DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Historischer Entscheid: Der Nationalrat spricht sich für ein Dividendenverbot bei Kurzarbeit aus.
Historischer Entscheid: Der Nationalrat spricht sich für ein Dividendenverbot bei Kurzarbeit aus.
Bild: KEYSTONE

Dividendenverbot bei Kurzarbeit: Stoppt auch der Ständerat die Unternehmen?

Unternehmen, die wegen der Coronakrise Entschädigungen für Kurzarbeit beziehen, sollen im laufenden Jahr und auch 2021 keine Dividenden ausschütten dürfen. Wie entscheidet der Ständerat?
06.05.2020, 11:4906.05.2020, 12:36

Worum geht es?

Ob der Mediengigant TXGroup, die Titlis-Bergbahnen oder das Industrieunternehmen Georg Fischer: Trotz Kurzarbeit haben Unternehmen während der Coronakrise Gewinne an die Aktionäre ausgeschüttet. Dieses Vorgehen könnte sich für diese Firmen zu einem Boomerang entwickeln.

Denn gestern spätabends hat der Nationalrat diesem umstrittenen Vorgehen überraschend den Riegel geschoben: Mit 93:88 (11 Enthaltungen) Stimmen hat der Rat eine Motion der Sozialkommission (SGK-N) angenommen.

SP-Nationalrätin Mattea Meyer hat im Nationalrat ein Dividendenverbot bei Kurzarbeit durchgebracht.
SP-Nationalrätin Mattea Meyer hat im Nationalrat ein Dividendenverbot bei Kurzarbeit durchgebracht.
Bild: KEYSTONE
«Unverbesserliche Firmen nutzen die Krise schamlos aus: Sie beantragen Kurzarbeit und lassen sich damit die Löhne ihrer Angestellten von der Allgemeinheit bezahlen.»
SP-Nationalrätin Mattea Meyer

«Unverbesserliche Firmen nutzen die Krise schamlos aus: Sie beantragen Kurzarbeit und lassen sich damit die Löhne ihrer Angestellten von der Allgemeinheit bezahlen. Die staatliche Unterstützung für die Lohnzahlung darf nicht dazu dienen, private Gewinne abzusichern», sagte SP-Nationalrätin Mattea Meyer während der Debatte.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Kommt der Vorstoss auch im Ständerat durch, müssten bereits beschlossene Dividenden-Auszahlungen rückgängig gemacht werden. Die TX Group müsste also auf 37 Millionen Franken Dividenden verzichten, sonst dürfte das Unternehmen keine Gelder für Kurzarbeit beziehen. Im neuen Parlament fand das Anliegen bis weit ins bürgerliche Lager Unterstützung.

Die Gegner um FDP-Nationalrat Marcel Dobler betonten, dass ein zeitlich befristetes Verbot die Dividendenzahlung einfach verschiebe und damit die beabsichtigte Wirkung verfehle. Gleichzeitig würde eine solche Regelung zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen. «Ein Dividendenverbot könnte Firmen dazu bringen, auf Kurzarbeit zu verzichten und stattdessen Mitarbeiter zu entlassen», sagte Dobler laut «NZZ».

Wie kam es dazu?

Der Nationalrat hat einen historischen Entscheid gefällt. Denn mit dem Dividendenverbot greift das Parlament direkt in die unternehmerische Freiheit ein, welches in der Schweiz in normalen Zeiten ein unantastbares Gut ist.

Der Knackpunkt: Kurzarbeit wird normalerweise durch die Arbeitslosenkasse, also durch Arbeitnehmerbeiträge, bezahlt. Weil in der Arbeitslosenkasse durch die hunderttausenden Kurzarbeitenden ein Loch klafft, muss der Bund über sechs Milliarden Franken an Steuergelder einschiessen. Der Nationalrat will mit dem Entscheid verhindern, dass Steuergelder in den Taschen der Aktionäre landen.

Die Reaktionen

Was macht der Ständerat?

Der Ständerat wird vermutlich bereits heute Nachmittag über die brisante Motion entscheiden. Die Sozialkommission hat für 14 Uhr eine Sitzung einberufen, um das Geschäft vorzuberaten. Lehnt der Ständerat den Vorstoss ab, ist das Dividendenverbot vorerst vom Tisch.

Die Prognose

Der bürgerliche Ständerat ist deutlich wirtschaftsfreundlicher als der nach links gerutschte Nationalrat. Das Dividendenverbot wird im Stöckli einen schweren Stand haben.

(amü/pit)

Kurzarbeit und Coronavirus-Krise
1,91 Millionen Menschen waren Anfang Mai für Kurzarbeit angemeldet in 187'000 Unternehmen, wie Seco-Direktorin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch am Montag sagte. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 6,7 Prozent im laufenden Jahr. (sda)

Was du zum Coronavirus wissen musst:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das neue Bundeshaus in der Bernexpo

1 / 18
Das neue Bundeshaus in der Bernexpo
quelle: keystone / peter klaunzer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

SVP-Matter rüffelt SP-Badran

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kriminelle Ausländer schneller ausschaffen: Nationalrat peitscht Verschärfung durch

Das PMT hat die Diskussion über Grundrechte lanciert, jetzt peitscht das Parlament die nächste Einschränkung durch: Straffällige ausländische Personen sollen ohne Gerichtsverfahren ausgeschafft werden. Beobachter fragen sich: Wo bleibt die Opposition?

Bundesrat und Nationalrat wollen die Ausschaffungspraxis von straffälligen Ausländerinnen und Ausländern verschärfen. Anfangs Woche wurde ein entsprechender Vorstoss gutgeheissen. Dieser wird von aussen kritisiert, doch im Parlament selber blieb es ruhig.

«Die individuellen Rechte ausländischer Personen werden erneut beschnitten und dass besonders die Linke das nicht stärker bekämpft, erstaunt mich», sagt Sozialwissenschaftlerin Christin Achermann.

Sie zieht den Vergleich mit dem am Sonntag …

Artikel lesen
Link zum Artikel