Schneearmer Winter und intensive Hitzewellen: Das ist die Schweizer Gletscherbilanz 2026
Es zeichnete sich schon im letzten Winter ab, dass das Gletscherjahr schwierig werden könnte. Denn durch den wenigen Schnee gab es wenig «Winterreserven». Tatsächlich waren diese dann so schnell geschmolzen, wie zuvor nur in einem Jahr. Nach dem Gletscherschwundtag am 29. Juni ging der heisse Sommer mit Hitzewellen und vielerorts wenig Niederschlag bekanntlich weiter – eigentlich bis heute.
Wie immer schliesst das Schweizer Gletschermessnetz (GLAMOS) das «Gletscherjahr» am 1. Oktober ab. Normalerweise schmelzen die Gletscher danach nicht mehr. Es könnte aber in diesem Jahr sein, dass sie noch weiteres Volumen verlieren. Dieser Rückgang wird dann im nächsten Jahr berücksichtigt.
20 Prozent weniger Eisvolumen in 5 Jahren
Die Daten von GLAMOS und der Schweizerischen Kommission fürKryosphärenbeobachtung der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) zeigen: Das Abschmelzen der Schweizer Gletscher war 2026 wiederum extrem.
Über 5 Prozent des Eisessind verschwunden. Die mittlere Eisdicke einzelner Gletscher nahm zwischen 2,5 und 4 Metern ab. Auf Gletscherzungen reduzierte sie sich über den Sommer teils um bis zu 10 Meter. Allein in den letzten 5 Jahren hat das Eisvolumen in der Schweiz nun um fast 20 Prozent abgenommen.
Neuer Rekord an Tagen mit Nullgradgrenze über 4000 Metern
Wie bereits im Vorjahr lag im Winter 2025/26 in allen Höhenstufen viel weniger Schnee als im langjährigen Durchschnitt. Der Hauptgrund waren die geringen Niederschläge. Bezogen auf die mittlere Schneehöhe gehört das Winterhalbjahr (November 2025 bis April 2026) zu den zehn schneeärmsten Wintern seit Messbeginn.
Von Mai bis September war jeder Monat durch Trockenheit und mindestens eine Hitzeperiode geprägt. Die Nullgradgrenze lag während dieser Monate an 76 Tagen über 4000 Metern. Dies ist mehr als doppelt so viel wie im Mittel und damit ein Rekordwert. Die schützende Schneeschicht auf den Gletschern verschwand teils schon in den Hitzewellen im Juni. Im September blieb selbst auf einer Höhe von 3500 Metern über Meer kein Schnee mehr liegen.
Rekordjahr knapp verpasst
Alpengletscher haben unter solchen Bedingungen langfristig keine Überlebenschance. Das äussert sich im Verschwinden vieler kleiner Gletscher, wie zum Beispiel dem Bella-Tola-Gletscher (VS) und dem Griessfiren/Plattalvafirn (GL).
Die Messperiode 2026 reiht sich nur knapp hinter dem Rekordjahr 2022 ein. Dass dessen Verluste trotz höheren Temperaturen nicht ganz erreicht wurden, hängt damit zusammen, dass auf vielen Gletschern etwas mehr Schnee lag als 2022. Zusätzlich wurde 2026 weniger Saharastaub auf dem Schnee abgelagert. Somit wurde das Sonnenlicht besser reflektiert. Aber es gab Ausnahmen: So erlitten einige Gletscher (Allalin, Clariden, Grosser Aletsch und Rhone) dieses Jahr so starke Schmelze wie noch nie.
Schmelzwasser dämpft Wasserknappheit
Zwischen Juli und September haben die Gletscher insgesamt rund 2200 Milliarden Liter Wasser verloren. Dies entspricht mehr als viermal dem jährlichen Trinkwasserverbrauch aller Schweizer Haushalte.
Die Gletscherschmelze trägt damit momentan noch dazu bei, sommerliche Wasserknappheiten abzumildern. Allerdings nimmt dieser Effekt aufgrund der schwindenden Eisfläche schon heute deutlich ab.
