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Fussball-App spioniert User aus – sucht nach illegalem TV-Streaming

Fussball-App spioniert User aus – sucht nach illegalem TV-Streaming

Die offizielle App zu Spaniens Profi-Liga verwandelt Handys in Wanzen. So könne man Bars mit illegalem Pay-TV-Angebot aufspüren.
11.06.2018, 20:4312.06.2018, 07:02

Spätestens seit den Enthüllungen von NSA-Whistleblower Edward Snowden wissen wir, dass moderne Smartphones perfekte Wanzen sind. Wer die nötigen Zugriffsrechte erlangt, kann aus der Ferne das Mikrofon aktivieren und lauschen.

Die offizielle App für die Primera División – Spaniens oberste Fussball-Liga – geht einen Schritt weiter: Sie nutzt die Smartphone-Mikrofone mit dem Einverständnis der User, um nicht lizenzierte TV-Übertragungen aufzuspüren.

Auf der La-Liga-Website wird bestätigt, dass die App während Live-Spielen das Mikro aktiviert, um herauszufinden, ob in der Umgebung eine illegale Pay-TV-Übertragung läuft.

Fussballfans sollen quasi als Denunzianten gewonnen werden, um Betrügern auf die Schliche zu kommen.

Wie das spanische Medium El Diario enthüllt hat, kam die fragwürdige Praxis erst mit dem Inkrafttreten der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ans Licht. Seit dem 25. Mai sind Unternehmen in Europa verpflichtet, ihren Kunden in verständlichen Worten zu erklären, welche Daten erhoben werden.

Die kostenlos verfügbare App heisst La Liga und ist auf über 10 Millionen Android-Smartphones installiert.

In welchem Ausmass auch User der iPhone-Version der «La Liga»-App betroffen sind, ist nicht bekannt.

Nicht gegen privates Streaming?

Betroffen sind angeblich ausschliesslich spanische Smartphone-User und es gehe den App-Anbietern nur darum, die Pay-TV-Piraterie in öffentlichen Lokalen zu bekämpfen.

Weil viele Betreiber zwar Messi, Ronaldo und Co. auf ihren Bildschirmen zeigen, aber nicht dafür bezahlen, entsteht der Liga und damit den Vereinen angeblich ein jährlicher Schaden in der Höhe von 150 Millionen Euro.

Wie zu erwarten fallen die Proteste in den sozialen Netzwerken heftig aus. Manche Fans sehen sich getäuscht.

Die Verantwortlichen versichern, durch die «La Liga»-App würden lediglich Tonfragmente aufgezeichnet und noch auf dem Handy in einen Binärcode umgewandelt. Dieser Code könne nicht dekodiert werden und es liessen sich daraus keine anderweitig verwertbaren Informationen gewinnen.

Über die Ortungsfunktionen werde festgestellt, wo der Smartphone-User ein Spiel verfolge. Wenn die Geodaten mit einem öffentlichen Lokal übereinstimmen, nehme man einen Abgleich mit den Kundendaten vor. So finde man heraus, ob der Lokalbetreiber als zahlender Pay-TV-Abonnent registriert sei.

Betroffene User können in den Einstellungen ihres Smartphones den Apps jederzeit die Zugriffsrechte entziehen. Die Zustimmung werde auch bei jedem Update erneut eingeholt.

Dass Apps auf das Mikrofon zugreifen, ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich, wie die Welt festhält. Beim ersten Öffnen kann standardmässig nach einem solchen Zugriffsrecht gefragt werden. Dies sollte man immer kritisch hinterfragen.

(dsc)

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Video: srf
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