Rad-WM findet 2032 in Indien statt – Verband kündigt Geschlechtertests für Olympia an
Indien richtet 2032 erstmals die Strassenrad-Weltmeisterschaften aus. Die Titelkämpfe finden in Pune im westindischen Bundesstaat Maharashtra statt. Der Weltverband UCI gab die Vergabe in einem Communiqué bekannt. Für Asien ist es die vierte Strassenrad-WM nach Utsunomiya in Japan 1990, Doha in Katar 2016 und Abu Dhabi, wo die Titelkämpfe 2028 stattfinden werden.
UCI-Präsident David Lappartient verband mit der Wahl Indiens die Hoffnung, den Radsport in einem Land mit fast einem Fünftel der Weltbevölkerung stärker zu verankern. Die Weltmeisterschaften könnten nach seiner Einschätzung sowohl dem Spitzensport als auch dem Velofahren im Alltag Impulse verleihen.
Niederlande erhalten WM 2034
Um die Austragung 2032 hatten sich auch die Stadt Groningen mit der Region Drenthe beworben. Beide Kandidaturen hätten überzeugt, erklärte Lappartient. Deshalb übertrug die UCI den Niederländern die Strassenrad-WM 2034. Gleichzeitig wird dort die Para-Strassenrad-WM ausgetragen, so wie es bei Zürich 2024 der Fall war.
Die Austragungsorte der kommenden Jahre stehen weitgehend fest. Auf Haute-Savoie in Frankreich, wo 2027 eine Super-Rad-WM mit fast allen Disziplinen stattfinden wird, folgen Abu Dhabi 2028, Dänemark 2029 und Brüssel 2030. Die Strassenrad-WM 2031 im Trentino ist erneut Teil der spartenübergreifenden Super-Rad-WM. Für 2033 ist noch kein Austragungsort bekannt.
Insgesamt vergab der Kongress in Montreal, wo aktuell die Strassen-WM stattfindet, 19 Weltmeisterschaften in 11 Ländern für die Jahre 2027 bis 2034.
Geschlechtstests beschlossen, GPS-Pflicht verschoben
Ausserdem teilte die UCI mit, dass sie noch vor Jahresende Richtlinien für den einmalig vorgenommenen Gentest festlegen werde, der nur für Wettbewerbe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gelten soll.
Das IOC hatte Ende März unter dem Druck des nächsten Olympia-Gastgebers Donald Trump beschlossen, einen Geschlechtertest von Sportlerinnen zur Teilnahme an Frauen-Wettbewerben zu verlangen. Auslöser für die Diskussionen war eine Debatte bei den Sommerspielen 2024, in deren Zentrum die Box-Olympiasiegerinnen Imane Khelif und Lin Yu-Ting standen.
Beide waren zuvor vom Weltverband von der WM ausgeschlossen worden, da sie auf der Basis eines nicht näher erklärten Geschlechtertests angeblich die Teilnahme-Kriterien nicht erfüllt hatten. Bei Olympia durften beide starten.
Kein Zeitplan für GPS-Pflicht
Eigentlich war erwartet worden, dass die UCI in Montreal zudem das Anbringen von GPS-Sendern an Fahrzeugen und Rädern ab 2027 verpflichtend macht. Die Debatte rund um solche Tracker war 2024 nach dem tragischen Tod von Muriel Furrer an der Heim-WM in Zürich erneut entfacht. Hätte die Schweizer Nachwuchsfahrerin beim Rennen einen GPS-Sender getragen, hätte Furrer nach ihrem Sturz allenfalls früher gefunden und ihr Tod vielleicht verhindert werden können.
Dennoch hatte es zum Thema einen offenen Streit mit diversen Teams gegeben, die verschiedene Richtlinien gefordert hatten. Dabei ging es unter anderem um die Haftung sowie die kommerzielle Nutzung der GPS-Daten.
Nun teilte die UCI mit, dass ein flächendeckendes GPS-Tracking nach wie vor vorbereitet werden soll. Allerdings wurde diese Massnahme weder mit einem vollständigen Regelwerk noch mit einem Zeitplan hinterlegt. Für Weltverbands-Präsident David Lappartient kann dies als Niederlage gewertet werden. Der Franzose hatte auf eine schnelle Umsetzung gedrängt und betont, sich nicht von Teams erpressen zu lassen.
Neue Vorschrift zu Absperrungen
Beim Thema Sicherheit beschloss der Verband die Verpflichtung zu speziellen, sichereren Absperrgittern auf den letzten 200 Metern eines Rennens. Diese werden bereits von einigen Veranstaltern eingesetzt und sind vom kommenden Jahr an verpflichtend.
Die Massnahme kommt sechs Jahre nach dem schweren Sturz von Fabio Jakobsen bei der Polen-Rundfahrt. Der Niederländer wurde bei Tempo 80 im Sprint in die Absperrgitter gedrängt und erlitt bei dem Sturz lebensgefährliche Verletzungen. Jakobsen lag zwei Tage im Koma, erlitt mehrere Knochenbrüche und schwere Gesichtsverletzungen. (nih/sda/dpa)
