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Da war die Welt noch heil: Sportchef Hasan Salihamidzic, Trainer Niko Kovac und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gemeinsam am Oktoberfest.
Da war die Welt noch heil: Sportchef Hasan Salihamidzic, Trainer Niko Kovac und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gemeinsam am Oktoberfest.
Bild: DPA Paulaner/Sampics
Analyse

Das wahre Problem bei den Bayern sass nie auf der Trainerbank

04.11.2019, 13:4604.11.2019, 13:55
Philip Buchen / watson.de

Nun ist er also weg: Der FC Bayern München hat am Sonntag seinen Trainer Nico Kovac gefeuert. Kovac war 491 Tage im Amt. Wirklich erwünscht war er nie. Die Bayern-Bosse holten den früheren Frankfurt-Trainer im Sommer 2018 als Notlösung.

Das Zaudern von Hoeness und Rummenigge vor der Kovac-Ernennung im Sommer 2018 bleibt unvergessen: Vor allem Hoeness soll den vorherigen Bayern-Trainer Heynckes über Wochen und Monate gedrängt haben, doch noch ein Jahr dranzuhängen.

Doch Heynckes wollte nicht. Er wollte das Rentnerdasein lieber mit Hund Cando am Niederrhein als mit der Millionärstruppe an der Säbener Strasse verbringen. Einer Mannschaft, die von Jahr zu Jahr schlechter zusammengestellt wurde. Kovac bestritt seine letzten Spiele als Bayern-Trainer mit einer limitierten Truppe.

In der «Süddeutschen» stellte man schon vor dem Frankfurt-Desaster zu Kovacs Lage fest: «Jene Vorgesetzten, die ihn kritisch sehen, haben ihm einen Kader hingestellt, dessen Achse nur noch aus Neuer und Lewandowski besteht.»

Ein ungeliebter Trainer, der einen unvollständigen Kader betreuen muss – das weckt Erinnerungen an Carlo Ancelotti. Ähnlich wie Kovac erlebte der Italiener nach seinem Dienstbeginn am 1. Juli 2016 nur 455 Tage im Amt.

Damals endete eine ähnlich kurze Bayern-Karriere auch aufgrund einer schlechten Kaderplanung: Ancelotti bekam eine Altherrentruppe vorgesetzt, die mit einem Altersschnitt von 29 Jahren zwar über viel internationale Erfahrung, aber nicht mehr über die nötige Spritzigkeit und Hunger verfügte.

Heute in Neapel tätig: Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.
Heute in Neapel tätig: Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.
Bild: AP

Auch die Bilanz von Ancelottis erster Saison erinnerte an die erste Spielzeit unter Kovac: Lewandowski schoss die Bayern jeweils zur Meisterschaft, zu sehr viel mehr reichte es nicht. In der in München so wichtigen Champions League schied man im Viertelfinale aus, im DFB-Pokal im Halbfinale. Zum Vergleich: Kovac schaffte in seiner ersten Spielzeit zwar das Trostpflaster-Double aus Meisterschaft und Pokal, scheiterte aber im Achtelfinale der Champions League.

Zu wenig für die erfolgsverwöhnten Bayern: Sowohl Kovac als auch Ancelotti brachten mit ihrem Defensiv-Fussball Mannschaft und Fans gegen sich auf – und bei beiden verlor der Vorstand nach nicht einmal anderthalb Jahren die Geduld.

In München trifft seit Jahren ein schlecht zusammengestellter Kader – mal überaltert, mal nicht breit genug – auf übertriebene Träume von internationaler Dominanz. Für eine realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Probleme sind Hoeness und Rummenigge schlichtweg schon zu lange am Ruder.

Jede Fähigkeit zur Selbstkritik haben die beiden alten Männer des FC Bayern spätestens mit jener denkwürdigen Pressekonferenz aus dem Oktober des vergangenen Jahres abgelegt, bei der sie sich gegen jede Kritik mit Verweis auf die Würde des Menschen und das Grundgesetz beriefen.

Wenn in München Zweifel aufkommen, dann ist einzig und allein der Trainer schuld. Und um dessen Abschied zu verkünden, verwendet man an der Säbener Strasse mittlerweile auch einfach nur noch die ähnlichen Textbausteine. Das fiel auch auf Twitter auf.

Glaubst du nicht? Bitte schön:

In der Pressemitteilung zur Entlassung von Trainer Carlo Ancelotti hiess es von den Bayern Ende September 2017:

«Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen. Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten.»

Bei der Kovac-Entlassung hiess es am Sonntag:

«Die Leistungen unserer Mannschaft in den vergangenen Wochen und auch die Resultate haben uns gezeigt, dass Handlungsbedarf bestand.»

Schon 2017 beschrieben die Bayern-Bosse Ancelottis Kündigungsgespräch als «offenes und seriöses Gespräch», genauso wie 2019 mit Kovac.

2017 rief Rummenigge die Mannschaft auf:

«Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.»

Ein Satz, den Sportchef Salihamidzic so schön fand, das er ihn 2019 gleich wiederholte:

«Ich erwarte jetzt von unseren Spielern eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.»

Wie Focus.de berichtet, wurde in die Verkündung von Kovacs Entlassung später noch klammheimlich der Satz «Kovac hatte dem FC Bayern München seinen Rücktritt als Trainer angeboten» ergänzt – ohne Angaben von Gründen.

Dieser schludrige Copy-and-Paste-Umgang in der öffentlichen Trennung mit den eigenen Trainern ist auch ein Symptom dafür, dass es den Bayern-Bossen Hoeness und Rummenigge schon lange nicht mehr gelingt, die eigentlichen Probleme ihres Klubs richtig zu erfassen. Dieselben Erklärungen für verschiedene Trainer – das ist nicht einfach nur ein Kommunikationsfehler, so denkt man beim FC Bayern wohl wirklich.

Die beiden alternden Bayern-Bosse haben ihren Zenit überschritten. Man darf gespannt sein, welcher arme Coach sich als Nächster auf den Höllenritt Bayern München einlässt. Und ob er den Renteneintritt von Hoeness und Rummenigge dann tatsächlich auf der Trainerbank erleben darf.

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