Türkei
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Doppeltes Spiel der Türkei: Deniz ist frei – lebenslänglich für 6 türkische Journalisten



Er ist draussen: Nach mehr als einem Jahr in Haft hat der «Welt»-Korrespondent Deniz Yücel nach Angaben seiner Zeitung das Gefängnis in der Türkei verlassen. Yücel sei frei, schrieb die «Welt» am Freitag bei Twitter.

Yücels Anwalt Veysel Ok twitterte ein Bild des Journalisten, auf dem er seine Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel umarmt.

Yücel ist frei

Die Freilassung wurde von einem türkischen Gericht angeordnet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag meldete. Demnach legte die Istanbuler Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift vor, in der 18 Jahre Haft für Yücel gefordert werde. Das Gericht habe die Anklageschrift angenommen und daraufhin die Entlassung des Journalisten aus der Untersuchungshaft angeordnet.

Nach Angaben seines Anwalts verfügte das ein Gericht in Istanbul am Freitag seine Freilassung für die Dauer des Verfahrens. Eine Ausreisesperre wurde der «Welt» zufolge nicht verhängt.

«Das ist ein guter Tag für uns alle», lässt Sigmar Gabriel mitteilen. Leider stimmt die Aussage des deutschen Aussenministers nur bedingt: Während Yücel freigelassen wird, hat ein Istanbuler Gericht sechs türkische Journalisten zu lebenslanger Haft verurteilt. Unter den Verurteilten sind Ahmet Altan, Ex-Chefredaktor der Zeitung «Taraf», sein Bruder, Mehmet Altan und die Journalistin Nazli Ilicak.

Das Gericht wirft den Altan-Brüdern und Ilicak vor, am gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 beteiligt gewesen zu sein. Sie sollen Beziehungen zur Gülen-Bewegung unterhalten haben, die nach Ansicht der Regierung hinter dem versuchten Putsch stand. Konkret sollen die Brüder während einer Talkshow im Fernsehen einen Tag vor dem Putschversuch geheime Botschaften ausgestrahlt haben.

Noch über 100 Journalisten in Haft

Neben den sechs Verurteilten sind in der Türkei immer noch mehr als 100 Journalisten inhaftiert. Der Berichte und Kommentare seien der türkischen Regierung offensichtlich ein Dorn im Auge, sagte Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, am Donnerstag. Er rief die Regierungen aller Länder dazu auf, deren «umgehende Freilassung einzufordern und die Türkei an die Einhaltung der Pressefreiheit zu erinnern». Die freie Presse sitze in der Türkei in Haft. (mlu/aeg/mlu)

Mehr Türkei

147 Tage Hungerstreik für türkische Akademiker: Menschenrechtsgericht weist Eilantrag ab

Link zum Artikel

Fast 500 Angeklagte: Neuer Mammutprozess zu Putschversuch in der Türkei begonnen

Link zum Artikel

Erdogan-Erzfeind Gülen: «Wollen mich die USA ausliefern, würde ich gehen»

Link zum Artikel

Keine Gnade: Erdogan will Putsch-Drahtziehern «den Kopf abreissen» 

Link zum Artikel

23 Tage, 400 Kilometer, 18'000 Menschen: Oppositionelle Türken protestieren gegen Erdogan

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wetter mit Migrationshintergrund: Das steckt dahinter

Die ersten Hoch- und Tiefdruckgebiete in diesem Jahr haben migrantische Namen. Ein Schweizer Verein will damit auf die Vielfalt in der Bevölkerung hinweisen.

Bald könnte die Meteorologin im Fernsehen von Ahmet berichten, der Regenwolken ins Mittelland schickt. Oder von Dragica, die Sonnenstrahlen bringt. Dahinter steckt die Kampagne «#Wetterberichtigung», eine Aktion der Neuen Schweizer Medienmacher*innen (NCHM*) und ihren Pendants aus Deutschland und Österreich. Die Vereine haben für dieses Jahr insgesamt 14 Wetterpatenschaften gekauft, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

«Wir wollen die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft aufzeigen und dass …

Artikel lesen
Link zum Artikel