Digital
International

USA verbieten die russische Antiviren-Software Kaspersky

Antivirus-Software Kaspersky, Logo auf Smartphone.
Die US-Regierung ergreift drastische Massnahmen, um russische Elitehacker vom Eindringen in geschützte Netzwerke abzuhalten.Bild: Shutterstock

Angst vor Spionage – USA verbieten russische Antivirus-Software Kaspersky

21.06.2024, 06:3521.06.2024, 08:21

Die US-Regierung verbietet die russische Virenschutzsoftware Kaspersky. Die Sorge, das Programm könnte ein Einfallstor für russische Geheimdienste sein, führt zu drastischen Massnahmen.

Kaspersky bestreitet die Vorwürfe und will sich juristisch dagegen wehren.

Was genau wird verboten?

Der Verkauf von Kaspersky-Software an Unternehmen und private Kundinnen und Kunden in den USA wird vom 20. Juli an untersagt. Ab dem 29. September darf Kaspersky auch keine Updates mehr einspielen – damit würde die Software weitgehend nutzlos gegen neu dazukommende Bedrohungen. Ab dann ist auch der Weiterverkauf verboten. Die Übergangsfrist solle Kunden die Zeit geben, zu anderen Anbietern zu wechseln, erläuterte das Büro für Industrie und Sicherheit.

Privaten und Unternehmen drohen aber keine Strafen, wenn sie Kaspersky-Software weiternutzen.

Das US-Handelsministerium werde ausserdem zwei russische und eine in Grossbritannien ansässige Einheit von Kaspersky auf eine schwarze Liste setzen, berichtet Reuters. Dies, weil ihnen Kooperation mit dem russischen Militärgeheimdienst GRU zur Unterstützung der Cyber-Geheimdienstziele Moskaus vorgeworfen wird.

Kasperskys Russlandgeschäft unterliege aufgrund der Invasion Russlands in der Ukraine bereits umfassenden US-Exportbeschränkungen. Doch die in Grossbritannien ansässige Tochterfirma werde nun faktisch daran gehindert, Waren von US-Lieferanten zu erhalten.

Warum diese drastischen Massnahmen?

Eine ausführliche Untersuchung habe ergeben, dass dies der einzige Weg sei, Bedenken in Bezug auf die nationale Sicherheit auszuräumen, teilte eine Unterbehörde des US-Handelsministeriums am Donnerstag mit.

Grund für das Verbot sind die Cyberangriffs-Fähigkeiten von Putins Regime und dessen Möglichkeit, Aktivitäten von Kaspersky zu beeinflussen. Software der Firma sei in der Lage, Informationen von US-Unternehmen und Bürgern zu sammeln, die von der russischen Regierung missbraucht werden könnten, warnte die Behörde.

«Wir würden einer feindlichen Nation niemals die Schlüssel zu unseren Netzwerken oder Geräten geben, also ist es verrückt zu glauben, dass wir weiterhin zulassen würden, dass russische Software mit dem grösstmöglichen Gerätezugriff an Amerikaner verkauft wird.»
Senator Mark Warner, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses des US-Senats

Wie reagiert Kaspersky?

Kaspersky kündigte in einer ersten Reaktion ein rechtliches Vorgehen zum Schutz des Geschäfts an. Man gehe davon aus, dass die Entscheidung «auf Basis des aktuellen geopolitischen Klimas und theoretischer Besorgnis» getroffen worden sei – und nicht aufgrund einer Analyse der Software und Dienste der Firma.

«Kaspersky betreibt keine Aktivitäten, die die nationale Sicherheit der USA bedrohen», hiess es in einer Stellungnahme auf der Online-Plattform X.

Welche Vorgeschichte hat Kaspersky?

Kaspersky, einst ein auch international respektierter Spezialist für PC-Sicherheit, hat schon seit Jahren einen schweren Stand im Westen. In Deutschland warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor dem Einsatz der Software. In den USA ist bereits seit 2017 die Installation auf Behördengeräten verboten.

Als ein Auslöser dafür gilt eine Episode, bei der mutmassliche Spionage-Software des US-Geheimdiensts NSA in die Hände von Kaspersky geraten war. Die Firma erklärte damals, der Quellcode sei als eine bisher unbekannte Variante von Schadsoftware auf einem PC entdeckt und zur Analyse auf einen Kaspersky-Server geladen worden.

US-Medienberichten zufolge hatte ein Mitarbeiter des US-Abhördienstes die geheime Software regelwidrig auf seinen privaten Computer geladen, auf dem Kasperskys Antiviren-Software lief. Das Unternehmen versicherte, die Dateien seien gelöscht worden, nachdem ein Analyst Firmenchef Eugene Kaspersky über den Fund informiert hatte. Man habe sie mit niemandem geteilt. In den USA geht man jedoch davon aus, dass die NSA-Werkzeuge beim russischen Geheimdienst landeten.

Kaspersky hat gemäss eigenen Angaben weltweit mehr als 400 Millionen Einzelkunden und über 240'000 Firmenkunden. 2022 erzielte das global tätige Unternehmen einen Umsatz von 752 Millionen Dollar.

Quellen

(dsc/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wie der russische Militärgeheimdienst GRU hackt und tötet
1 / 25
Wie der russische Militärgeheimdienst GRU hackt und tötet
Zum Repertoire des russischen Militärgeheimdienstes GRU gehören gezielte Tötungen, verdeckte Militäreinsätze, Hackerangriffe und die Manipulation von Wahlen. In dieser Bildstrecke lernst du seine Einheiten und Operationen kennen.
quelle: shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Arnold Schwarzeneggers starke Botschaft gegen Hass und Antisemitismus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
«Es ist eine Zumutung, was Eltern machen müssen, um ihr Kind zu schützen»
In sadistischen Online-Netzwerken treiben Täter jugendliche Opfer bis in den Suizid – auch in der Schweiz. Welche Warnzeichen Eltern und Bezugspersonen erkennen und was sie besser lassen sollten.
Recherchen von SRF und des Tagesanzeigers zeigen, dass in mehreren Kantonen Verfahren wegen digitaler Gewaltnetzwerke laufen oder gelaufen sind: Haben auch Sie Meldungen dazu erhalten?
Regula Bernhard Hug: Bei unserer Beratungs- und Meldestelle sind mehrere Fälle eingegangen, bei denen wir den Verdacht hatten, dass ein Gewaltnetzwerk im Spiel ist. In einem Fall ging es etwa darum, dass jemand eine Person verprügeln und dies filmen sollte. Wenn wir den Eindruck haben, dass Druck ausgeübt wird und eine Gruppierung dahintersteht, übergeben wir die Fälle an die Polizei.
Zur Story