Wenn die Aussicht auf den Teller kommt
Appenzellerland: Gekäst wird frühmorgens
Um halb fünf klingelt oben am Seealpsee der Wecker. Im Tal schläft noch alles, hier brennt schon das Feuer unter dem Kessi. Wer mittags ankommt und sich auf die Terrasse des Berggasthauses Forelle setzt, isst Alpkäse von genau dieser Alp.
Swisstainable
Swisstainable ist das Nachhaltigkeitsprogramm des Schweizer Tourismus. Teilnehmende Betriebe entwickeln ihr Engagement anhand konkreter Massnahmen weiter und werden je nach Nachweisen einem von drei Levels zugeordnet. Weitere Informationen auf www.swisstainable.ch
Nachhaltigere ÖV-, Freizeit- und Hotelangebote.
Die drei folgenden Swisstainsble Hotels liegen in den vorgestellten Regionen und sind alle per ÖV erreichbar.
- Resort Hof Weissbad, Appenzellerland: 200 Meter vom Bahnhof Weissbad.
- Hôtel de l'Aigle, Couvet: acht Gehminuten vom Bahnhof.
- Hotel Belvedere Locarno: Die Standseilbahn hält wenige Schritte vom Haus.
Kein passendes Hotel dabei? Es gibt über 50 weitere Swisstainable-Spezialangebote in der ganzen Schweiz. Ab 139 Franken pro Person erhältst du zwei Hotelübernachtungen inklusive Frühstück und ein Abendessen. Darüber hinaus erhältst du 30 Prozent Rabatt auf den Normaltarif in der 2. Klasse für die ÖV-An- und Rückreise.
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Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.
Vom Hang auf den Teller
Zwei Alpen liefern ihn, spitzig Stein und Grosshütten, beide oben auf der Seealp. Wer vom Teller aufschaut, sieht die Hänge, auf denen dieser Käse vor ein paar Wochen noch Gras war. Hinauf kommt man ab Wasserauen, wo der Zug endet, in einer guten Stunde zu Fuss.
Der Alpsegen: fünf Töne gegen Feuer, Hagel und Blitz
Der Arbeitstag endet gegen halb zehn, wenn es dunkel wird. Dann setzt auf mehreren Innerrhoder Alpen jemand einen geschnitzten Holztrichter an den Mund und singt einen Segen über den Hang, halb Dialekt, halb altertümliches Deutsch. Er soll die Alp durch die Nacht bringen. Lange sangen ihn nur Männer, heute auch Frauen.
Die Fassung, die man heute hört, stammt von 1946. Geschrieben haben sie zwei Kapuziner, weil die Fassung davor als misslungen galt.
Zusehen, wie ein Laib entsteht
Oben wird nur gekäst, solange die Tiere auf der Alp sind. Wer es trotzdem sehen will, fährt nach Stein in die Appenzeller Schaukäserei: das ganze Jahr, täglich bis etwa drei Uhr nachmittags.
Val-de-Travers: 95 Jahre Ungehorsam
Absinth ist ein hochprozentiger Kräuterschnaps aus Wermut und einem Dutzend weiterer Pflanzen, und seine Heimat ist dieses Tal im Neuenburger Jura. 1908 stimmte die Schweiz über ihn ab: 63,5 Prozent für ein Verbot, festgeschrieben nicht in einem Gesetz, sondern in der Bundesverfassung.
Verboten in der Verfassung, gebrannt im Keller
Im Tal machte man trotzdem weiter. Was in den Jahrzehnten danach entstand, hiess «la bleue» und trug nie ein Etikett, weil ohnehin jeder wusste, aus welchem Keller es kam. Wer brannte, verstand sich weniger als kriminell denn als widerständig. In Zürich soll eine Flasche 400 Franken gekostet haben.
Das Museum steht im ehemaligen Gerichtsgebäude
2005 wurde «la bleue» wieder legal. Ihre Geschichte erzählt das Maison de l'Absinthe in Môtiers, eine Bahnstation von Couvet entfernt. Untergebracht ist es im früheren Hôtel de district. In diesem Haus sassen zur Verbotszeit das Bezirksgericht und der Polizeiposten.
Warum es so lange gutging
Die Polizisten kauften selbst. Ein Brenner aus dem Tal nennt es Repression pro forma: Man kontrollierte, man fand selten etwas, und alle wussten ungefähr, wer brannte. Rund hundert Keller arbeiteten so.
Centovalli: Der Wald mit dem Winterbrot
Im Tessin hiess die Kastanie jahrhundertelang Brotbaum, und das war wörtlich gemeint. Sie wurde gekocht, über dem Feuer geröstet und zu Mehl gemahlen. Gedörrt hielt sie monatelang und brachte ganze Familien durch den Winter.
Drei Wochen Feuer für einen Sack Kastanien
Getrocknet wurde die Ernte in der Grà, einem Steinhaus, das ein Gitter in zwei Etagen teilt: unten das Feuer, oben die Früchte. Rund drei Wochen wurde gleichmässig eingeheizt, danach schlug man die Säcke auf Holz, bis die Schalen aufsprangen.
83 Brücken, 31 Tunnel, und du sitzt am Fenster
Die Kastanienwälder stehen an den Hängen, und der bequemste Weg an ihnen vorbei ist die Vigezzina-Centovalli-Bahn von Locarno nach Domodossola. Für 52 Kilometer lässt sie sich knapp zwei Stunden Zeit. Am Taleingang lohnt der Halt in Intragna, dessen Kirchturm mit 65 Metern der höchste des Tessins ist.
Aus der Gegend ins Grotto
Was in den Grotti aufgetischt wird, hat kurze Wege hinter sich. Wild, Ziegenfleisch, Pilze und Polenta, die noch über dem Feuer gerührt wird. Die Kastanie gehört dazu, gekocht, geröstet oder als Mehl im Gebäck. Was einmal das Winterbrot war, ist heute die Beilage.
Nachhaltig reisen, tiefer entdecken
Und jetzt du: Welches Essen hat dich schon einmal dazu gebracht, eine bestimmte Gegend zu besuchen? Ab damit in die Kommentare.
