Wir haben den Polestar 5 getestet und waren absolut beeindruckt
Für die Markteinführung hat Polestar gross aufgefahren. Anstatt einfach nur eine Testfahrt auf einer beliebigen Strecke in Europa zu organisieren, hat sich der Hersteller einen Roadtrip von Schweden bis in die Sahara ausgedacht.
Wir schliessen uns dem Abenteuer auf seiner vierten Etappe an, die von Narbonne über Andorra und die Pyrenäenpässe nach Barcelona führt. Ein idealer Ort, um die vielfältigen Facetten dieses grossartigen Elektro-GTs zu entdecken.
Ein beeindruckendes Design
Mit einer Länge von über fünf Metern bei einer Höhe von nur 1,42 m besticht der Polestar 5 durch spektakuläre Proportionen. Die Linien sind straff, die Oberflächen fast frei von Schnörkeln und die Details sorgfältig integriert: bündig abschliessende Türgriffe, eine hohe Gürtellinie, eine schräg auslaufende Dachlinie mit einer verdeckten Heckscheibe, die durch eine Kamera ersetzt wurde, sowie ein abgeschnittenes Heck.
Die aerodynamischen Felgen mit einer Grösse von 20 bis 22 Zoll und die aktiven Kühlergrillklappen tragen zu einem hervorragenden Luftwiderstandsbeiwert von 0,24 bei.
An Bord herrscht eine typisch skandinavische Atmosphäre, bewusst minimalistisch gehalten, geprägt von zwei Bildschirmen und einer sehr gepflegten Gestaltung. Bei den Materialien folgt man den aktuellen Trends im Premiumsegment und setzt dabei vor allem auf Natur- oder Recyclingfasern, aber auch auf Holz und Aluminium. Die Marke verzichtet jedoch nicht auf (echtes) Nappaleder für diejenigen, die dies wünschen.
Die Ausstattung entspricht natürlich den hohen Ansprüchen und ist äusserst umfangreich, auch wenn man aufgrund der Zusammenfassung aller Bedienelemente auf dem zentralen Bildschirm mehrere Menüs durchlaufen muss, um die Sitze, das Lenkrad oder die Rückspiegel einzustellen.
Ebenso störend ist die sehr tiefe Sitzposition, die insbesondere den älteren Mitgliedern der Zielgruppe den Einstieg erschwert.
Der hat wirklich was zu bieten!
Die Atmosphäre im Cockpit ist angenehm, hell und bemerkenswert ruhig. Die beheizten, belüfteten und mit einer Massagefunktion ausgestatteten Recaro-Sitze bestechen durch ihr äusserst sportliches Design und bieten zugleich einen hervorragenden Kompromiss zwischen Komfort und Halt.
Auch im Fond wurden die beiden Aussensitze mit der gleichen Sorgfalt gestaltet, während der Radstand von 3,05 Metern für grosszügige Beinfreiheit sorgt.
Lediglich der Kofferraum erscheint angesichts der Grösse des Autos etwas knapp bemessen: 365 bis 1128 Liter bei umgeklappten Rücksitzen, einschliesslich eines Stauraums unter dem Boden von 52 Litern. Unter der Motorhaube vorne verbirgt sich ein Stauraum mit einem Nutzvolumen von 62 Litern.
Spektakuläre Leistungen
Die ersten Kilometer lege ich auf dem Beifahrersitz zurück, wodurch ich die Verbesserungen beim Komfort besonders gut einschätzen kann. Die adaptive Dämpfung unseres Polestar 5 Performance, des Spitzenmodells der Baureihe, gleicht fast alle Unebenheiten aus, während die Bowers & Wilkins-Stereoanlage den Innenraum in einen echten Konzertsaal auf Rädern verwandelt.
Doch schon ein einziger Überholvorgang reicht aus, damit unser Testmodell augenblicklich offenbart, was sich unter seiner Motorhaube verbirgt. Die Zahlen sprechen für sich: 884 PS, 1015 Nm und ein Allradantrieb, der von zwei Elektromotoren gewährleistet wird.
In der Praxis bedeutet dies eine Beschleunigung, die die Insassinnen und Insassen buchstäblich in ihre Sitze drückt, während die speziell für dieses Modell entwickelten Michelin Pilot Sport S5 diese ganze Kraft ohne das geringste Nachgeben auf den Asphalt übertragen. Beeindruckend.
Ein echtes Auto zum Fahren
Eine weitere Überraschung ist das Fahrverhalten. Das Fahrwerk dieser grossen 2,5 Tonnen schweren Limousine ist besonders präzise. Die neue Aluminiumplattform, in die die 112-kWh-Batterie direkt integriert ist, weist eine Steifigkeit auf, die eines Supersportwagens würdig ist, und behält dabei eine ideale Gewichtsverteilung von 50:50 bei.
Am Steuer überzeugt die Lenkung durch ihre Präzision und das erzeugte Fahrgefühl. Die Vorderachse zeigt sich präzise, während der Sportmodus der Hinterachse eine schöne Spritzigkeit verleiht, was diesen grossen Polestar überraschend verspielt macht.
Die Dual-Motor-Version, die mit ihren … 748 PS/812 Nm zwar weniger leistungsstark ist, behält dieselbe Präzision bei, auch wenn ihre passive Dämpfung (und trotz der hydraulischen Anschläge) auf schlechtem Strassenbelag etwas von dem bemerkenswerten Kompromiss einbüsst, den die Performance-Version mit ihrer MagneRide-Federung bietet.
Unser Verbrauch schwankte je nach Streckenabschnitt und Druck auf das Gaspedal zwischen 19 und 35 kWh/100 km, wobei der Durchschnitt über die gesamte Etappe, die wir ohne besondere Rücksicht auf den Verbrauch zurücklegten, bei knapp 24 kWh lag.
Je nach Fahrgeschwindigkeit und Fahrstil ergibt sich daraus eine tatsächliche Reichweite von rund 450 km. Dank seiner 800-Volt-Architektur dauert das Aufladen von 10 auf 80 % an einer 350-kW-Ladestation 22 Minuten.
Mit seinem 5 liefert Polestar ein echtes Hochleistungs-Langstreckenfahrzeug, das Komfort, Technologie und Fahrspass mit einer seltenen Kohärenz vereint und sich ohne Weiteres mit dem Porsche Taycan und dem Audi e-tron GT oder dem Lucid Air und dem Lotus Emeya – den Neulingen auf dem Markt – messen kann.
Und angesichts seines Leistungs- und Ausstattungsniveaus erscheint der Grundpreis von 115'000 Franken für die Dual-Motor-Version und 135'000 Franken für die Performance-Version fast schon angemessen … relativ gesehen.
