Sitzt der Rebound-Fuck auf 12B?
Ich muss weg. Am liebsten schnell Zigaretten holen. Aber ich rauche nach wie vor nicht. Dabei wäre jetzt ein super Moment, um wieder damit anzufangen.
Ich bin nämlich frisch betrogen/verlassen/getrennt.
Nachdem ich rund drei Monate mit dem zauberhaften Lukas verbracht/geschlafen habe, hat er eine Trulla gebumst.
Offiziell ist das okay. Er ist nach 22 Jahren Beziehung erst gerade frisch getrennt und will zuerst rumbumsen, bevor er sich festlegt.
Inoffiziell ist das null okay. Einfach weil ich so hardcore in ihn verknallt bin.
Wir haben deswegen Schluss gemacht.
Mein neues Leben nach Lukas starte ich mit einem Städtetrip mit mir selbst.
Es könnte ja eine Romcom sein ....
Auf meinem Ticket steht 12A. Reihe 12 ist gut. Glaubs. Ich fliege ja gar nicht gerne. Keinen Boden unter den Füssen zu haben macht mich nervös.
Ausserdem habe ich Angst, dass ein Pilot einen Herzinfarkt bekommt und der andere wegen einer Lebensmittelvergiftung knocked out ist.
Oder dass jemand sein Handy nicht auf Flugmodus stellt und wir deswegen alle sterben.
Ich bin jedenfalls als Erste bei Reihe 12. Ich setze mich ans Fenster. 12B ist frei. Bis ein älterer Mann kommt. Sein Bauch braucht viel Raum. Den es da nicht gibt.
Und er hustet und rotzt und hustet und rotzt.
Eine Flight Attendant schaut mich mitleidig an. Dann platziert sie den Mann um. Ich hab jetzt zwei Sitze für mich. Und mit etwas Glück kein Corona, keine Grippe und auch sonst kein Virus, das mir nach der Trennung von Lukas den Solotrip vermiest.
Wäre nett.
Sehr nett ist auch die Stimme, die «Hallo» sagt, während sich der dazugehörige Mensch auf 12B setzt.
Der Mensch ist ein Mann.
Ein sehr braungebrannter, schöner Mann.
Circa 50.
Mir eigentlich zu alt.
Der Gedanke aber, dass er neben mir sitzt, während wir eventuell in den Tod fliegen, fühlt sich gut an.
Von mir aus kann er meine Hand jetzt schon halten.
Man möge mir verzeihen. Ich bin emotional im Ausnahmezustand.
12B und ich kommen sehr schnell ins Gespräch. Er ist 52.
Irgendwie sexy.
Es ist ein Businesstrip.
Auch irgendwie sexy.
Er fliegt sehr oft.
Dann stellt er Fragen zu mir. Wir reden und lachen und bestellen schlechten Flugzeugkaffee und Wein.
Irgendwann werde ich flirty.
Er wird am Flughafen abgeholt, und zwar von .....
Kann ja sein, dass wir hier in einer Romcom sind. Oder dass 12B zumindest mein Rebound-Fuck wird.
12B macht sehr mit. Kurz bevor wir den Sinkflug starten, hat er seine Hand auf meinem Knie. Und ich streiche ihm eine Strähne aus dem Gesicht.
Er fragt, ob ich am Abend schon etwas vorhabe. Er habe ein Business-Dinner. Wäre danach aber absolut für einen Late-Night-Drink zu haben.
Wir tauschen Nummern.
Und chatten den ganzen Abend. Um 22.30 Uhr treffen wir uns auf einen Alibi-Drink.
Kurz vor Mitternacht sind wir in seinem sehr geilen Hotelzimmer.
Ich bin ready. Ready to Reboundfuck.
Nach dem ersten Kuss (nicht so gut wie Lukas, aber ganz okay) frage ich ihn, wann er denn zurückfliegt. Turns out, wir fliegen gleichzeitig heim.
Findet er nicht so geil, merke ich.
Alles gut?, will ich wissen.
Grundsätzlich ja.
Dann rückt er mit der Sprache raus. Er werde am Flughafen Zürich abgeholt.
Von seiner Frau. Und seinen Kindern. Zwillinge. 8-jährig. Zwei Buben.
Offene Ehe also?
«Nein.»
Hmmm ....
Ich bin, zugegeben, sehr versucht, dennoch mit 12B zu bumsen.
Entscheide mich aber dagegen.
Ich will gehen. Das findet 12B sehr schade. Ganz allgemein ist 12B jetzt gar nicht mehr amused.
«Weisst du», sagt er, «mit meiner Frau läuft schon seit Jahren nichts mehr im Bett.»
Er liebe sie und sie liebe ihn. Und er sei sich seiner Ehe sicher.
«Aber sexuell ist die Luft raus.»
Dann kommt er ins Heulen. Mega streng ist's, seit die Kinder da sind. Die Frau immer überarbeitet, müde, ein Muttertier. Keine Sinnlichkeit mehr. Der Alltag ein Hamsterrad.
Bla, bla, bla.
Heul. Heul. Heul.
Auf dem Heimweg im Taxi komme ich auch ins Heulen.
Dann öffne ich WhatsApp.
«Ich wäre jetzt gerne bei dir», schreibe ich.
Ich schicke die Nachricht an Lukas.
Und an Sandro.
Hab doch gesagt, ich bin emotional im Ausnahmezustand.
*Joke, Leute!
