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Die Nachhalterin

«Nachhaltigkeit bringt eh nichts!» – So konterst du am besten

Wie diskutierst du mit dem Arbeitskollegen oder der Freundin, denen der Klimawandel egal ist? Wie mit Familienmitgliedern, die ihn leugnen? Was kontraproduktiv ist, was hilft und welche Bedeutung der soziale Druck dabei hat – mehr darüber im Gespräch mit der Umweltpsychologin Cathérine Hartmann.
13.05.2022, 08:23
Contentpartnerschaft mit WWF
Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit WWF. Die Beiträge werden von der freischaffenden Journalistin Jennifer Zimmermann verfasst.

Man muss nicht perfekt sein, um das Klima zu schützen! In dem WWF-Motto findet sich auch Jennifer wieder. Sie lebt (meist) vegetarisch, duscht (zu) oft (zu) lange und wühlt zum Unbehagen mancher Familienmitglieder (fast) immer in den «Gratis zum Mitnehmen»-Kisten am Strassenrand. Als «Die Nachhalterin» schreibt sie für den WWF und hilft dir und sich selbst, den Weg zu einem nachhaltigeren Leben zu finden. Für weitere Panda-Tipps zur Nachhaltigkeit: wwf.ch/umwelttipps

Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

Es ist unbestritten: Wir müssen etwas tun, um den Klimawandel aufzuhalten. Was kann ich jemandem entgegnen, der sagt: «Warum denn ich? Sollen doch die anderen auch mal etwas machen!»
Cathéerine Hartmann: Ich bin versucht zu sagen, dass das «der Klassiker» unter den Argumenten ist. Was die Person sagt, ist gut nachvollziehbar, teilweise kommt ein Ohnmachtsgefühl auf. Ich kann mir ihre Gefühlslage aber zunutze machen. Ihre Selbstwirksamkeit scheint gemindert. Es könnte helfen, wenn ich auf den Aspekt des Kollektiven umswitche. Ich kann ihr vorschlagen, sich einem Verein oder einer Bewegung wie «Fridays for Future» anzuschliessen. Manchmal hilft es auch, wenn ich sie indirekt wissen lasse, dass sie Teil einer Gruppe ist und dieser unwissend angehört.

Welche Vorteile hat es, sich aktiv in eine Gruppe einzubringen?
Wenn ich mich aktiv in eine Gruppe einbringe, fühle ich mich nicht mehr wie ein «drop in the ocean», sondern eben als Teil eines grossen Ganzen, der auch einen grösseren Impact hat. Es macht zudem gemeinsam mehr Spass, wie zum Beispiel Aktionen wie «Bike to Work» zeigen.

Was bedeutet es, unwissend einer Gruppe anzugehören?
Beispiele dafür sind die Migros Cummulus oder Coop Sammelpunkte. Man ist Teil einer Gruppe, ohne dass man diese Menschen kennt oder sich in die Gruppe einbringen muss.

Welche Vorteile hat das?
Der Aspekt der sozialen Norm hat einen sehr grossen Einfluss auf unser Verhalten. Dies kann zum Beispiel mittels Auswertungen meiner Einkäufe oder Stromabrechnung geschehen, die zeigen, wie nachhaltig ich im Vergleich zu anderen konsumiere. Wenn ich derzeit (noch) unter dem Durchschnitt liege, motiviert mich das eventuell, mein Verhalten weiter anzupassen, damit ich besser als die anderen werde.

Wir sind also recht simpel gestrickt.
Genau. Der soziale Druck ist ein starkes Tool, das im Hintergrund dazu führt, dass wir unser Verhalten ändern.

«Finanzielle Anreize wirken ebenfalls, aber deutlich weniger stark als der soziale Druck.»
Umweltpsychologin Cathérine Hartmann.
Umweltpsychologin Cathérine Hartmann.Bild: zhaw
Zur Person
Cathérine Hartmann ist Umweltpsychologin. Seit 2015 arbeitet sie an der ZHAW am Departement Angewandte Psychologie (Umweltpsychologie) und ist im neu gegründeten Zürich Knowledge Center for Sustainable Development (ZKSD) tätig.

Können Sie mehr dazu sagen, wie das funktioniert?
In einer Gruppe ist man mit anderen verbunden. Man vergleicht sich, tritt mit ihnen in einen Wettbewerb. Es gibt viele Studien aus der Sozial- und Umweltpsychologie, die das aufzeigen. Finanzielle Anreize wirken ebenfalls, aber deutlich weniger stark. Bei Kollektiven funktioniert dieser soziale Druck genauso, aber es geschieht weniger über Konkurrenz. Das ist der kleine feine Unterschied.

Wie diskutiere ich am besten mit einer Person, die sich gar nicht um den Klimawandel schert?
Eines vorweg: Gute und kritische Meinung ist immer wichtig für den Nachhaltigkeitsdiskurs. Überzeugungsarbeit ist oft nicht einfach, aber sie ist wichtig und häufig passieren Veränderungen auch über unbewusste Pfade. Wenn eine Person gleichgültig ist, kann es helfen, Zukunftsvisionen aufzuzeigen. Zum einen solche, die zeigen, wie es künftig ausschaut, wenn wir nichts ändern und weitermachen wie bisher. Zum anderen solche, die eine positive Zukunft zeigen, die durch einen genügsamen Lebensstil begünstigt ist. Hier sollte man ebenfalls Handlungsoptionen anbieten, wie man dahin kommt.

Dann antwortet die Person womöglich, dass sie dann sowieso schon tot sei.
Vielleicht antwortet sie aus Angst so oder weil sie schon aufgegeben hat. Man sollte keinesfalls Horrorszenarien aufzeigen oder mit zu «harten» Emotionen kommen. Das hat genau den gegenteiligen Effekt («backfire effect»), den man sich wünscht. Emotionen wirken besser, wenn sie gemässigt und mit Lösungsoptionen versehen sind.

Wie kann man sich den starken Effekt von Emotionen trotzdem zunutze machen?
Man kann Emotionen als Eye Catcher verwenden. Für eine langfristige Wirkung muss man aber auch Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Wir kennen das aus der Unfallforschung: Wenn wir nur blutige Unfallfotos zeigen, schockiert das zwar, aber wir wissen dadurch nicht, wie wir Unfälle verhindern können. Dasselbe gilt für die abschreckenden Fotos auf Zigarettenpackungen; wir sehen die Folgen des Rauchens, rauchen aber weiter, da wir nicht wissen, wie wir anders handeln könnten. In Studien rund um den Einsatz von emotionalen Videos konnte zudem gezeigt werden, dass diese eine erhöhte, aber nur kurzandauernde Spendenbereitschaft hervorrufen.

«Emotionen wirken besser, wenn sie gemässigt und mit Lösungsoptionen versehen sind.»

Was sind konkrete Handlungsmöglichkeiten, um nachhaltiger zu leben?
Wir wissen, welche Bereiche besonders viel «einschenken». Bei der Mobilität und der Ernährung besteht zum Beispiel der grösste individuelle Spielraum und wenn man im Bereich des Wohnens (Heizen/Wohnfläche) etwas ändern kann, trägt das zu reduzierten Emissionen bei. Erst einmal darf die Verhaltensänderung keinen finanziellen Nachteil bringen und sollte möglichst einfach und intuitiv gemacht werden können. Am besten fangen Sie mit möglichst kleinen Dingen an. Sie kaufen zum Beispiel gewisse Labels ein, achten auf Regionalität und Saisonalität, versuchen eine (Teil-)Strecke innerhalb der Stadt oder auf dem Weg zur Arbeit mit dem Velo zufahren. Wenn Sie diese Ziele während ein, zwei Wochen erreichen, schreiben Sie Ihre eigene kleine Erfolgsgeschichte. Das motiviert und macht Lust auf mehr.

Haben Sie weitere Tipps zum Vorgehen?
Wie erwähnt, hilft es, einer Gruppe anzugehören. Diese kann auch nur aus zwei, drei Menschen bestehen. Vereinbaren Sie gemeinsam Ziele und moderate Belohnungen. Konzipieren Sie es so, dass Ihre Erfolge sichtbar werden. Das motiviert ungemein und beeinflusst das weitere Verhalten positiv.

Haben Sie abschliessende und oder aufmunternde Worte?
Gehen Sie es in kleinen Schritten an und hören Sie nicht auf. Jede und jeder sollte Verantwortung übernehmen und das sollte definitiv bei der Eigenverantwortung anfangen.

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quelle: jan hostettler / jan hostettler
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52 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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neiFrännä
13.05.2022 09:33registriert August 2021
Mit Greenwashing kaschieren vor allem gutsituierte ihren überbordenden Konsum. Auf Mauritius fliegen? "Ich habe kompensiert". Zweitwohnung: "Gut isoliert und Wärmepumpe". Fleischkonsum: "Ich kaufen nur Bio oder vom Bauern." Das X-te elektronische Gadget auf Galaxus gekauft: "Ebenfalls kompensiert." Autofahren: "Habe mir einen Stromer gekauft, der alte Range Rover hat ausgedient." Und in der Garage steht dann der Audi E-Tron, Leergewicht 2,8 Tonnen mit 2 E-Bikes hintendrauf. Sie denken, das ist frei erfunden? Nein, das ist die Teppichetage unserer Firma, die uns stehts an den Klimawandel mahnt.
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