der Schweiz als einziges Schulfach auf nationaler Ebene verpflichtend. Nun soll dieses Obligatorium gestrichen werden – daran gibt es bereits Kritik.
07.06.2026, 07:2907.06.2026, 07:56

Von der Primar- über Mittel- bis zu den Berufsschulen: Drei Lektionen Schulsport sind in der Schweiz für sämtliche Kinder und junge Erwachsene Pflicht. Das ist so im Sportfördergesetz geregelt, das 2010 verabschiedet wurde.

Doch wie die SonntagsZeitung berichtet, gibt es beim Bund und aus den Kantonen Avancen, das Sportobligatorium komplett zu streichen. Aus einem Zwischenbericht des zuständigen Finanzministeriums von Bundesrätin Karin Keller-Sutter geht dieser Vorschlag hervor. Im Rahmen des Projekts «Entflechtung 27» soll die Verantwortung für den Schulsport den Kantonen übertragen werden. Dies, weil der Sportunterricht auch zu hundert Prozent von diesen finanziert wird.

Ein Befürworter dieses Vorgehens ist der St.Galler Mitte-Ständerat Benedikt Würth, der bereits 2010 gegen das Sportfördergesetzt angekämpft hatte. Er sagt gegenüber der «SonntagsZeitung» in Bezug auf den Bund:

«Wer nicht zahlt, hat nicht zu bestimmen.»
Benedikt Wuerth, Mitte-SG, spricht vor Hans Wicki, FDP-NW, Thierry Burkart, FDP-AG und Josef Dittli, FDP-UR, von links, waehrend der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 28. Septem ...
Benedikt Würth befürwortet eine kantonale Regelung.Bild: KEYSTONE

Doch die mögliche Streichung stösst bereits auf viel Kritik. Jonathan Badan, Präsident des Schweizerischen Verbands für Sport in der Schule (SVSS), sieht die Gefahr, dass Kinder plötzlich nicht mehr genügend Sportlektionen absolvieren dürfen, wenn das Turnen künftig kantonal geregelt werden würde. Mit ein Grund ist die prekäre Turnhallensituation in der Schweiz, die in verschiedenen Landesteilen unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Laut Badan fehlt es trotz zahlreichen Bauprojekten noch immer an «rund hundert Turnhallen». Dass überhaupt Turnhallen gebaut würden, ist laut dem Schulsport-Verbandschef dem «Druck des Gesetzes» zu verdanken. Das heisst: Der Verband befürchtet, dass Kantone und Gemeinden bei einer Streichung des Obligatoriums von solchen kostspieligen Projekten absehen könnten. Das wiederum könnte aufgrund mangelnder Kapazitäten zu Einschnitten bei den Sportlektionen führen. Badan sagt:

«Alle Kinder müssen das Anrecht auf gleich viel Bewegung haben, unabhängig vom Wohnkanton. Es geht schliesslich um die Gesundheit der Kinder.»

Dass einige Kantone den Sportunterricht reduzieren oder gar ganz streichen könnten, sieht das Bundesamt für Sport (Baspo), das beim Bundesbericht ebenfalls in der verfassenden Arbeitsgruppe sass, als reale Gefahr an.

Auch im Bundeshaus gibt es bereits Gegenwind. SP-Nationalrätin und Sportlehrerin Andrea Zryd beispielsweise hält eine Streichung für ein «verheerendes Signal an Schulkinder und Eltern». Schulsport sei fundamental für die Gesundheit und Entwicklung von Jugendlichen.

WAHLEN 2023 - NATIONALRAT - KANTON BERN - Andrea Zryd (neu), SP. (KEYSTONE/Parteien/Handout) === HANDOUT, NO SALES ===
Andrea Zryd will sich gegen die mögliche Streichung des Schulsport aus dem Gesetz wehren.Bild: keystone

Befürworter Würth glaubt derweil nicht daran, dass der Sportunterricht in einigen Kantonen tatsächlich gekürzt oder gestrichen würde. Dafür habe der Sport schweizweit einen viel zu hohen Stellenwert, so der Ständerat. Auch Thomas Minder, Präsident der Schulleiterinnen und Schulleiter der Schweiz, hält eine Reduzierung für unrealistisch, da der schweizweit geltende Lehrplan 21 sich ebenfalls an drei Sportlektionen pro Woche orientiere – Gesetz hin oder her. Zudem glaubt Minder, dass der Widerstand aus der Bevölkerung bei einem Reduzierungsversuch gross wäre.

(con)

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238 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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_Momo_
07.06.2026 07:41registriert August 2025
‚Schulturnen ist in der Schweiz Gesetz – nun soll dieses gestrichen werden‘

NEIN!

Für das würde ich sogar auf die Strasse gehen. Wenn ich mir die heutigen Kinder anschaue, tut ihnen das wöchentliche Turnen mehr als gut! War in meiner Zeit auch schon so.
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07.06.2026 07:37registriert Februar 2016
Na ja, wer die Wahl hat die Turnhalle zu sanieren oder Sportlektionen zu streichen, wird sich für Letzteres entscheiden. Ob der gemeinnützige Turnverein die Mittel dafür aufbringt, darf bezweifelt werden.
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Herr Ole
07.06.2026 07:43registriert Dezember 2017
Wieso sollte man das Gesetz streichen, wenn man nicht will, dass sich etwas ändert?
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