Aargau
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Beliebter Durstlöscher: Drei Viertel der Schweizer Bevölkerung trinken regelmässig Wasser aus dem Hahnen.

40 Millionen Liter gingen letztes Jahr spurlos verschwunden. Bild: KEYSTONE

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden: Die Gemeinde relativiert

In Tägerig geht auf dem Weg zum Wasserhahn viel kostbares Nass verloren – doch auch andere Gemeinden kennen das Problem.

Fabio Vonarburg / ch media



Meist mehrere Kilometer muss Trinkwasser zurücklegen, bevor es bei uns aus dem Wasserhahn fliesst. Dass es auf diesen langen Strecken durch unterirdische Rohre zu Wasserverlust kommt, ist beinahe nicht vermeidbar.

Doch die Zahlen, die das SRF-Regionaljournal am Donnerstag von der Gemeinde Tägerig publik machte, werfen Fragen auf. 127 Millionen Liter Wasser hätten im letzten Jahr das Reservoir verlassen, effektiv bei den Verbrauchern angekommen sind aber nur 87 Millionen Liter. Die restlichen 40 Millionen Liter, sprich ein Drittel der ursprünglichen Gesamtmenge, sind spurlos verschwunden. 13 Millionen Liter mehr als im Vorjahr.

Der zuständige Gemeinderat Christian Vogel sagte gegenüber SRF: «40 Millionen Liter gehen ins Nirvana – das ist natürlich sehr unerfreulich für eine Wasserversorgung.» Eine Erklärung dafür habe er aber nicht, sondern zeigte sich ratlos. «Unser Wassernetz ist in einem sehr guten Zustand. Das irritiert dann natürlich. Wo geht das Wasser denn weg?» Ein grosses Leitungsleck schloss er aus, Wasserdiebe ebenso.

Gemeinde rechnet nach

Einen Tag und ein paar Schlagzeilen in den Medien später versucht die Gemeinde, die Wogen zu glätten und die Zahlen zu relativieren. «Wir können teilweise Entwarnung geben», sagte Gemeindeschreiber Rolf Meier zur AZ. Die Gemeinde geht jetzt davon aus, dass der tatsächliche Verlust tiefer liegt als befürchtet. Dies, weil im vorliegenden Fall zwei Zahlen verglichen wurden, die über unterschiedliche Zeitperioden erhoben wurden und somit nicht eins zu eins vergleichbar seien.

Weiter geht die Gemeinde davon aus, dass im vergangenen Jahr Wasser verbraucht wurde, das in der Messung nicht erfasst wurde. Wie viel tiefer der Wasserverlust in Tägerig tatsächlich ist, kann Meier noch nicht sagen. Er verweist auf laufende Abklärungen. Die Gemeinde werde informieren, sobald das Ergebnis vorliege.

Auch in anderen Gemeinden geht Wasser auf dem Weg in die Haushalte verloren. Schweizweit ist die Rede von 120 Milliarden Liter jährlich. Und gemäss dem Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches beträgt der durchschnittliche Wasserverlust einer Wasserversorgung 12 bis 15 Prozent. Wohlen lag im vergangenen Jahr mit 17 Prozent knapp über diesen Werten. «Das Ziel ist, unter 15 Prozent zu kommen», sagt Giovanni Romeo, Geschäftsleiter der IBW Technik AG. Man ist auf gutem Weg dazu, denn ein Jahr zuvor wies Wohlen noch deutlich schlechtere Werte auf. Damals gingen, auf dem rund 100 Kilometer langen Leitungsnetz, 24 Prozent des Wassers verloren.

Die Wohler Reparaturoffensive

Dieser grosse Verlust führte dazu, dass die IBW intensiver als sonst nach Wasserlecks suchte. Und auch fand. 2018 reparierte das Unternehmen 39 Stellen, an denen zuvor Wasser entweichen konnte. Dies sind zehn Reparaturen mehr als im Vorjahr. Daran will die IBW anknüpfen, wobei Romeo betont: «Die Suche nach Wasserlecks ist vergleichbar mit einer Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.

Nebst grosser Erfahrung braucht es auch viel Glück.» Um das Glück zu reduzieren, sind verteilt auf das ganze Leitungssystem 180 spezielle Mikrofone installiert. Nimmt die gemessene Lautstärke plötzlich zu, ist dafür meist ein Leck verantwortlich, zu denen es oft altersbedingt kommt. «Dass ein Leitungsrohr über 100 Jahre eingesetzt wird, ist nichts Ungewöhnliches», sagt Romeo. Auch in Villmergen konnte der Verlust deutlich reduziert werden. 2010 betrug er noch 18 Prozent, im vergangenen Jahr nur noch 7 Prozent.

Auf dem rund 50 Kilometer langen Netz der Wasserversorgung Muri gehen jeweils rund 15 bis 20 Prozent des Trinkwassers verloren. Die Wasserversorgung Muri repariert nicht jedes gefundene Leck, wie Präsident Thomas Suter sagt. «Bei einem kleinen Leck ist der Verlust des Wassers günstiger als eine allfällige Reparatur», sagt er. Diese kostet immer mehrere Tausend Franken. In Wohlen wird jedoch trotzdem jedes Leck repariert, wie Romeo von der IBW mitteilt. Betriebswirtschaftlich gesehen, sei dies vermutlich falsch, doch: «Wasser hat für uns einen hohen ideellen Wert.» (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • brico 16.06.2019 11:14
    Highlight Highlight „Weiter geht die Gemeinde davon aus, dass im vergangenen Jahr Wasser verbraucht wurde, das in der Messung nicht erfasst wurde.„
    Genau das ist das Problem: Wem hat denn die Gemeinde Wasser in riesigem Umfang geliefert, ohne es zu deklarieren? Hier weiss der Gemeindeschreiber mehr als die Bevölkerung...
  • Hoftof 16.06.2019 00:05
    Highlight Highlight Es ist noch zu bedenken das alles was über den Hydrant (Feuerwehr, Spülungen, Hyd.kontrolle) raus geht auch zum Verlust gezählt wird, da nicht gezählt. Teilweise sind auch Dorfbrunnen am Leitungsnetz angehänkt und dort summiert sich das ganze auch. Verloren ist das Wasser aber nicht. Entweder versickeret es direkt in das Grundwasser oder läuft über die Ara wieder zurück in einn Fliessgewässer.
  • Pana 15.06.2019 15:29
    Highlight Highlight Die Frau war aber durstig.
  • MGPC 15.06.2019 14:18
    Highlight Highlight Wird das Wasser dass die Feuerwehr benutzt einberechnet? Oder die Mengen die jemand ohne Zähler abzapft für Bewässerung ect.?
    • Ueli_DeSchwert 15.06.2019 15:44
      Highlight Highlight Ohne Zähler darf für Bewässerung nicht verwendet werden (offiziell). Die Landwirtschaft hat Wasseruhren für Hydranten um den Verbrauch zu überwachen.
    • MGPC 15.06.2019 19:10
      Highlight Highlight Hab ich auch schon gesehen, aber auch solche die das nicht so genau nehmen. Und die Feuerwehr hat glaub ich nicht die Zeit noch eine Uhr dazwischen zu montieren.
  • Fairness 15.06.2019 14:14
    Highlight Highlight Wo wohl? Im Hitzesommer 2018 wird es vermutlich auf den Feldern der Bauern gelandet sein. Ich sehe immer mal wieder angezapfte Hydranten. (Und Bäche, Flüsse übrigens auch. Nur so zu Wasserklau allgemein. Auch von Gemüsebauern
    • Pisti 15.06.2019 15:08
      Highlight Highlight Viele Hydranten haben mittlerweile Sensoren wo man merkt ob Wasser abgezapft wird. Ein grösseres Problem ist eher die falsche Bedienung der Hydranten.
  • Y. Pony 15.06.2019 13:43
    Highlight Highlight ...und ich dachte, das sei wegen der Ausländer...
    Benutzer Bild
    • Dragonlord 15.06.2019 16:26
      Highlight Highlight Erst dachte ich an einen Scherz, aber die meinen das ja wirklich ernst. Wer nur die Umwelt in der Schweiz schützen will, hat den Klimawandel nicht begriffen.
      Was für ein bescheuertes Argument gegen die Zuwanderung.
      Den Damen und Herren der SVP müsste mal jemand erklären, das Klimaschutz nicht an der Schweizer aufhört.
    • Capodituttiicapi 15.06.2019 16:26
      Highlight Highlight Menschenhass gehört bestraft - No SVP!
    • Kruk 15.06.2019 19:25
      Highlight Highlight Ist das echt?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Joggi 15.06.2019 13:36
    Highlight Highlight Wasser geht nicht „verloren“. Es befindet sich in einem stetigen Kreislauf, nur auf einem andern Weg als gewollt.
    • Bündn0r 15.06.2019 16:40
      Highlight Highlight Wasser nicht, Trinkwasser schon. Der Unterschied? Wasser kann Gesundheitlich unbedenklich sein, Trinkwasser muss es sein.

      Trinkwasser wird je nach Herkunft und Verwendungszeit/Ort/Zweck von Sand befreit, gefiltert, gechlort/Ozonbehandelt, gepumpt, gelagert etc.

      Trinkwasserverluste verursacht Kosten und erfordern unnötig gross dimensionierte Infrastruktur. Es ist dadurch korrekt von Verlusten zu sprechen.

      Einem Taucher nützt es auch wenig, dass seine Pressluft (deiner Logik nach) nicht durch ein Leck verloren ging, sondern einzig einen anderen Weg nimmt.
    • Simsalabum 15.06.2019 18:06
      Highlight Highlight Wasser nicht, Trinkwasser schon. Mir gefällt dein Kommentar trotzdem.
    • Nicolas D 15.06.2019 18:44
      Highlight Highlight Danke ;-)
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  • Xonic 15.06.2019 13:34
    Highlight Highlight In Tägerig wurden vor ein paar Jahren neue Wasserzähler installiert. Leider ging da so viel schief, dass nachher ein leerstehendes Haus einen enormen Wasserverbrauch hatte. Grund: Zähler mit dem des Nachbarn vertauscht. 😂
    • Hoftof 16.06.2019 00:02
      Highlight Highlight Nicht der Zähler wurde vertauscht Im System wurden die Uählernummern der beiden Häuser vertauscht. Die mutation geschieht per Hand und wen schon der Installateur auf dem Zählerblatt die zwei Hausnummern vertauscht geschieht dies schnell. Sollte aber kein grosses Problem sein und kann, wo Menschen arbeiten, auch mal passieeen ;-)
    • brico 16.06.2019 11:11
      Highlight Highlight Das Vertauschen zweier Verbraucher führt aber nicht zu einem Mehrverbrauch, bloss zu zwei falschen Rechnungen.

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