Blogs
Leben

Big Ben: Wir suchen uns ein Unicorn

Bild
Bild: Shutterstock
Big Ben

Wir suchen uns ein Unicorn

Lara hatte noch nie einen Dreier und findet, 2025 ist das Jahr, in dem sie dies ausprobieren muss.
10.01.2025, 10:03
Big Ben
Big Ben

Der Januar begann, wie Januare immer beginnen: beschissen. Alle sind mürrisch drauf, die eine Hälfte ist schlecht gelaunt und nur noch zuhause, weil: Ich kann eh grad nicht trinken, ich mache Dry January, weisch, und da ist es einfacher, wenn ich daheim bleibe. Die andere Hälfte bleibt zuhause, weil niemand mit ihr rausgehen würde. Alle sagen ständig, ach, ist schon wieder Januar, wo ist bloss das Jahr hin, als wäre es eine neue Erkenntnis, dass die Zeit viel zu schnell vorbeigeht. Das Wetter ist schlecht, der Kontostand bei vielen auch, die Gesamtstimmung: ungut.

Lara und ich verbrachten plötzlich wieder wahnsinnig viel Zeit miteinander. Sie war viel zuhause, aus ebendiesen Gründen: pleite und nüchtern. Sie wolle das nun auch mal ausprobieren, dieses Nichttrinken, sei ja schon gesund und sie habe wirklich zu viel getrunken die letzten Wochen und an Silvester sowieso. Verbrachten wir übrigens nicht zusammen, sie in den Bergen, ich an Hannas Party, die ich aber eher früh wieder verliess.

Eines Tages, ein Samstag oder Sonntag, wir lagen beide noch im Bett und es war schon hell und gewöhnlich gehe ich zur Arbeit, wenn es noch dunkel ist und Lara liegt alleine noch ewig im Bett, was ich natürlich etwas unfair finde, aber dafür bin ich nicht bankrott und zwischen zwei Jobs sein ist ja auch ein Stress. Ob ich mal einen Dreier gehabt hätte, fragte sie. Ich erzählte von meinem Fast-Dreier. Zähle so halb, fand sie.

Lara will jetzt einen Dreier

«Fände ich schon mal spannend», sagte sie. Ich nickte. So wirklich planen könne man das ja aber nicht, sagte ich, aber wenn sich die Situation ergebe, oder sie eine Frau treffe, die ums Verrecken mit uns beiden schlafen wolle, dann sei ich natürlich nicht dagegen.

«Und ein Mann?», fragte sie.

Ich schüttelte den Kopf.

Lara grinste. «Feigling!», sagte sie.

Ich weiss, diese Haltung ist nicht modern, aber bei diesem Gedanken sträubt sich alles in mir. Allein die Vorstellung von einem nackten, behaarten, verschwitzten Männerkörper mit mir im Bett … Nein. Ich weiss, es gibt Dreier, da berühren sich die beiden Männer nicht wirklich. Totaler Fokus auf die Frau. Aber darauf habe ich auch keine Lust. Warum die Frau teilen, wenn ich allein mit ihr Sex haben kann? Und scharf macht mich das Live-Zusehen nicht, das muss ich nicht ausprobiert haben, um zu wissen, dass das so ist.

Wir könnten eine auf Tinder suchen, meinte Lara, aber ich war dagegen. Ich wollte wirklich nicht eines dieser Paare sein, das gemeinsam ein Profil auf Tinder hat. Und wenn sie alleine suche, auf ein erstes Date gehe und die Frau dann frage? Fand ich als Idee gut.

Die nächsten Tage swipten wir. Fand ich so als Team-Beschäftigung sehr gut und tausendmal besser, als wenn ich allein geswipt habe. Einige Frauen kamen mir bekannt vor, aber die meisten habe ich noch nie gesehen.

Lara war viel wählerischer als ich. Ich hätte doppelt so viele rechts gewischt, sie aber hatte überall was auszusetzen. Duckface mochte sie nicht, wer mag das schon, aber das machen so viele Frauen, das kann man nicht als Ausschlusskriterium nehmen, und wir reden wir ja nicht von der Frau fürs Leben, sondern von einer einmaligen Sache. Bios auf Schweizerdeutsch fand sie auch nicht gut, drückte aber ein Auge zu, wenn sie lustig waren. Was Lara lustig fand, war bei weitem nicht immer, was ich lustig fand. Verschwommene, aber auch zu viele professionelle Bilder gaben ebenfalls Abzug. Frauen mit zu grossen Hunden und zu viel Make-up flogen bei ihr raus.

Übrig blieb nicht viel. Aber das ist eigentlich egal, denn Lara hatte trotzdem mehrere Matches und nächste Woche ein Date. Die Frau, mit der wir vielleicht einen Dreier haben werden, die aber noch nichts von ihrem Glück weiss, nennen wir sie Unicorn, ist 32 Jahre alt, 167 cm gross, Raucherin, arbeitet irgendwas hier, kommt aber aus München, sie ist bisexuell, mag Day Raves und Gorgonzola und ist «neugierig und offen für alles».

Hoffen wir, mit «neugierig und offen für alles» sind auch Dreier gemeint ...

So long,

Ben

Big Ben Avatar Bild
bild: watson
Big Ben ist ...
... Mitte 30 und lebt in einer WG. Sein Job ist in den Top 10 der Berufe, die Frauen sexy finden – je nach Umfrage. Er spielt Fussball, macht aber so gut wie nie ein Goal (weil Goalie), er hat viele Schwestern, sehr viele, und wurde logischerweise total verwöhnt, aber auch (viel zu früh) aufgeklärt. Er hasst Verkleidungspartys, aber wenn er müsste, würde er sich als Gandalf verkleiden. Ben ist Single und hat kein Interesse daran, dies zu ändern.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
«Willis» aus Frankreich in Zürich zum besten Streetdancer der Welt gekürt
Die beliebtesten Streetdance-Künstler der Welt haben am Samstagabend das Hallenstadion in Zürich in Beschlag genommen. Das Publikum kürte bei der kommerzialisierten Show den 16-jährigen Franzosen «Willis» zum besten Tänzer der Szene in diesem Jahr.
Der Teenager aus Frankreich überzeugte die 7500 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Halle und das Publikum daheim vor dem Livestream am meisten. Er setzte sich im finalen Zweikampf («Battle») gegen die Südkoreanerin «Yoon-Si» durch, wie der Veranstalter am Sonntag mitteilte.
Zur Story