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KI-Agenten können autonom einkaufen – doch wollen Kunden das überhaupt?

Robotic Hand Putting Cardboard Package in Shopping Trolley with Keyboard Background
Von der Recherche bis zur Bestellung: KI-Agenten versprechen, Shopping bequemer zu machen.Bild: iStockphoto

Agenten helfen jetzt beim Einkauf – doch wollen die Konsumenten das überhaupt?

Bei gewissen Händlern könnte ein KI-Agent völlig selbstständig einkaufen. Dass dies noch kaum genutzt wird, hat Gründe.
24.10.2026, 19:4924.10.2026, 19:49
Pascal Michel
Pascal Michel

Es gibt kaum einen Lebensbereich, den die Techfirmen wie OpenAI, Google oder Anthropic nicht umpflügen möchten. Dazu gehört auch der Konsum. Sogenannte Agenten sollen bald für uns Handyabos erneuern, unsere Ferien planen – oder unsere Wocheneinkäufe erledigen.

Auch in der Schweiz scheint das Bedürfnis nach solchen Lösungen da zu sein. Eine repräsentative Umfrage von Visa bei 1200 Personen zeigt, dass 70 Prozent der hiesigen Bevölkerung bereits einmal auf KI zurückgegriffen haben, um ihren Einkauf vorzubereiten. Und jeder Zehnte gab an, schon einmal genau das Produkt gekauft zu haben, das der digitale Helfer empfohlen hatte.

Beliebt ist demnach die Unterstützung bei komplexeren Einkäufen wie Reisen oder Heimelektronik. Seltener wird der Wocheneinkauf genannt. Die Jüngeren erwähnen zudem noch Abonnements für Streamingdienste wie Netflix.

Was macht eigentlich ein KI-Agent?

Ein KI-Agent ist ein System der künstlichen Intelligenz, das nicht nur Texte generiert oder Fragen beantwortet, sondern auf einem Computer eigenständig agiert, um ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Man kann ihn sich als eine Weiterentwicklung herkömmlicher KI-Chatbots vorstellen: Er kann nicht nur «denken» und «sprechen», sondern digital «handeln»

Wie funktioniert das?

Herkömmliche KI-Modelle warten auf eine detaillierte Eingabe des Users und liefern darauf eine direkte Reaktion. Ein KI-Agent hingegen durchläuft einen mehrstufigen Prozess: Er analysiert das übergeordnete Ziel, zerlegt es in logische Teilschritte, entscheidet über das beste Vorgehen und nutzt digitale Werkzeuge, um die Aufgabe Schritt für Schritt abzuarbeiten.

Was bringt das?

Ein KI-Agent kann beispielsweise selbstständig im Internet recherchieren, Kalendereinträge erstellen, E-Mails versenden oder ein komplexes Programm entwickeln.

Warum ist das riskant?

Damit ein KI-Agent nützliche Aufgaben übernehmen kann, benötigt er weitreichende Zugriffsrechte – von E-Mail-Konten bis hin zu internen Datenbanken. Dies birgt nicht nur das Risiko von Datenlecks, sondern macht das System auch anfällig für böswillige Manipulationen von aussen.

Wenn ein KI-Chatbot einen Fehler macht (eine sogenannte «Halluzination»), steht ein falscher Satz auf dem Display. Zieht ein KI-Agent hingegen eine falsche Schlussfolgerung, handelt er auf dieser Basis weiter. Dies kann böse Folgen haben.

Da der KI-Agent seine Lösungswege eigenständig wählt, ist nicht immer klar, wie er ein Ziel erreichen wird. Und da er die Aufgaben in rasender Geschwindigkeit abarbeitet, fehlt oft die Zeit für menschliche Kontrolle.

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bild: imago-images.de

Kunden müssen Zugriff auf Karten gewähren

Welcher Teil der Kundschaft einen Einkauf inklusive Zahlvorgang bereits ganz an die KI abdelegiert hat, geht aus der Umfrage nicht hervor. Er dürfte noch klein sein, wie eine andere Studie der Universität St.Gallen zeigte. Dort lag der Wert bei fünf Prozent. In der Visa-Umfrage geben 17 Prozent an, sie seien offen für autonome Käufe.

Theoretisch jedenfalls ist es möglich, dass ein Agent einen Kauf autonom abwickelt, etwa im Onlineshop von Coop, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagt. «Voraussetzung dafür ist, dass die Kundinnen und Kunden dem Agenten Zugriff auf ihr Coop-Konto und ihre hinterlegten Zahlungsmittel gewähren.» Der Kauf per Agent ist allerdings nur möglich, wenn der Kunde keine aktive Bestätigung der Zahlung verlangt hat. Eine solche Bestätigung empfiehlt der Händler seinen Kundinnen und Kunden. Man rate zudem davon ab, Login-Informationen mit Agenten zu teilen.

Bei Coop geht man davon aus, «dass die Agenten bei Produktrecherche oder der Einkaufsvorbereitung zunehmend eine bedeutende Rolle spielen». Deshalb optimiert der Händler seine Webseiten und prüft «laufend mögliche Einsatzfelder sowie Schnittstellen». Denkbar seien Weiterentwicklungen in Richtung von Automatisierung, sagt die Sprecherin: «Zum Beispiel für Produkte, die immer wieder gebraucht werden. Windeln etwa könnten so in einem bestimmten Rhythmus automatisch bestellt werden.»

Digitec hat Schnittstelle eingerichtet

Beim Onlinehändler Galaxus können Agenten ebenfalls Einkäufe tätigen. Sofern der Kunde explizit Zugriff auf sein Benutzerkonto sowie die hinterlegten Zahlungsdaten gewährt, kann die KI auch die Bezahlung übernehmen. Digitec weist darauf hin, dass dieselben Sicherheitsmechanismen greifen würden wie bei Einkäufen durch Menschen. Bestellt der Agent etwa ein falsches Produkt, kann der Kunde es zurückgeben. «Wir unterscheiden derzeit nicht, ob unsere Kundschaft den Kauf selbst getätigt hat oder ob sie die Zahlungsdaten einer anderen Instanz überlassen hat», sagt eine Sprecherin.

Digitec hat darüber hinaus seine eigene Schnittstelle für KI-Agenten eingerichtet. Die Migros-Tochter hilft den Assistenten so, besser mit der Webseite zu interagieren. Der Zugang könne von allen Anbietern genutzt werden, heisst es auf Anfrage. Man sei gespannt, wie künftig solche Assistenten genutzt würden.

Zurückhaltender zeigt sich Dertour. Zum führenden Reisekonzern gehören etwa die Marken Kuoni und Hotelplan. Zwar erwarte man, dass KI-Agenten bei der Reiseplanung an Bedeutung gewinnen würden, sagt ein Sprecher. Es sei auch denkbar, dass sie im Auftrag Angebote zusammenstellen. Dennoch könne dies die persönliche Beratung nur ergänzen. «Gerade bei komplexen Reisen, individuellen Bedürfnissen oder Problemen unterwegs bleibt menschliche Unterstützung wichtig.» Einen eigenen KI-Agenten setzt das Unternehmen nicht ein. Und ob etwa ChatGPT eine Reisebuchung vollständig bis zur Zahlung auslösen könnte, könne man nicht pauschal bestätigen oder ausschliessen.

Kunden sollen die Kontrolle behalten

Die Sicherheitsfrage lässt auch die SBB zögern. Hier könnten Agenten ebenfalls bei der Auswahl der idealen Reiseroute und des günstigsten Tickets helfen. Ohne aktive Bestätigung durch einen Menschen ist ein solcher Kauf aber nicht möglich, heisst es. «Kauf- und Zahlungsprozesse sind so gestaltet, dass die Kundschaft die Kontrolle über ihre Transaktionen behält. Zudem setzen wir etablierte Sicherheitsmechanismen zum Schutz unserer digitalen Kanäle ein.»

Die Politik tut sich schwer mit Regulierung

Viele Politikerinnen und Politiker haben Skrupel, künstliche Intelligenz zu stark und unabhängig von den grossen KI-Firmen zu regulieren. Nicht nur Nationalisten und Rechtspopulisten wie Donald Trump wollen den Tech-CEOs praktisch freie Hand geben. Schliesslich steht für sie der internationale Wettbewerb über allem, und die Sorge um die Konkurrenz, beispielsweise aus China, ist durchaus berechtigt. In ihrer Rede zur Lage der Union übernahm sogar EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Amodeis Befürchtungen und sagte, sie werde «die wichtigsten Frontier-Labs zu einer Diskussion darüber einladen, wie wir die laufenden Bemühungen der Industrie unterstützen können, einen Gang zurückzuschalten».

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An solchen Sicherheitsmechanismen arbeitet der US-Finanzgigant Visa. Er ist gerade zusammen mit Banken und Händlern daran, den Einsatz von KI-Agenten «auf eine vertrauenswürdige Grundlage zu stellen». In Testkäufen wurden solche automatisierten Käufe bereits erfolgreich abgewickelt.

Als Sicherheitsmassnahmen nennt Visa etwa die sogenannte Tokenisierung. Damit ist gemeint, dass die Agenten keine «echten» Kartendaten erhalten, sondern nur eine verschlüsselte Variante übermittelt wird. Zudem prüft Visa etwa solche Agenten und empfiehlt Händlern, welche davon vertrauenswürdig sind.

Der Siegeszug der Agenten dürfte massgeblich von diesem Vertrauen abhängen. Und von der Frage: Wollen die Konsumenten ihr Einkaufserlebnis gänzlich an eine Maschine auslagern? In der St.Galler Studie jedenfalls gab rund die Hälfte der Befragten an, dass sie den digitalen Shoppingtrip nicht vollständig automatisieren möchten – weil sonst die Freude am Einkauf verloren geht. (schweizheute.ch)

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