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Max Schrems, Datenschutzaktivist, in seinem Büro in Wien. Foto: Hans Punz/APA/dpa

Jurist und Datenschutzaktivist Max Schrems pocht bei den US-Techgiganten auf den Datenschutz. Bild: sda

Apples Tracking-Tools im Visier der Datenschützer – darum geht es

Apples Tracking-Code ermöglicht es Apple und allen Apps auf dem Smartphone, Nutzer zu verfolgen und Informationen über das Onlineverhalten auszuwerten. Eine Gruppe von Datenschutzaktivisten hat nun Beschwerde gegen den US-Konzern eingereicht.



Der österreichische Datenschutzaktivist und Jurist Max Schrems kämpft seit Jahren auf juristischem Weg gegen die Datensammelwut der Tech-Giganten. Im Juli 2020 hat der europäische Gerichtshof (EuGH) auf sein Bestreben die von der EU und den USA 2016 geschlossene Datenschutzvereinbarung «Privacy Shield» für ungültig erklärt, die es ermöglichte, personenbezogene Daten zur kommerziellen Nutzung in die USA zu übermitteln.

Nun nimmt sich Schrems Apples Online-Tracking auf iOS-Geräten zur Brust. Konkret geht es um den IDFA (Identifier for Advertisers), eine Funktion des iPhone-Betriebssystems zum Tracking von Nutzern durch Werbetreibende.

IDFA – das Cookie in deiner Hosentasche

Apples IDFA ermögliche es Apple und allen Apps auf dem iPhone, Nutzer zu verfolgen und Informationen über das Onlineverhalten auszuwerten, schreibt die von Schrems gegründete Datenschutz-Organisation Noyb. In der Praxis sei IDFA mit einem «digitalen Nummernschild» vergleichbar. Jede Aktion des Nutzers könne diesem «Nummernschild» zugeordnet werden, um ein reichhaltiges Profil über den Nutzer anzulegen. Die Erkenntnisse würden genutzt, um Konsumpräferenzen abzulesen und gezielt personalisierte Werbung zu schalten.

«Standardmässig generiert iOS eine eindeutige IDFA (Identifier for Advertisers) für jedes iPhone. Diese einzigartige Zahlen- und Zeichenfolge ermöglicht Apple und Drittanbietern, Benutzer zu identifizieren und ihr Online- und Mobilverhalten zu verbinden (Cross Device Tracking).»

Das Problem: «Wie bei Cookies würde dies normalerweise die Zustimmung der Nutzer erfordern – Apple jedoch hält sich nicht an das EU-Recht», schreibt der Datenschutzverein Noyb. Das Betriebssystem erstelle die IDFA (Werbe-ID) ohne Wissen oder Zustimmung der Nutzer, kritisieren die Datenschützer. «So wie eine App den Zugriff auf die Kamera oder das Mikrofon anfordert, sollen die Benutzer gefragt werden, ob eine App auf die IDFA zugreifen können soll», fordern die Datenschützer um Schrems.

Ein solches Tracking sei in der EU «streng geregelt und erfordert die informierte und eindeutige Einwilligung der Benutzerinnen», heisst es in der Medienmitteilung. Der Verein Noyb habe deshalb zwei Beschwerden gegen Apple eingereicht.

«Während Apple sogar in ihrem Browser vorsieht Cookies zu blocken, platzieren sie selber ähnliche Codes in ihre Handys, ohne jegliche Zustimmung der User. Dies ist ein klarer Verstoss gegen EU-Datenschutzgesetze.»

Stefano Rossetti, Datenschutzjurist bei Noyb

Halbherzige «Verbesserung»

Apple habe vor Kurzem angekündigt, die Nutzung von IDFA für Dritte einzuschränken – aber nicht für sich selbst, schreibt Noyb. Apple wollte seinen Nutzern mit iOS 14 einen verbesserten Trackingschutz anbieten und vorab deren Zustimmung einholen, bevor die Daten für personalisierte Werbung genutzt werden. Nach heftiger Kritik von Facebook und anderen Firmen aus der Werbebranche, die schrumpfende Werbeeinnahmen befürchten, wurde dieser Plan aber verschoben.

Datenschutzjurist Stefano Rossetti von Noyb ist der Meinung, dass Apples Online-Tracking auch nach dieser Änderung gegen die Datenschutz-Vorgaben der EU verstossen würde. Denn die anfängliche Speicherung der IDFA und deren Nutzung durch Apple selbst würde auch nach der Verbesserung des Datenschutzes nach wie vor ohne die Zustimmung der Benutzerinnen erfolgen und damit gegen EU-Recht verstossen. Anders gesagt: Apple will das Tracking für Facebook und alle anderen Apps erschweren, nimmt sich aber selbst davon aus.

«Wir sind der Meinung, dass Apple sowohl jetzt als auch nach diesen Änderungen gegen das Gesetz verstösst. Mit unseren Beschwerden wollen wir sicherstellen, dass Nutzer nicht einfach verfolgt werden. Die IDFA sollte nicht nur eingeschränkt, sondern dauerhaft gelöscht werden. Die Zukunft muss trackerfrei sein.»

Stefano Rossetti, Datenschutzjurist bei Noyb

Google verwendet ein ähnliches Tracking-System. Noyb prüfe daher auch dieses System.

Der Verein Noyb wurde von Max Schrems gegründet. Seit 2018 habe man 130 Verfahren gegen zahlreiche vorsätzliche Datenschutzverstösse eingebracht – unter anderem gegen Unternehmen wie Google, Apple, Facebook und Amazon.

(oli)

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