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Putins Albtraum: Der Mann hinter der ukrainischen Drohnen-Strategie

Robert Browdi (Archivbild): Der Kommandeur der Drohnenstreitkraft agiert in einem geheimen unterirdischen Kommandoposten gegen Russland.
Robert Brovdi, Kommandeur der Streitkräfte für unbemannte Systeme der Ukraine, agiert von einem geheimen unterirdischen Kommandoposten aus.quelle: Valentyn Ogirenko

Putins Albtraum: Das ist der Mann hinter der ukrainischen Drohnenstrategie

Robert «Magyar» Brovdi gilt als Architekt der ukrainischen Drohnenstrategie. Der ehemalige Unternehmer treibt den Ausbau unbemannter Systeme voran – und prägt damit den Krieg gegen Russland massgeblich.
08.07.2026, 20:0008.07.2026, 20:00
Marisa Lattemann / t-online
Ein Artikel von
t-online

Im Krieg gegen Russland hat die Ukraine einen entscheidenden Vorteil: ihre Drohnentechnik. Sie ermöglicht es ihr, aus der Ferne russische Ölraffinerien, Flugplätze und Rüstungsstätten lahmzulegen und mit Luftangriffen sogar Moskau zu erreichen. Das setzt Wladimir Putin immer mehr unter Druck.

Der Mann hinter der erfolgreichen Kriegsführung aus der Ferne ist Robert Brovdi, genannt «Magyar», was «Ungar» auf Ungarisch und Ukrainisch bedeutet. Der ehemalige Unternehmer ist in der Ukraine eine ebenso schillernde wie umstrittene Person, und sein Einfluss wächst stetig.

Bis zum russischen Angriff auf die Ukraine 2022 war Brovdi ein Unternehmer. Doch mit Kriegsbeginn tauschte er Anzug und Baseballkappe gegen eine Uniform und liess sich seinen heute charakteristischen Bart wachsen.

So steht der 50-Jährige für eine neue Generation von Kommandeuren in der ukrainischen Armee. Eine, die die bestehenden Systeme aufgeweicht und neue Strukturen etabliert hat. Mit Erfolg, denn ohne die innovative unbemannte Luftflotte Brovdis, aber auch Boden- und Seee-Drohnen, hätte die Ukraine der russischen Armee, immerhin eine der grössten der Welt, deutlich weniger entgegenzusetzen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Drohnen-Angriffe gegen strategisch wichtige Militärziele im russischen Hinterland und in den besetzen Gebieten auch schon wiederholt als «Langstrecken-Sanktionen».

Brovdis Werdegang

Vom Unternehmer zum Kommandeur

Als Geschäftsmann war Brovdi ebenso erfolgreich wie umstritten. Er führte Unternehmen im Getreidehandel, im Immobiliensektor sowie im Baugewerbe. Zudem sass er im Oblast-Rat – einem regionalen Parlament – in Transkarpatien, im äussersten Westen der Ukraine, und baute dort seine Kontakte in die Politik aus.

Als Generaldirektor des teilstaatlichen Getreidehandelsunternehmens Khlib Investbud wurde ihm 2011 Korruption, politische Einflussnahme und die intransparente Vergabe öffentlicher Aufträge vorgeworfen. Gegen Brovdi wurden Strafverfahren eingeleitet, er wurde jedoch nie verurteilt. Vor der russischen Invasion gehörte er zu den grössten Getreideexporteuren der Ukraine.

Als Russland den Krieg begann, war Brovdi einer der wenigen reichen Unternehmer, die sich freiwillig zum Militärdienst meldeten. Bereits im März 2022 experimentierte er auf eigene Kosten mit kommerziellen Drohnen, deren Potenzial im massenhaften Einsatz er früh erkannte. Sein Ziel war, sie nicht nur zur Aufklärung zu verwenden, sondern als Angriffswaffe. Er setzte sich dabei über bürokratische Hürden und militärische Richtlinien hinweg, wie das Fachportal «The Baltic Sentinel» berichtete.

Eine ukrainische Drohne nimmt ein russisches Schiff in den Fokus (Archivbild): Drohnen sind ein entscheidender Vorteil der Ukraine im Krieg gegen Russland.
Eine ukrainische Drohne nimmt ein russisches Schiff in den Fokus (Archivbild): Drohnen sind ein entscheidender Vorteil der Ukraine im Krieg gegen Russland.Bild: Robert Brovdi / Telegram

Brovdi gründete in der ukrainischen Armee eine eigene Einheit und nannte sie «Birds of Magyar», zu Deutsch: «Magyars Vögel». Inzwischen bildet sie ein vollständiges Regiment, das unter der Nummer 414 als eine der wichtigsten Einheiten für Angriffe auf russische Ziele gilt. Unter Brovdis Leitung entwickelte das ukrainische Militär seine ferngesteuerten Objekte von einfachen FPV-Drohnen hin zu hochtechnischen Langstreckensystemen.

Im vergangenen Jahr wurde Brovdi schliesslich zum Kommandeur all jener Streitkräfte ernannt, die «unbemannte Systeme» einsetzen, also Drohnen zur Luft, zu Boden und zur See. In dieser Rolle ist er verantwortlich für die Luftangriffe auf Russland, die die kriegswichtige Infrastruktur des Landes schädigen und seit dem Frühjahr dieses Jahres regelmässig auch die Hauptstadt erreichen.

Drohnen am Boden?

In der Militärtechnik und Robotik wird selten von Drohnen gesprochen, wenn es um Landsysteme geht. Der korrekte Fachbegriff für ein unbemanntes Fahrzeug lautet: UGV (Unmanned Ground Vehicle). Dabei ist grundsätzlich zwischen zwei Typen zu unterscheiden: R-UGV (Remotely Operated) werden von Menschen ferngesteuert. A-UGV (Autonomous) agieren unabhängig, gesteuert von KI.

Im alltäglichen Gebraucht hat sich aber tatsächlich «Drohne» als Überbegriff für unbemannte, ferngesteuerte oder autonome Systeme etabliert, ob in der Luft, im Wasser oder am Boden. (dsc)

Editorial Bild
bild: keystone

Verschiedene ukrainische Medien berichteten, der Kommandeur habe angekündigt, er wolle «Moskau in eine Stadt verwandeln, die niemals schläft».

Seine erfolgreiche Strategie gegen Russland

Gutscheine als Belohnung für Zerstörung

Militärexperten erklären sich den Erfolg seiner Strategie auch damit, dass Brovdi in seiner Brigade eine Kultur etablierte, die weniger ans Militär als an ein modernes Unternehmen erinnere. Um die Effektivität der Angriffe zu erfassen und die Motivation der Soldaten zu steigern, führte er ein Punktesystem für zerstörte Ziele ein: je höher der Schaden, desto höher die Punktzahl. Als Ziele zählen nicht nur Gebäude und Fahrzeuge, sondern auch Menschen.

Erklärtes Ziel der Drohnenbrigade ist es, monatlich mehr Soldaten zu töten, als Russland mobilisieren kann, also mehr als 30'000 Mann pro Monat. Die so gesammelten Punkte können über eine Beschaffungsplattform, intern «Amazon für das Militär» genannt, gegen Gefechtsfeldausrüstung eingetauscht werden.

Brovdi setzt sein Vermögen gezielt ein, um seine Erfolge zu vermarkten, mit Medienpräsenz neue Soldaten anzuwerben, und um Geld für Waffen zu sammeln. Er dient offenbar anderen Geschäftsleuten und Topmanagern als Vorbild: Etliche seien ihm in den Militärdienst gefolgt, schreibt die ukrainische Ausgabe des US-Magazins «Forbes».

«Moskau wird fallen»
Robert «Magyar» Brovdiquelle: telegram

Was hat das mit Putins Schattenflotte zu tun?

Russland stützt sich trotz westlicher Sanktionen auf eine riesige Schattenflotte alternder Tanker, die unter undurchsichtigen Eigentümerstrukturen operieren, um Erdöl und Erdölprodukte zu exportieren. Die Ukraine hält dagegen. Massive Drohnenschläge sollen den Druck auf die ohnehin schon belasteten Reeder und Versicherer der illegalen Flotte erhöhen und Russlands Einnahmequellen schmälern.

Die ukrainischen Drohneneinheiten haben nach eigener Darstellung in der Nacht auf Mittwoch (8. Juli) neun weitere Tanker der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer angegriffen und beschädigt. Dies teilte der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Brovdi, auf Telegram mit. Er schrieb: «Bereit für den nächsten Schattenkampf?» Und prognostizierte: «Moskau wird fallen.»

Schon in der Nacht zuvor hatten die ihm unterstellten Einheiten den Beschuss von acht Tankern gemeldet, schreibt das ukrainische Online-Medium «The Kyiv Independent».

Keine seriöse westliche Versicherung deckt solche Schiffe ab. Die Reeder, die für Russland illegales Öl transportieren, müssen nun mit dem Totalverlust ihrer Schiffe rechnen. Das schreckt internationale Schmuggler massiv ab.

Angeblich kein Öl ausgelaufen

Der Gouverneur der westrussischen Region Rostow, Juri Sljussar, bestätigte Schäden an zwei Schiffen. Diese seien leer gewesen, somit auch kein Öl ins Meer ausgelaufen, schrieb er bei Telegram. Seinen Angaben nach wurden zwei Seeleute bei der Attacke verletzt. Rettungskräfte hätten die Besatzung eines Tankers von Bord gebracht, fügte er hinzu.

Das strategisch wichtige Asowsche Meer ist quasi ein Binnenmeer, das nur durch eine schmale Wassserstrasse bei Kertsch mit dem Schwarzen Meer verbunden ist. Flächenmässig sei das Gewässer etwas grösser als die Schweiz und mit durchschnittlich nur acht Meter Wassertiefe weltweit das flachste Meer, wie die «Neue Zürcher Zeitung» weiss.

Die ukrainischen Drohnen-Schläge richten sich nicht nur gegen Schiffe, sondern auch gegen Raffinerien, Treibstoffdepots und Umspannwerke im russischen Hinterland und auf der besetzten Halbinsel Krim. Dies führt zu handfesten inländischen Krisen: Russland muss den Treibstoff rationieren, der Strom fällt aus, und die militärische Logistik friert ein.

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Und der Westen?

Die Nato will von Brovdi lernen

Drohnen machen zwar nur 2,2 Prozent der ukrainischen Streitkräfte aus, sind aber laut dem ukrainischen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov für über 90 Prozent der feindlichen Verluste verantwortlich. Unabhängig prüfen lassen sich diese Angaben nicht. Kiew weist seiner Drohnenflotte jedoch eine enorme Wichtigkeit zu.

Der ukrainische Militärexperte Viktor Kevlyuk ist sich «The Baltic Sentinel» zufolge sicher: Brovdis Einfluss könnte in Zukunft noch zunehmen.

Auch die Nato hat die Bedeutung von Drohnen für die moderne Kriegsführung längst erkannt. Im Juli 2025 lud sie Brovdi daher zum LANDEURO-Treffen ein, einem internationalen Symposium für Landstreitkräfte in Europa, ein, über seine Erfahrungen zu berichten. Über den Veranstaltungsort, den Nato-Stützpunkt in Wiesbaden, sagte er damals:

«Vier ukrainische Drohnenpiloten hätten diesen Ort innerhalb von nur 15 Minuten in ein zweites Pearl Harbor verwandeln können, ohne näher als zehn Kilometer heranzukommen.»

Er sage das nicht, um Angst zu verbreiten, so Brovdi, sondern nur, «um darauf hinzuweisen, dass diese Technologien heutzutage so leicht zugänglich und günstig sind».

Quellen

(dsc/t-online)

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