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Mein Auto = mein Wohlfühlort. 
Mein Auto = mein Wohlfühlort. Bild: Kafi Freitag
FRAGFRAUFREITAG

Guten Tag Frau Freitag. Ich suche für eine Geschäftsstelle einen CEO und habe mir 46!!! Frauen und Männer angesehen und habe nun 2 Personen in der engsten Auswahl. 

04.05.2015, 12:2804.05.2015, 13:48

Beide sind top qualifiziert und haben hervorragende Referenzen, Berufserfahrungen. Es fällt mir sehr schwer, mich zwischen den beiden zu entscheiden. Ich könnte den Weg eines professionellen Assessments gehen, aber der ist sehr zeitaufwendig und kostspielig. Vielleicht wissen Sie einen Trick? Was halten Sie von graphologischen Gutachten? Wie würden Sie vorgehen? Danke für Ihren Input! Ihre Caroline, 41

Liebe Caroline 

Eine kurze und richtig spannende Frage. Danke dafür! Wie Sie vielleicht wissen, habe ich vor nicht allzu langer Zeit jeweils samstags in einem sehr renommierten Brautmodengeschäft in Zürich als Beraterin gearbeitet. Das war eine Not-Massnahme, die ich ergreifen musste, weil ich nach meiner eigenen Hochzeit vor 2 Jahren nicht aufhören konnte, weiterhin Brautmagazine zu kaufen und billige TV-Sendungen zu schauen, die sich um den Kauf des Brautkleides drehen. Also bewarb ich mich spontan beim Besitzer dieses Geschäfts, und obwohl er eigentlich keine freie Stelle hatte, lud er mich zum Interview ein. Dieses dauerte etwa eine Stunde und mutete an, als hätte ich mich für den Job eines Bankdirektors beworben. Er setzte dem Ganzen noch einen drauf, in dem er um eine Schriftprobe für ein grafologisches Gutachten bat. So eines hatte man zuletzt vor knapp 20 Jahren anfertigen lassen, als ich durch ein 2-wöchiges Assessment geschleust wurde, bevor ich Filialleiterin einer deutschen Modekette wurde.

Ich war sehr überrascht, dass man heute noch damit arbeitet, weil es doch schon sehr viel Interpretationsraum lässt, aber gleichzeitig war ich sehr gespannt, weil ich schon auch denke, dass die Handschrift ein erweiterter Teil der eigenen Persönlichkeit darstellt. Das Ergebnis war sehr erstaunlich; erkannte ich mich doch in jeder Aussage wieder. Der Geschäftsführer war vermutlich etwas enttäuscht, hatte er doch erwartet, wenigstens eine Leiche in meinem Keller zu finden, aber da ich mit meinen Abgründen einen kollegialen Umgang pflege, war das Gutachten aus dem Fenster geworfenes Geld. (Ich wurde kurzum angestellt und nach ein paar Monaten ähnlich kurzum entlassen, so wie alle anderen Verkäuferinnen vor und nach mir auch, und ich fragte mich ernsthaft, wen die Geschäftsführerin ihre Schriftprobe hatte schreiben lassen.)

Dennoch könnte ich mir gut vorstellen, dass es Ihnen – gerade in so einer Entscheidung – den letzten fehlenden Input geben könnte. Und zwar nicht, um irgendwelche Macken an den Bewerbern offenzulegen, sondern weil es einfach nur noch ein Zünglein an der Waage brauch, das Ihnen die Entscheidung leichter macht.

Wenn Sie es noch etwas unkomplizierter und günstiger, aber mindestens so aussagekräftig haben möchten, dann rate ich Ihnen zu einer gemeinsamen Autofahrt. Laden Sie die BewerberInnen unter einem Vorwand zu einer Autofahrt ein (möglichst in deren eigenen Wagen, weil ein gewisser Heimvorteil bei diesem «Test» noch sachdienlich ist) und beobachten Sie gut, wie sich die beiden hinter dem Steuer benehmen.

Der Fahrstil eines Menschen sagt nämlich sehr viel über seinen Charakter aus. Ist jemand im Verkehr rücksichtslos und hupt, kaum dass die Ampel auf grün ist, so wird er im Berufsalltag auch nicht gerade umsichtig und geduldig handeln. Unser Auto ist eine Erweiterung unseres Wohnraums und dort fühlen wir uns sicher und geschützt. Darum kommen gerade hinter dem Steuer Macken und Angewohnheiten an die Oberfläche, die wir unter Umständen lieber für uns behalten würden. Es ist schon klar, dass man sich mit einer möglichen zukünftigen Chefin auf dem Beifahrersitz etwas zusammenreisst und es vermutlich nicht zu allzu krassen cholerischen Zwischenfällen kommen wird. Aber gleichzeitig ist es erstaunlich, dass man neben der normalen Beanspruchung im Verkehr fast nicht mehr in der Lage ist, sein eigenes Verhalten auf der Metaebene zu kontrollieren.

Machen Sie also ein kleines Ausfährtli und halten Sie die Augen offen! Selbstredend sagt auch die Ordnung oder die Sauerei im Wagen bitzli öppis über den Besitzer aus, aber da bin ich persönlich jetzt eher froh, dass ich mein eigener Chef bin ...

Ganz herzlich! Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.



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Bild: Kafi Freitag
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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno Wüthrich
05.05.2015 09:26registriert August 2014
Erstaunt reibe ich mir die Augen: Für eine Geschäftsstelle sucht Frau Caroline einen CEO. Weil eine Entscheidung her muss, fragt sie Frau Freitag. Da frage ich mich, wie denn Frau Caroline dort hin kam, wo sie jetzt ist. Ich stelle mir vor, dass sie entweder die Eigentümerin einer ganzen Kette von Geschäften oder eine so hohe Angestellte ist, dass sie mit der Rekrutierung von CEOs beaurtragt werden kann. In beiden Fällen sollte sie derartige Entscheidungen treffen können, bzw. wissen, welche Wege zur Entscheidungsfindung sie gehen kann. Der Weg über Frau Freitag erscheint mir etwas seltsam.
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Was sagt man einem, der öffentlich pisst?
Am Wochenende lief ich bei prächtigem Wetter eine vielbelaufene Treppe zur Limmat hinunter, als unvermittelt vor mir ein junger Mann, ca. 30-jährig, seelenruhig auf diese brunzte. Darf/muss ich ihn darauf ansprechen, dass sich dies nicht gehört? PS: Ich muss noch hinzufügen, dass seine weibliche Begleitung direkt daneben stand und dies anscheinend völlig in Ordnung fand … Marco, 33

Lieber Marco

Wissen Sie, was mich in der Schweiz und an den Schweizern am meisten nervt? Dieses Hobbypolize-Spielen. Das erlebe ich sonst nirgends in dieser ausgeprägten aufgeilenden Art wie hier. Nirgends, wüki. Wir sind ein Volk von Menschen, die 1. immer wissen, was richtig ist und wie man es besser macht, und die es 2. ungefragt jedem mitteilen. Ein Velo auf dem Trottoir? Geht gar nicht!!! Sofort ausrufen, auch wenn's 3 Meter weit weg im Schritttempo fährt. Auf der Rolltreppe links stehen statt rechts: Elende huere Sauerei! Auch dann, wenn ich es eigentlich gar nicht eilig habe und nicht würde hochgehen wollen, stünde da nicht einer, der es mir verunmöglicht. Ich könnte Ihnen noch tausige solcher Beispiele aufzählen, aber irgendwie habe ich grad besseres zu tun und ich denke Sie verstehen, was ich meine.

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