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Morteratschgletscher: Einer der spektakulärsten Orte der Schweiz

Morteratsch Gletscher Gletschergrotte Dezember 2024 Rauszeit
Bilder können die Stimmung in der Gletschergrotte nicht einfangen. Es ist ein märchenhafter Ort.Bild: Reto Fehr
Rauszeit

Diese Gletschergrotte war letztes Jahr ein Traum – und jetzt?

Gletscher sind ein faszinierendes Naturschauspiel. Dass sie schmelzen, gehörte in den letzten Jahren (leider) dazu. Dadurch können – für kurze Zeit – aber auch faszinierende Grotten entstehen. So auch im letzten Jahr beim Morteratschgletscher. Doch was ist jetzt noch davon übrig?
31.01.2026, 14:1031.01.2026, 16:32
Wichtig
Bevor wir zu den Details kommen: Ich war hier Teil einer geführten Tour, unterwegs mit einem Bergführer, ausgerüstet mit Helm und Grödel. Ich empfehle dies für den Besuch der Gletschergrotte. Gletscher solltest du nie ohne entsprechende Ausrüstung (angeseilt) und Ausbildung betreten.

Wir waren hier nicht auf dem Gletscher, die besuchte Gletschergrotte befindet sich im Toteis. In Grotten beim Gletscher (zum Beispiel bei der Gletscherzunge) solltest du nicht rein, weil Gletscher sich ständig bewegen können, auch wenn es so aussieht, als ob da nichts passieren könnte.

Vor rund einem Jahr besuchte ich die Gletschergrotten beim Morteratschgletscher und bezeichnete das Erlebnis danach so: «Wenn ich nur noch ein Outdoor-Erlebnis hätte, dann wäre es DAS hier.» Ich war also sehr angetan davon. Doch was wurde aus der Gletschergrotte? Hat sie den Sommer «überlebt» und ist auch jetzt noch da und begehbar? Ich frage bei der Bergsteigerschule Pontresina nach.

Doch erst grundsätzlich: Den Morteratschgletscher mal zu besuchen, ist jederzeit ein faszinierendes Erlebnis. Kurz nach dem Bahnhof Morteratsch steht schon die erste von 16 Informationstafeln. Im Jahr 1860 kam der Gletscher bis hierhin. Jetzt stehst du da und siehst nichts vom Eisriesen. Den erreichst du erst rund vier Kilometer weiter hinten und 75 Minuten später.

Morteratsch Gletscher Gletschergrotte Dezember 2024 Rauszeit
1860 kam der Gletscher noch bis hierhin. Jetzt wachsen da schon hohe Bäume.Bild: Reto Fehr

Die Spuren vom (jetzt weit zurückgezogenen) Gletscher zeigen sich unterwegs noch in der Landschaft. Rund 200 Meter hoch reicht die Seitenmoräne links und rechts im Tal. Bis da hinauf lag alles mal unter dem – nicht mehr so ewigen – Eis: eindrücklich.

Zuhinterst auf der Plaun da Morteratsch, dieser grossen Fläche, wo einst alles vergletschert war, laden Sitzbänke zum Verweilen ein. Hier ist alles sicher. Aber die Warntafel verrät es: Den Schuttwänden solltest du dich nicht nähern, weil jederzeit mit Steinschlag gerechnet werden muss.

Morteratsch Gletscher Gletschergrotte Dezember 2024 Rauszeit
Hier sieht man gut, wie hoch hinauf der Gletscher früher reichte. PS: Sieht nach weniger aus, als es ist. Die Grenze da oben liegt rund 200 Meter höher.Bild: Reto Fehr

Eine kleine Holzbrücke führt über den Gletscherabfluss Ova da Morteratsch. Ab jetzt ist es kein präparierter (Winter-)Spazierweg mehr, sondern ein Bergwanderweg (T3). Dieser führt seit einigen Jahren hinauf bis fast zur aktuellen Gletscherzunge. Je nach Verhältnissen sind Schneeschuhe angebracht.

Morteratsch Gletscher Gletschergrotte Dezember 2024 Rauszeit
Bis hierhin ist der Weg präpariert. Ab jetzt musst du dich in der alpinen Bergwelt auskennen oder eine Person dabei haben, die das Wissen hat.Bild: Reto Fehr

Erst nach der Kuppe zeigt sich der unterste Teil des Gletschers. Im letzten Winter hatte es weiter unten im Toteis eine faszinierende Gletschergrotte, die wie ein Tunnel 50 Meter unter dem Eis durchführte.

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Der obere Eingang zur Tunnelgrotte im Winter 2024/25. Und beim Klick im Januar 2026.

Sie verzauberte uns vom ersten Moment. Von aussen würde man nie erwarten, hier so eine Wunderwelt zu entdecken. Das Eis schimmerte in den schönsten Blautönen.

Grandios war auch das knapp zwei Meter breite Loch, das sich im Dach gebildet hatte. Wie ein Kamin führte es durch die Eisdecke und sorgte für weiteren Lichteinfall.

Morteratsch Gletscher Gletschergrotte Dezember 2024 Rauszeit
Der Kamin in der Tunnelgrotte im Winter 2024/25 – heute ist er weg.Bild: Reto Fehr

Wie lange so eine Grotte «überlebt», kann man nicht voraussagen. Solange es genügend kalt ist, sollte die Grotte im Winter nicht zusammenbrechen. Aber es folgte ja noch der Sommer 2025.

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Was für ein unwirklicher Ort: mitten in der Tunnelgrotte im Dezember 2024 und im Januar 2026 (zweites Bild).

Ich kann es verraten: Der Sommer hat seine Spuren hinterlassen. Die Gletschergrotte wurde kleiner, ist aber noch da. Die Bergsteigerschule Pontresina bietet auch in diesem Winter entsprechende Touren an.

Gletschergrotte Morteratschgletscher im Januar 2026 Gletscher schönste Orte der Schweiz
Blick zum unteren Ende der Gletschergrotte im Januar 2026, dort wo im letzten Jahr noch der Kamin war.Bild: Bergsteigerschule Pontresina

Maxie Engels von der Bergsteigerschule sagt: «Die Gletschergrotten sind nicht mehr so ganz eindrücklich wie noch im letzten Jahr, als sie wirklich speziell waren. Aber zumindest für diejenigen, welche noch nie so einen Ort sahen, bleibt das Erlebnis absolut faszinierend.»

Gletschergrotte Morteratschgletscher im Januar 2026 Gletscher schönste Orte der Schweiz
Unterwegs in der Gletschergrotte im Januar 2026.Bild: Bergsteigerschule Pontresina

Wann die aktuelle Gletschergrotte wieder zusammenfällt, kann nicht vorausgesagt werden. Vielleicht im Sommer, vielleicht auch später. Womöglich bricht sie auch früher zusammen. Falls du sie besuchen willst, dann mach das jetzt in der kalten Jahreszeit und schliesse dich einer geführten Tour an. Ohne Kenntnisse an so einen Ort zu gehen, ist gefährlich.

So schön die Gletschergrotten auch sind – sie haben einen bittersüssen Beigeschmack. Denn gebildet werden sie nur, wenn sich Gletscher zurückziehen (das passiert immer wieder auch bei anderen Schweizer Gletschern, beispielsweise dem Arollagletscher).

Das Schmelzwasser spült dann unter dem Gletscher die Grotten frei und macht sie im Bereich der Gletscherzunge zugänglich. Wann und wo die nächste besuchenswerte Gletschergrotte entsteht, weiss niemand. Am Morteratsch wartete die Bergsteigerschule vor dem Winter 2024/25 über zwei Jahre, bis es sich wieder lohnte.

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