Digital
Auto

China verbietet elektrische Türgriffe bei Autos ab 2027

Versenkte Türgriffe sind nicht grundsätzlich ein Problem, sie müssen sich im Notfall aber auch händisch einfach herausklappen lassen.
Versenkte Türgriffe sind nicht grundsätzlich ein Problem, sie müssen sich im Notfall aber auch händisch einfach herausklappen lassen.Bild: Shutterstock

China verbietet elektrische Türgriffe bei Autos ab 2027

Elektrisch versenkbare Türgriffe ohne mechanische Notfreigabe sind für Autofahrer ein Sicherheitsrisiko. In China werden solche Türen ab 2027 verboten.
14.01.2026, 15:3814.01.2026, 15:38
Amy Walker / t-online
Ein Artikel von
t-online

Sie sehen futuristisch aus, sind aber ein Sicherheitsrisiko: elektrische Türgriffe, die in die Autotür abgesenkt werden können. Seit zwei Jahren warnt der deutsche Automobilclub ADAC vor den Designs, die Tesla, Mercedes, BMW und andere gerne nutzen. Jetzt könnte eine Entscheidung aus China allerdings dazu führen, dass es mit den futuristischen Griffen vorbei ist. Ab 2027 werden sie von Peking verboten.

Verboten werden aber nicht versenkte Türgriffe an sich, sondern ausschliesslich rein elektrische Systeme ohne mechanische Redundanz.

Hintergrund der Massnahme sind Sicherheitsbedenken, wie das Portal «Auto Motor Sport» berichtet. Es habe wiederholt Unfälle gegeben, bei denen die elektrisch betriebenen Griffe nicht mehr ausfuhren und dadurch Rettungskräfte länger brauchten, um Insassen aus den Fahrzeugen zu befreien. In Zukunft dürften solche Systeme nur noch verwendet werden, wenn sie über mechanische Notfreigaben verfügen. Tatsächlich hatte Tesla auch schon angekündigt, nach mehreren Vorfällen den Türmechanismus anzupassen. Zuvor hatte die US-Strassenverkehrsbehörde eine Untersuchung gegen Teslas versenkbare Türgriffe eingeleitet.

ADAC warnte vor den Türgriffen von Tesla und Co.

Zu unterscheiden sind dabei zwei verschiedene Systeme. Die Türgriffe, die durch Drücken oder Tasten ausfahren, sind vom Verbot in China nicht betroffen, da sie unabhängig von der Stromzufuhr funktionieren. Anders ist das bei den Griffen, die automatisch bei Entsperrung des Fahrzeugs ausfahren. Diese werden nur aufgeklappt, wenn es eine Stromzufuhr gibt.

Schon 2024 hatte auch der ADAC vor den elektrischen Türgriffen gewarnt. «Aus Sicht des Mobilitätsclubs garantiert eine mechanische Lösung für das Ausfahren der Türgriffe die besten Chancen, nach einem Crash die Türen von aussen öffnen zu können – auch, wenn die Stromversorgung ausfällt», heisst es in einer Meldung des Automobilklubs von damals. Das sei insbesondere bei Unfällen, bei denen die Karosserie oder die Türen verformt wurden, von Bedeutung.

Versenkte Türgriffe könnten Ersthelfern und Rettungskräften bei Unfällen Probleme bereiten. Passagiere sollten sich vor Fahrtantritt mit der Notentriegelung vertraut machen, rät der ADAC.
Versenkte Türgriffe könnten Ersthelfern und Rettungskräften bei Unfällen Probleme bereiten. Passagiere sollten sich vor Fahrtantritt mit der Notentriegelung vertraut machen, rät der ADAC. bild: tesla

«Der ADAC weist zudem darauf hin, dass manche Fahrzeuge auch von innen die Türen elektrisch per Tastendruck entriegeln. Auch hier muss es möglich sein, ein Fahrzeug im Gefahrenfall ohne Stromversorgung rasch öffnen zu können», heisst es weiter. Betroffen waren auch hier Modelle von Tesla, der chinesischen Marke Nio oder die BMW-Modelle 7er und iX. «Ein griffgünstig, aber sicher verstauter Fenster-Notfallhammer kann im Zweifelsfall hilfreich sein», empfiehlt der ADAC für solche Fahrzeuge.

Tesla-Türgriffe im Winter immer wieder vereist

Autohersteller bevorzugen elektrisch versenkbare Türgriffe nicht nur aufgrund des Looks, sondern auch wegen der verbesserten Aerodynamik. Laut der «Auto Zeitung» seien solche Faktoren für Elektroautos von Bedeutung, da jede noch so kleine Verbesserung die Reichweite erhöhen könne.

Für Konsumenten haben die elektrischen Türgriffe aber auch andere Nachteile. So berichten vor allem Tesla-Fahrer immer wieder von vereisten Griffen im Winter. Das Problem ist offensichtlich so weit verbreitet, dass Tesla dafür einen eigenen Blogeintrag auf seinem Service-Portal hat. Als Vorschlag zur schnelleren Entriegelung schlägt der US-Autobauer das Einsprühen der Griffe mit WD-40 vor.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
VW ID. Every1: So sieht das günstige E-Auto aus
1 / 14
VW ID. Every1: So sieht das günstige E-Auto aus
VWs Antwort auf China-Stromer soll 20'000 Franken kosten. Die wichtigsten Infos zum ID.1 findest du in dieser Slideshow.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Mann und zwei Kinder sterben in brennendem Tesla – Helfer bekam Tür nicht auf
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Geheimdienst: Entlastung in «Russland-Affäre», doch der Schaden ist angerichtet
Auch eine neuerliche Untersuchung klärt nicht sicher, ob NDB-Mitarbeiter Daten an eine russische Firma weitergegeben haben. Einmal mehr zeigt der Bericht dafür das zerrüttete Klima in der Behörde auf.
Hat der Schweizer Nachrichtendienst sensible Daten an Russland weitergegeben? Das behauptete ein Bericht von SRF vor einem Jahr gestützt auf vertrauliche Dokumente. Eine Administrativuntersuchung, die von Bundesrat Martin Pfister in Auftrag gegeben wurde, liefert nun zwar Entlastung – vollständig ausgeräumt sind die Zweifel aber nicht.
Zur Story