Schweiz
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Luftduell zwischen Chiassos Dragan Mihajlovic, links, und Lausannes Jeremy Maniere, Mitte, beim Fussball Meisterschaftsspiel der Challenge League zwischen dem FC Chiasso und dem FC Lausanne-Sport am Sonntag, 10. April 2016, im Riva IV Stadion in Chiasso. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Welche Spieler betroffen sind, ist nicht bekannt. Bild: TI-PRESS

Alarm per App: Betrüger wollten Fussball-Spiel in Chiasso manipulieren

Im Tessin sollen Unbekannte Fussballspieler dazu aufgefordert haben, Challenge-League-Spiele zu manipulieren. Das Problem: Heute können Wettbetrüger im Sport rechtlich nicht belangt werden. Das soll sich mit dem Geldspielgesetz ändern.



Und plötzlich schlug das System aus: In Chiasso sollen Fussballer dazu angestiftet worden sein, Spiele zu manipulieren. Dies meldete eine anonyme Person über die App «Red Button». Es handelt sich um die erste Verdachtsmeldung, seitdem der Schweizer Fussballverband die App Ende 2016 zusammen mit der Liga und der Profispieler-Vereinigung lanciert hatte.

Marco von Ah, der Medienchef des Schweizerischen Fussballverbands, bestätigt die Information gegenüber watson. Die Meldung sei vor rund zwei Monaten eingegangen. «Der Klub hat bereits Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht.» Der Hinweis via App erfolgte anonym. Klar ist lediglich, dass es sich beim Absender um einen Spieler oder einen Mitarbeiter eines Schweizer Fussballclubs handeln muss – nur sie verfügen über die nötigen Zugangscodes.

Vladimir Petkovic, coach of the Swiss soccer team, centre, speaks to Marco von Ah, head of communication, left, during a press conference on Thursday, July 31 2014, in Lucerne, Switzerland. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Vladimir Petkovic, Mitte, Schweizer Fussball Nationaltrainer, im Gespraech mit Marco von Ah, Leiter Kommunikation, links, nach der Medienkonferenz am Donnerstag, 31. Juli 2014, in Luzern. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Marco von Ah im Gespräch mit Nati-Trainer Vladimir Petkovic. Bild: KEYSTONE

Die Nachricht kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: In einem knappen Monat stimmt die Schweiz über das Geldspielgesetz ab. Darin geht es nicht nur um die Frage, ob ausländische Online-Wettanbieter mit Netzsperren blockiert werden sollen. Mit einem Ja zur Vorlage erhielten die Strafverfolgungsbehörden auch neue Möglichkeiten im Kampf gegen Betrug im Sport.

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Video: watson/Helen Obrist, Angelina Graf

Wettbetrug im Sport ist nicht strafbar

Denn heute ist es in der Schweiz faktisch nicht möglich, jemanden wegen der Manipulation eines Wettkampfs zu verurteilen. So endete der grösste Wettskandal der Schweizer Sportgeschichte im November 2012 vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona mit einem kompletten Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft sah es zwar als erwiesen an, dass drei Challenge-League-Spieler in mehreren Fällen Einfluss auf den Spielverlauf genommen hatten, indem sie etwa absichtlich Gegentore kassierten. Internationale Betrügerbanden, die auf asiatischen Wettportalen auf diese Spiele setzten, sollen so gigantische Gewinne eingefahren haben. Und die Fussballer laut Anklageschrift pro Spiel mehrere tausend Franken eingestrichen haben.

Nur: Dem Richter waren die Hände gebunden. Weil die Spielmanipulation primär den elektronischen Wettanbietern geschadet hat und keine «natürliche Person» getäuscht wurde, war eine Verurteilung nicht möglich. Diese Gesetzeslücke soll das Geldspielgesetz nun schliessen.

Künftig bis zu fünf Jahre Haft

Wer sich an einer unerlaubten Absprache über den Verlauf eines Sportwettkampfs beteiligt, wird künftig mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Steckt eine kriminelle Gruppierung hinter der Tat, sind sogar Maximalstrafen von bis zu fünf Jahren möglich. Zusätzlich soll es den Strafverfolgungsbehörden erlaubt werden, für ihre Ermittlungen den Telefonverkehr zu überwachen.

«Für den Sport ist es eminent wichtig, dass Manipulationen des Wettbewerbs strafrechtlich verfolgt werden können», sagt Christoph Lauener vom Bundesamt für Sport. Wenn abgesprochen sei, wer einen Sportwettkampf gewinnt, werde dieser obsolet. «Diese kriminellen Aktionen greifen den Sport damit in seinem Fundament an!»

Dies stellt auch Andri Silberschmidt nicht in Abrede, der an vorderster Front gegen das Geldspielgesetz kämpft. Der Chef der Jungfreisinnigen betont, dass sich die Gegner bei einer Ablehnung des Gesetzes dafür stark machen würden, dass die Gesetzeslücke auf anderem Weg geschlossen wird. Christoph Lauener vom Bundesamt für Sport räumt ein, dies sei grundsätzlich auch im Rahmen der Revision des Sportfördergesetzes möglich. «Das braucht aber wieder entsprechend Zeit.»

UEFA betreibt digitales Frühwarnsystem

Abgesehen vom aktuellen Fall in Chiasso werden in der Schweiz vergleichsweise selten Manipulationsversuche bekannt. Marco von Ah nennt unter anderem einen Fall aus Lugano, der dem Fussballverband vor vier Jahren via Mail gemeldet wurde. Auch dort blieben die Vorwürfe jedoch vage und eine Strafanzeige des Klubs ergebnislos.

Neben der Mailadresse und der App existieren noch andere Warnsysteme, die versuchte oder tatsächliche Manipulationen ans Licht bringen sollen. Zu nennen ist insbesondere das Frühwarnsystem des europäischen Fussballsverbands UEFA. «Es schlägt Alarm, wenn sich das Resultat eines Spiels auffällig entwickelt und für die Partie gleichzeitig hohe Wettquoten vorliegen», erläutert von Ah. Das System schlug letztmals 2013 aus – allerdings blieb auch dieser Alarm ohne konkrete Folgen.

Auch der Europarat hat dem Geschäft mit illegalen Sportwetten den Kampf angesagt: Im Rahmen der sogenannten Magglinger Konvention haben sich 29 Staaten bereit erklärt, wirksame Strafnormen gegen Wettkampfmanipulation zu erlassen. Zu den Erstunterzeichnerinnen gehört auch die Schweiz. Das Parlament soll den Vertrag demnächst ratifizieren.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Parlamentarier 18.05.2018 12:00
    Highlight Highlight Das spannende an dieser Geschichte ist ja, dass es extrem schwierig ist bei privaten Internetanbietern große Summen zu spielen. Anonym geht dies schon gar nicht. Dies ist nur bei illegalen Buchmachern die auch im Ausland keine Lizenz haben, oder asiatischen Buchmachern möglich.
    Eine Ausnahme gibt es. Unsere Landeslotterie! Bei Swisslos ist es weiterhin möglich, seine Einsätze anonym am Kiosk abzugeben. Dabei kann man durch das splitten der Einsätze die Verrechnungssteuer umgehen und bleibt anonym. So können mehrer 10'000 CHF an verschiedenen Verkaufsstellen (Kioske) gespielt werden.
    • ThePower 18.05.2018 14:13
      Highlight Highlight Unser staatlicher Sportwetten-Anbieter, Sporttip, ist durch seine hohe Buchmachermarge (=schlechter Auszahlungsschlüssel, schlechte Quoten), dem beschränkten Angebot (wenig Spiele und Märkte) sowie fehlendem Livewetten-Angebot (=weniger Handlungsspielraum) kaum interessant für professionelle Spieler. Aber klar, die Geschichte von wegen Spielerschutz und Schutz vor Geldwäsche ist schon sehr scheinheilig, wenn man diesen Punkt berücksichtigt.
  • Sanchez 18.05.2018 10:17
    Highlight Highlight Wann hat man in der Schweiz eigentlich angefangen, Abstimmungen und Gesetztesentwürfe mit anderen Komponenten zu verknüpfen? Unsäglich ist das! Es muss doch möglich sein, so einen Missstand unabhängig von der nächsten Abstimmung zu beheben.
  • ThePower 18.05.2018 09:20
    Highlight Highlight Zitat: "Dem Richter waren die Hände gebunden. Weil die Spielmanipulation primär den elektronischen Wettanbietern geschadet hat und keine «natürliche Person» getäuscht wurde, war eine Verurteilung nicht möglich."

    Das ist so nicht richtig. Bei Sportwetten spielt man nicht in erster Linie gegen den Buchmacher, sondern gegen den Markt, sprich gegen die anderen Spieler. Die Betrogenen sind somit diejenigen, die durch diese Tore ihre Wetten verloren haben. Somit sind schon natürliche Personen getäuscht worden.
    • satyros 18.05.2018 10:43
      Highlight Highlight In was bestand denn die Täuschung? Anders gefragt: Welche Tatsachen wurden diesen Personen vorgespielt, die sich als unrichtig erwiesen?
      Und ja: Es gab Leute, die ihre Wette verloren. Auf der anderen Seite gab es bestimmt auch Leute, die wegen der Manipulation ihre Wette gewonnen haben, ohne von der Manipulation gewusst zu haben.
    • ThePower 18.05.2018 13:57
      Highlight Highlight @satyros
      Also wirklich, das liegt doch auf der Hand: Diejenigen, die die Wetten verloren haben durch die Manipulationen, haben nicht gewusst dass das Spiel gekauft ist. Sie gingen also von einem fairen Spiel aus, sonst hätten sie ja anders (oder gar nicht) gewettet. Sie sind somit getäuscht und um ihre Wetteinsätze (und Gewinne) betrogen worden. Dass andere profitiert haben, ändert nichts an dieser Tatsache.
    • Staedy 19.05.2018 10:25
      Highlight Highlight Grundsätzlich sehe ich es wie du. Dann hättest aber du gegen die Spieler klagen müssen. Neben vielen anderen Fragen wäre dann der Streitwert das Thema gewesen? Einsatz Fr. 6, Quote 10, macht Fr. 60. Lohnt sich kaum.
      Der Wettspielbetrug muss separat strafbar sein, dazu braucht es kein neues Geldspielgesetz.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Guzmaniac 18.05.2018 08:57
    Highlight Highlight Nach dem Artikel habe ich irgendwie das Gefühl, dass die PRO-Geldspielgesetz Lobby etwas mit diesem Alarm zu tun hat....

    >Casino bezahlt Spieler, dieser drückt anonym Alarm (weiter muss er ja nichts machen...!?), danach gibt es zahlreiche Artikel (Wettbetrüger können aktuell nicht belangt werden - AUFSCHREI - mit dem neuen Gesetz würde dies geändert - JUHUU) :o)
  • N. Y. P. D. 18.05.2018 07:46
    Highlight Highlight Heute können Wettbetrüger im Sport rechtlich nicht belangt werden. Das soll sich mit dem Geldspielgesetz ändern.

    Trotzdem stimme ich NEIN

    Ihr könnt das auch separat im Gesetz regeln.
  • wel_hued_morn_scho_wieder_gester_isch 18.05.2018 07:29
    Highlight Highlight Ein solches Gesetz muss man seperat ausarbeiten und nicht mit dem Geldspielgesetz verbinden!
    • DichterLenz 18.05.2018 10:08
      Highlight Highlight Richtig! Das stört mich an dieser Initiative ebenfalls. Grundsätzlich sind einige gute Absichten dabei, aber das ganze mit ner Netzsperre zu koppeln ist absolut unseriös.
  • Töfflifahrer 18.05.2018 06:37
    Highlight Highlight Verstehe ich das richtig? Jeder kleine Mist, den der normale Bürger macht, wie Papier neben den Abfalleimer, Auto 1cm neben dem Parkfeld etc. wird gebüsst. Aber, Grosskriminalität ist legal?
    Hmmm, wer macht den eigentlich diese Gesetze?
    • satyros 18.05.2018 10:45
      Highlight Highlight Es ist eben nicht Grosskriminalität, wenn es legal ist. Kriminalität (gross oder klein) setzt ein strafbewehrtes Verbot voraus.
    • Armend Shala 18.05.2018 11:18
      Highlight Highlight „Volks“-vertreter
    • Pasch 18.05.2018 12:10
      Highlight Highlight Na die grössten Kriminellen! Man muss sich nur die eine oder andere Stellungnahme zum Thema Panama Papers zu Gemüte tun!

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