Arrr, ist das schön – «Assassin’s Creed Black Flag Resynced» im Test
Die «Assassin’s Creed»-Reihe blickt mittlerweile auf eine Vielzahl an Spielen und Ablegern zurück. Seit 2007 der erste Teil auf den Markt kam, hat Ubisoft damit eine feste Game-Grösse erschaffen, die immer noch ordentlich Geld in die Firmenkasse spült. Auch wenn es immer wieder mal einige Ausrutscher gibt, die von den Fans weniger goutiert werden, ist und bleibt die Reihe eine sichere Bank.
Die Meinungen der Endkonsumenten über die Entwicklung der Marke und die Inhalte der Spiele gingen über die Jahre stets auseinander. Bei «Black Flag» war man sich jedoch grösstenteils einig und das Game konnte 2013 eine riesige Fangemeinde aufbauen, die auch heute noch davon schwärmt und den Titel fast schon vergöttert. «Black Flag» wurde zu einem Kultspiel der Reihe und hat Ubisoft nun dazu verleitet, dem Abenteuer eine Frischzellenkur mit neuen Inhalten und Mechaniken zu spendieren.
Das beste «Assassin’s Creed» aller Zeiten?
In manchen Fan-Foren wird «Black Flag» schlicht als bestes «Assassin’s Creed»-Game aller Zeiten betitelt. Das hat durchaus seine Berechtigung. Das Spiel punktete damals mit dem frischen Piraten-Setting, kreierte eine wunderschöne, oft auch einfach nur atemberaubende Karibik-Atmosphäre, machte Schifffahrten und Kämpfe auf hoher See salonfähig und konnte dieses erhabene Gefühl von Spiele-Freiheit wunderbar transportieren.
Und dann war da auch noch Edward Kenway, unsere Hauptfigur, die anders war als die üblichen Helden in der Vergangenheit. Mit seiner frechen Zunge, ganz viel Charme und seiner sympathischen Wesensart schlossen wir ihn sofort in unser Herz. Edward trägt zwar die Assassinen-Kluft, war aber von Anfang an kein Meuchelmörder der klassischen Art, sondern ein Freibeuter, der per Zufall zur Uniform fand und obendrauf einen mysteriösen Gegenstand erhielt, den er nun gegen hoffentlich viel Gold eintauschen kann, um seinen Lebensstandard zu optimieren und seine Ehefrau glücklich zu machen.
Der ewige Konflikt
Die Grundgeschichte der «Assassin’s Creed»-Spiele wird gerne oft als Bilderrahmen mit üppiger Ausstattung verwendet, um dem ganzen Konstrukt einen gewissen Sinn zu schenken: In der Welt von «AC» geht es immer um den seit Jahrtausenden tobenden Konflikt zwischen den Assassinen und den Tempelrittern, die eine kontrollierbare Gesellschaft via Unterdrückung anstreben. Dagegen kämpfen und meucheln die Assassinen seit Ewigkeit. Hinter dem Vorhang der offiziellen Geschichtsschreibung tobt also ein ewiger Kampf.
Warum wir aber in der Rolle eines Assassinen ständig in unterschiedlichen Zeitepochen agieren, hat mit einer Maschine namens Animus zu tun. Denn in der Zukunft legen sich ganz entfernte Verwandte von früheren Assassinen in diese Maschine hinein und tauchen in die Erinnerungen ab, um die Geschichte von damals wahrlich hautnah zu erleben und auf Spurensuche zu gehen. Das Ziel: Informationen horten, verschwundene Gegenstände ausfindig machen, Verschwörungen aufdecken und dem Orden der Templer stets eins auswischen.
Abenteuer in der Karibik bleibt im Fokus
Und gerade dieser ewige Kampf zwischen zwei Fraktionen wird in «Black Flag» nur wohldosiert in die Geschichte verwoben, was besonders gut ankam. Denn unsere Reise konzentriert sich hier viel mehr auf Protagonist Edward, der ein Abenteuer erlebt, das nicht den gewohnten Ablauf eines «AC»-Games innehat, sondern oft auch ganz alleine auf eigenen Beinen stehen kann. Das war eine weitere grosse Stärke dieses Spiels, das nun ein Update bekommen hat und um die Gegenwartsebene in der sterilen Zukunft nun prompt einen weiten Bogen macht, sie komplett ignoriert und damit kompakter daherkommt.
Noch schönere Optik
Wer «Resynced» startet und das Original nicht mehr so ganz in Erinnerung hat, wird nicht sofort vom Sofa fallen. Denn, sind wir ehrlich, das Spiel sah schon damals sehr, sehr gut aus und hat uns mit dem Karibik-Flair begeistert. Dennoch hat das Spiel jetzt eine neue Technik und ein zünftiges Grafik-Update erhalten, das uns verwöhnt. Die Zwischensequenzen wirken lebendiger, die neuen Lichteffekte bieten noch mehr Atmosphäre und in den Dörfern, Städten und sonstigen Arealen geht jetzt definitiv mehr ab als damals. Auch der nahtlose Übergang ohne Ladebildschirme erfreut das Auge.
Noch knackigere Kämpfe
Die Kämpfe sind immer noch wuchtig und atmen diese Einfach-Draufhauen-Luft, aber Edward kann jetzt auch wunderhübsch und besser parieren, sodass sich die Kämpfe etwas geschmeidiger, aber auch sehr einfach spielen lassen. Zudem fühlen sich die Kletterpassagen und auch die permanent möglichen Schleichbewegungen jetzt noch etwas freier und knackiger an und wir dürfen überall auf Tauchkurs gehen und uns somit der wunderschönen Unterwasserwelt widmen. Obendrauf gibt es neue Angriffsvarianten mit den Waffen und neue Spezialfertigkeiten für unseren Helden.
Noch mehr Atmosphäre
Auch die ganze Spielmechanik rund um die beliebten Seefahrten wurde aufgemotzt. Wir besitzen neue, sekundäre Feuermöglichkeiten, neue Offiziere und auch Tiere dürfen an Bord, wir können Routen markieren, Schnellreise tätigen und generell wurde die gesamte Schiffs- und Mannschaftsatmosphäre nochmals gehörig nach oben geschraubt, um diesen wichtigen und wuchtigen Spielabschnitten noch mehr Bedeutung zu geben. Sogar um die zehn neuen Seemannslieder dürfen entdeckt und mitgesummt werden.
Noch mehr Inhalt
Auch der Umfang wurde behutsam vergrössert. Es gibt einige neue Storyinhalte, die dazugekommen sind, und frische Nebenmissionen, die uns noch mehr in die Welt hineinziehen. Nach dem Abspann warten sogar noch acht neue Missionen darauf, gespielt zu werden. Die Gegenwarts-Story wurde zwar links liegen gelassen, doch dafür bekommen Edward und sein Privatleben gefühlt noch mehr Gewicht und Einblicke und wir dürfen die Bekanntschaft mit neuen Figuren machen, die sich wunderbar in die Geschichte einfügen.
Ein Pflichtkauf für (fast) alle
Fazit: Egal ob Original oder Neuauflage, «Black Flag» ist ein Highlight der «Assassin’s Creed»-Reihe. Das Karibik-Abenteuer präsentiert eine wahnsinnig schöne Welt, die das Fernweh in uns kitzelt, mit kollegialer Freibeuter-Atmosphäre zu begeistern weiss und in uns den Drang nach mehr Piraten-Games weckt. Edward ist und bleibt zudem einfach ein sympathischer Zeitgenosse, dem man vieles verzeiht und der sich herrlich locker in der ansonsten sehr ernsten «AC»-Welt bewegt und sympathische Nebenfiguren treffen darf.
Wer das Original noch nicht gespielt hat, sollte unbedingt zugreifen. Auch wer sich übrigens im Assassinen-Universum nicht auskennt, kommt auf seine Kosten und wird ganz viel Spass damit haben. Wer Fan des Originals ist und schon lange mal wieder Piraten-Luft schnuppern möchte, greift ebenfalls zu, da sich sowohl die optischen als auch inhaltlichen Updates durchaus lohnen. Nur wer das Original kennt und den Geist dieses Abenteuers damals nicht so sehr gefühlt hat, kann sich das Wiederspielen schenken, da dieses Videospiel seiner Grundstruktur und Mechanik dann doch sehr treu geblieben ist.
In welchem Lager man auch heimisch sein mag, «Black Flag» ist und bleibt unterm Strich ein Meilenstein der «Assassin’s Creed»-Reihe und wird mit dieser Neuauflage seine Fan-Gemeinde mit Sicherheit nochmals vergrössern und mit ganz viel Spielspass und Atmosphäre verwöhnen. Arrr!
«Assassin’s Creed Black Flag Resynced» ist ab dem 9. Juli erhältlich für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.
