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Feiert Ancillo Canepa mit dem FCZ den dritten Meistertitel?
Feiert Ancillo Canepa mit dem FCZ den dritten Meistertitel?Bild: keystone
Interview

FCZ-Präsident Ancillo Canepa: «Personalisierte Tickets taugen nichts»

Welche Überraschung: Der FC Zürich steigt in einer Woche als souveräner Tabellenführer in die Rückrunde. Präsident Ancillo Canepa verrät im Interview, ob die Meisterfeier bereits in Planung ist, was mit den identifizierten Fackelwerfern vom Derby passiert und wen er für geisteskrank hält.
22.01.2022, 16:3523.01.2022, 10:35
François Schmid-Bechtel / ch media

Haben Sie den Helvetiaplatz schon für die Meisterfeier gebucht?
Ancillo Canepa: (lacht) Darauf antworte ich nicht. Natürlich kommen immer wieder schöne Erinnerungen hoch, wenn ich am Helvetiaplatz vorbeifahre. Ich denke dann daran, wie wir dort zusammen mit 15'000 Fans Titel gefeiert haben. Oder als wir um 2 Uhr morgens als frischgebackene Meister von einem Auswärtsspiel in Zürich ankamen und von 5000 Leuten auf dem Helvetiaplatz empfangen wurden. Etwas in der Art noch einmal erleben zu dürfen, wäre schon traumhaft. Aber ich bin kein Träumer.

Die Spieler des FC Zürich feiern nach dem Gewinn des Meistertitels 2006.
Die Spieler des FC Zürich feiern nach dem Gewinn des Meistertitels 2006.Bild: KEYSTONE

Wer weiss, ob Sie als FCZ-Präsident jemals wieder als Leader in die Rückrunde starten werden?
Das stimmt. Deshalb bin ich auch sehr zufrieden. Wir haben nur zwei Punkte weniger als zum Rückrundenstart im Jahr 2009, als wir letztmals Meister geworden sind. Aber ich betone: Wir sind erst bei Halbzeit und es gibt ein paar ambitionierte Gegner, die in vielerlei Hinsicht besser aufgestellt sind als wir. Wir nehmen Spiel für Spiel.

Das sagen alle. Egal. Der FCZ profitiert auch von schwächelnden Gegnern. YB, das lange nicht auf Touren kam. Und Basel, das die PS auch nicht auf den Rasen bringt.
Das will ich weder beurteilen noch kommentieren. Natürlich haben Basel und YB hervorragende Einzelspieler. Aber wir haben als Mannschaft am besten performt. Und stehen deshalb zurecht auf dem ersten Platz.

Erkennen Sie Parallelen zu früheren, erfolgreichen FCZ-Teams?
Auch das Meisterteam von 2006 hatte einen überragenden Teamgeist. Und wir hatten auch damals mit Lucien Favre einen Trainer, der sehr akribisch arbeitet. Wie 2006 haben wir auch heute nicht den Superstar, der alles alleine entscheidet. Das macht es vielleicht etwas einfacher, als Team zusammenzuwachsen. Einen Spirit, wie ihn die aktuelle Equipe hat, habe ich kaum je erlebt.

Die aktuelle Mannschaft ist punkto Teamgeist mindestens so stark wie jene von 2006?
Absolut. Erstaunlich an dieser Mannschaft ist, wie schnell sie das Spielkonzept des Trainers adaptiert hat. Was mich früher jeweils genervt hat war dieses verhaltene Spiel in die Breite und nach hinten. Das sieht man heute nicht mehr. Heute spielen wir nach vorne, bedingungslos.

Gemeinsam mit YB stellt Zürich die gefährlichste Offensive der Liga.
Gemeinsam mit YB stellt Zürich die gefährlichste Offensive der Liga. Bild: keystone

Was lief den in den letzten Jahren falsch? Hatten die Trainer ein falsches Konzept oder waren die Spieler schwer von Begriff?
André Breitenreiter lässt kein Nachlassen zu und beharrt darauf, dass die Spieler diszipliniert ihre Aufgaben auf dem Platz wahrnehmen. Er verlangt höchste Laufbereitschaft. Deshalb laufen die Spieler auch mehr als früher.

Ist Breitenreiter der beste FCZ-Trainer seit Lucien Favre?
Ich will keine Vergleiche anstellen. André Breitenreiter ist aber mit Sicherheit ein Trainer, der sehr viel von einem Top-Trainer-Profil erfüllt. Er ist einer, der die Stimmung im Team sehr schnell aufnimmt und dementsprechend reagiert. Und er ist ein Fussballlehrer. Einer, der die Spieler besser macht. In dieser Hinsicht ist er ähnlich wie Lucien Favre.

Wie aus einer anderen Zeit: 2007 holte der FCZ unter Lucien Favre (rechts) die Meisterschaft.
Wie aus einer anderen Zeit: 2007 holte der FCZ unter Lucien Favre (rechts) die Meisterschaft.Bild: KEYSTONE

Auf einer Liste der 50 weltbesten Trainer würde kaum jemand Breitenreiter aufführen?
Das sehe ich anders. Ich verfolge ihn seit bald zehn Jahren und war immer beeindruckt, wie er seine Teams spielen liess. Als Vorbereitung auf unser Europa-League-Spiel gegen Leverkusen schaute ich zum Beispiel deren Partie gegen Breitenreiters Hannover. Und es war der Aussenseiter Hannover, der die Partie dominierte. Dass wir unseren Wunschtrainer verpflichten konnten, war sicherlich ein Glücksfall für den FCZ.

Alles wunderbar beim FCZ. Wagen Sie wenigstens die Prognose, dass der FCZ bis zuletzt im Titelrennen involviert ist?
Ich will mich nicht auf die Äste wagen. Es ist auch kein Thema, das mich täglich beschäftigt. Ich bin einfach sehr dankbar, dass wir nach hinten keine Probleme haben. Viele entgegnen nun: «Hey Canepa, was spinnst du, von Klassenerhalt zu reden.» Aber ich habe dieses Zittern im Tabellenkeller ein paar Jahre mitgemacht. Dass wir nach hinten endlich mal Luft haben, ist eine grosse Befriedigung. Natürlich wollen wir das Bestmögliche aus der Situation machen, weil wir ambitioniert sind.

Es ist ja nicht so, dass Sie Ronaldo verpflichtet haben. Im Gegenteil: Der FCZ steht mit der fast identischen Mannschaft, die letztes Jahr im Abstiegskampf involviert war, an der Tabellenspitze.
Einerseits gebe ich Ihnen recht. Häufig stehen acht Spieler in der Startaufstellung, die schon letzte Saison bei uns waren. Andererseits haben wir im Sommer 2021 mit Sportchef Marinko Jurendic eine sehr sachliche, objektive und gründliche Kaderanalyse gemacht und konsequenterweise 28 Mutationen vorgenommen. Wir wussten zum Beispiel, dass wir zwei Aussenläufer mit grossem Volumen brauchen. Das war zentral. Die haben wir in Nikola Boranijasevic und Adrian Guerrero gefunden. Und wir haben einen Assan Ceesay, der plötzlich Tore schiesst.

Canepa und Sportchef Marinko Jurendic während einer Pressekonferenz im August 2020.
Canepa und Sportchef Marinko Jurendic während einer Pressekonferenz im August 2020.Bild: keystone

Ceesay ist aber kein Neuzugang.
Ja, aber er hat letzte Saison die Tore nicht geschossen. Dass es bei ihm nun viel besser läuft, ist das grosse Verdienst des Trainers. André Breitenreiter kam nicht mit einer vorgefassten Meinung, sondern hat erst mal beobachtet, Gespräche mit den Spielern geführt und dann erst hat er korrigierend eingegriffen. Ausserdem war Breitenreiter früher selber Stürmer in der Bundesliga, was für die Zusammenarbeit mit Ceesay von grossem Vorteil ist. Da habe ich übrigens erstmals auch realisiert, dass alle unsere früheren Trainer als Fussballer Defensivspieler waren.

Viele Menschen haben das Bild vom Alleinherrscher Canepa. Warum sind Sie früher nicht eingeschritten, als Sie mitansehen mussten, wie ihre Trainer das 1.8 Millionen Investment Assan Ceesay nicht auf Touren bringen?
Sportliche und wirtschaftliche Aspekte trenne ich strikt. Sicher haben meine Frau und ich mit einigen Millionen das Fortbestehen des Klubs sichergestellt. Aber Heliane und ich haben das nie aus Investitionsgründen gemacht. Es ging uns einzig darum, die Liquidität und die Fortführung des Klubs sicherzustellen. Nie habe ich von einem Trainer oder Sportchef gefordert, dieser oder jener Spieler müsse forciert werden, weil der FC Zürich einiges in ihn investiert hat. Das sind Themen, die wir nie diskutieren. Klar haben wir Freude, wenn der Marktwert eines FCZ-Spielers steigt. Aber das war noch nie eine Zielvorgabe an einen Trainer oder Sportchef.

«Wir wollen mit Assan Ceesay verlängern. Und er will bei uns bleiben.»
Ancillo Canepa

Aber Sie sagen immer wieder, der FCZ brauche ausserordentliche Einnahmen …
... das stimmt leider. Ohne ausserordentliche Einnahmen starten wir mit einem strukturellen Defizit in die Saison. Und diese Einnahmen sind abhängig vom sportlichen Erfolg. Wenn der FCZ erfolgreich ist, finanziert er sich selbst.

Auch wenn keine Transfereinnahmen fliessen?
Ja, falls wir eine Europacup-Gruppenphase erreichen. Ausserdem: Transfereinnahmen werden in der Regel reinvestiert.

Aber nicht 1 zu 1?
Den grössten Teil schon.

Ceesays Vertrag läuft zum Ende der Saison aus …
… seine Absicht ist deckungsgleich mit unserer. Wir wollen verlängern. Und er will bei uns bleiben.

Assan Ceesay schoss in der Hinrunde elf Tore für seinen Klub.
Assan Ceesay schoss in der Hinrunde elf Tore für seinen Klub.Bild: keystone

Sind Sie zuversichtlich, dass es noch zur Verlängerung kommt? Schliesslich könnte Ceesay ein sattes Handgeld kassieren, wenn er im Sommer ablösefrei wechselt.
Es gibt Spieler, die integer und loyal sind und es gibt andere Spieler. Ceesay gehört in die erste Kategorie. Es gibt Spieler, die bei uns ausgebildet worden sind und irgendwann den Vertrag auslaufen liessen, um ablösefrei ins Ausland zu wechseln. Solche Spieler werden nie mehr zum FCZ zurückkehren können, solange wir etwas zu sagen haben. Es gab aber auch Spieler, die im Wissen um einen bevorstehenden Auslandtransfer den Vertrag mit dem FCZ verlängerten, so dass alle Parteien vom Wechsel profitieren konnten. Rüegg und Sohm waren solche Beispiele.

Sie garantieren, dass Ceesay seinen Vertrag verlängert.
Nichts ist garantiert. Aber die Signale, die er sendet, deuten stark in Richtung Vertragsverlängerung. Dazu eine Episode: Nach dem Auftaktsieg beim Africa Cup mit Gambia schickte er eine Videobotschaft aus der Kabine und skandierte: «FCZ, FCZ, FCZ!» Ceesay ist ein hochanständiger Mann.

Ein anderer Vertrag, der im Sommer ausläuft, ist jener des bald 36-jährigen Blerim Dzemaili.
Da stehen Fragen wie Fitness und Wille im Zentrum. In den letzten Monaten hat er hervorragende Leistungen gezeigt. Er ist ein sehr wichtiger Spieler geworden.

Wer sind die Spieler, für die die Türe beim FCZ für immer geschlossen ist?
Toni Domgjoni hat uns letztes Jahr ablösefrei verlassen. Früher auch Brunner, Buff und Koch. Sie scheinen offenbar vergessen zu haben, wem sie ihre Profikarriere verdankten und wer in all den Jahren sehr viel in sie investiert hat.

Spielt Blerim Dzemaili auch nächste Saison für die Zürcher?
Spielt Blerim Dzemaili auch nächste Saison für die Zürcher?Bild: keystone

Sie werden nächstes Jahr 70.
Echt? Ich spüre das Alter weder physisch noch psychisch. Und auf die Frage, wie lange Heliane und ich beim FC Zürich noch auf der Kommandobrücke stehen: Keine Ahnung. Wir machen es so lange, wie wir denken, etwas bewirken zu können.

Und Sie sind seit 2006 Präsident beim FCZ.
Ich fühle mich jedenfalls nicht amtsmüde. Ich war zuvor ja auch 30 Jahre für Ernst & Young tätig. In verschieden Funktionen. Ich denke, ich habe auch dort einiges bewegen können. Mein Grundsatz lautete stets: Wenn mir etwas nicht mehr gefällt, ändere ich entweder etwas an mir, an der Situation oder ich gehe.

Aber im Gegensatz zu Ihrer Zeit bei Ernst & Young tragen Sie beim FCZ eine Last.
Natürlich könnte ich mir ein einfacheres Leben vorstellen. Bei Ernst & Young war ich Teil einer weltweit tätigen und einflussreichen Organisation. Da war man nie alleine. Beim FCZ ist die Verantwortung und die Belastung, die wir praktisch im Alleingang tragen, phasenweise schon sehr gross. Ich denke nur schon an den Abstieg 2016.

Wieso tun Sie und Ihre Frau es sich weiterhin an, die alleinige Verantwortung für den FCZ zu tragen?
Der FCZ ist ein KMU, vergleichbar mit einem Familienunternehmen in der «normalen» Wirtschaft. Auch dort sind Firmen oft deshalb erfolgreich, weil Führung und Aktionariat sich nicht ständig mit externen Einflüssen herumschlagen müssen. Auch hört man von Politikern oder Wirtschaftskapitänen nach einem Misserfolg: «Ich übernehme die Verantwortung und trete zurück.»

Das hat doch nichts mit Verantwortung übernehmen zu tun. Im Gegenteil. Deshalb haben wir auch nach dem Abstieg unsere Verantwortung so definiert, dass wir möglichst alles für den Wiederaufstieg unternehmen wollten. Wenn Heliane und ich irgendwann mal gehen, dann machen wir das geordnet. Wir wollen dannzumal ein gesundes Baby weitergeben.

Heliane und Ancillo Canepa leiten seit 2006 die Geschicke des FCZ.
Heliane und Ancillo Canepa leiten seit 2006 die Geschicke des FCZ.Bild: KEYSTONE

Ist es denkbar, wie bei GC das Baby in ausländische Hände zu geben?
Dass wir unsere Aktien nicht mit ins Grab nehmen wollen, ist ja klar. Irgendwann kommt die konkrete Frage nach der Nachfolgeregelung. Wie auch immer, wir wollen eine nachhaltige Lösung. Eine Lösung, die für den Klub, für die Fans und auch für die Stadt stimmt. Mit Sicherheit werden wir den FC Zürich nicht zu einem Farmklub verkommen lassen.

Schliessen Sie sich auch eine Kooperation aus?
Das käme nur infrage, wenn wir auf Augenhöhe operieren könnten.

Und wenn der Kooperationspartner sehr viel grösser ist?
Es geht nicht primär um die Grösse. Es geht um Integrität, um Vertrauen. Nur Befehlsempfänger zu sein wäre für uns persönlich niemals eine Option.

Entpuppt sich die chinesische Übernahme bei GC zu Ungunsten des Vereins? Sind die Hoppers lediglich Befehlsempfänger der Wolverhampton Wanderers, die den selben Besitzer haben?
Das will ich nicht kommentieren.

Nach dem Derby vom 23. Oktober warfen FCZ-Ultras brennende Fackeln Richtung GC-Sektor. Im Nachgang wurden zwei Delinquenten identifiziert. Ist das eine zufriedenstellende Bilanz?
Eine gute Bilanz wäre es dann, wenn 50 hätten identifiziert werden können. Aber die Identifizierung ist enorm schwierig, wenn alle vermummt sind. Jetzt hat man mal zwei, immerhin. Das ist positiv. In vielen anderen Fällen kommen die Chaoten ungeschoren davon. Nun werden auch wir reagieren.

Am 23. Oktober 2021 kam es zu wüsten Szenen während des Zürcher Derbys im Letzigrund.
Am 23. Oktober 2021 kam es zu wüsten Szenen während des Zürcher Derbys im Letzigrund.Bild: keystone

In welcher Form?
Wir werden die zwei identifizierten auf Schadenersatz verklagen.

Können Sie quantifizieren, wie viel es den FCZ neben den 20'000 Franken Busse insgesamt gekostet hat?
Das will ich nicht. Aber die beiden Chaoten werden das noch zu spüren bekommen, das garantiere ich. Das war schon in anderen Fällen so.

Werden die beiden jemals wieder Zutritt zu einem FCZ-Heimspiel haben?
Nie wieder. Denen werden wir ein lebenslanges Stadionverbot aufbrummen. Auch wenn das von Rechtsexperten wahrscheinlich wieder kritisiert wird.

Was macht Sie so sicher, dass die beiden nie mehr an einem FCZ-Heimspiel aufkreuzen werden?
Die Sicherheits-Infrastruktur im Letzigrund ist tatsächlich suboptimal. Deshalb gibt es keine Garantie.

Was hat die Identifizierung der beiden in der Fankurve ausgelöst?
Mit den Capos tauschen wir uns regelmässig aus. Das sind vernünftige und sehr intelligente Leute, die jegliche Gewalt strikte ablehnen.

Ich bitte Sie: Wenn die Capos derart gegen Gewalt sind, warum kriegen Sie die Kurve nicht in den Griff?
Das sind 5000 Leute in der Kurve.

Aber wir reden von den Chefs und Anführern der Hardcore-Fans.
Aber die Kurve ist sehr unübersichtlich, weil immer wieder neue Leute dazu kommen, die die Anonymität suchen, vollgeladen mit irgendwelchen Substanzen und deshalb nicht zu kontrollieren sind. Das ist kein FCZ-, sondern ein gesellschaftliches Problem. Und ein Problem von Eltern, die erziehungsmässig versagen. Die sollten mit 20'000 Fanken gebüsst werden.

Die Folge: Nach dem Derby schrie alles nach personalisierten Tickets.
Das ist das Üble dieser Geschichte. Jahrelang hatten wir im Stadion kein Problem mehr. Und dann kommen ein paar Vollidioten und spielen mit ihrer hirnlosen Aktion den selbsternannten Experten in die Karten, was diese für ihre Forderung nutzen, eine unausgegorene Idee sofort in die Praxis umzusetzen.

Irgendetwas muss doch geschehen.
Ach, da wollen wieder ein paar Politiker und Behörden auf dem Rücken des Fussballs Wahlkampf und PR betreiben. Personalisierte Tickets sind nicht die Lösung des Problems. Im Gegenteil. Es kostet jetzt nur wieder Zeit und Energie, wiederholt zu erklären, weshalb personalisierte Tickets in der Schweiz in der vorgesehenen Form nicht funktionieren.

«In vielen anderen Ländern, auch in England, herrscht ein anderes Polizeiregime.»
«In vielen anderen Ländern, auch in England, herrscht ein anderes Polizeiregime.»Bild: keystone

Was ist denn so falsch an personalisierten Tickets?
Die nützen nichts, so lange wir Stehplätze haben. Auch wenn wir nur noch Sitzplätze im Stadion hätten, würden die Fans stehen und sich auf den Rängen bewegen.

Beispiel England: Dort funktioniert es mit Sitzplätzen und personalisierten Tickets.
Aber in vielen anderen Ländern, auch in England, herrscht ein anderes Polizeiregime. Dort ist die Polizei im oder beim Stadion und bereit, sofort einzugreifen. Damit will ich aber nicht fordern, dass man das in der Schweiz auch so handhaben soll. Ausserdem würden dazu gemäss eigenen Aussagen der Polizei die Ressourcen und diesbezügliche Ausbildung fehlen. Es ist auch eine Frage von Angebot und Nachfrage. In England reissen sich die Menschen um Fussball-Tickets. Da will keiner riskieren, dass er wegen schlechtem Benehmen mit einem Stadionverbot belegt wird. Wenn wir für jedes Spiel 50'000 Ticketanfragen hätten, wäre vielleicht vieles auch einfacher.

Beispiel England: Dort funktioniert es mit Sitzplätzen und personalisierten Tickets.
Ja.

Die nächste Forderung war jene nach der Schliessung der Gästefansektoren.
Wir leben immer noch in einem freiheitlichen Gesellschaftssystem. Wenn jemand in diesem Land ein Fussballspiel schauen darf, soll er diese Möglichkeit haben. Einer ganzen Gruppe von Personen den Stadionbesuch zu verbieten, ist auch eine Form von Rassismus. Etwas will ich zu diesem Thema noch loswerden.

Bitte.
Wenn die Polizei die Gästefans schon am Bahnhof in Vollmontur und mit Wasserwerfern empfängt, kann das eine Gegenreaktion provozieren. Vielleicht ist es Zeit, sich auch mal darüber Gedanken zu machen.

Fordern Sie etwa den Abzug der Polizei?
Nein, aber sie könnte sich vielleicht auch etwas diskreter verhalten, zumindest so lange nichts passiert. Wie das zum Beispiel in Deutschland gehandhabt wird.

«Das Stadion kommt. Die Frage ist nur: Wann?»
«Das Stadion kommt. Die Frage ist nur: Wann?»Bild: KEYSTONE

Neben dem Sicherheits-Thema beschäftig Sie auch der Bau eines Fussballstadions seit der Amtsübernahme vor 15 Jahren.
Oh ja. Und es ist bisweilen sehr absurd.

Was meinen Sie?
Zuletzt wurde eine Stimmrechtsbeschwerde abgewiesen. Aber das Organ war nicht in Vollbesetzung. Statt sechs waren nur fünf Mitglieder anwesend. Diese fünf haben zwar einstimmig beschlossen, die Beschwerde abzuweisen. Aber weil das Organ nicht vollzählig war, haben die anderen wieder Einspruch erhoben. Also ist die Stimmrechtsbeschwerde immer noch hängig, auch wenn sie keine Chance hat auf Erfolg.

Den nächsten Meistertitel feiern Sie wohl vor dem Umzug ins neue Stadion.
Das weiss ich nicht. Was ich aber weiss: Das Stadion kommt. Die Frage ist nur: Wann? 2025 ist realistisch. Nach Erhalt der Baubewilligung dauert es nur noch zwei Jahre, bis das Stadion steht.

Bizarr war die Einsprache, weil in der Stimmrechtszeitung nichts von einer geplanten Schule in einem der Hochhäuser erwähnt war.
Der Stadt Zürich sucht dringendst Schulraum. Irgendwann kam man auf die gute Idee, man könnte in einem der Hochhäuser eine Schule einrichten. Wer in der Stadt Zürich neuen Schulraum verhindern will, ist definitiv geisteskrank. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: keystone / thomas hodel
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14 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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Um es gleich klarzustellen: Barbecue (kurz BBQ) ist nicht einfach «Grillieren», sondern ... ja, was denn genau? Wir sprachen mit jemandem, der Bescheid weiss.

Smoked brisket, Texas beef ribs, pulled pork butt – nur schon beim Gedanken daran läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Barbecue, Leute! Manchmal gibt's nichts Besseres – gerade an einem lauen Sommerabend, gemütlich mit eiskaltem Bier. Mmh.

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