Digital
Review

«Silent Hill: Townfall» im Test: So gut ist das Game für PS5 und PC

Simon Ordell kann sich an nichts erinnern und orientiert sich via Mini-TV.
Simon Ordell kann sich an nichts erinnern und orientiert sich via Mini-TV.bild: zvg
Review

Warum «Silent Hill: Townfall» ganz viel Toleranz braucht

Nach dem famosen «Silent Hill f», das in Japan angesiedelt war, verschlägt es uns bei «Townfall» nach Europa. Der neblige Ausflug in eine bizarre Horrorwelt geht wieder unter die Haut, braucht aber auch viel Ausdauer und Nerven.
28.09.2026, 19:0228.09.2026, 19:26

Die «Silent Hill»-Marke hat wieder ordentlich Puls: Nachdem das Remake von «Silent Hill 2» ältere als auch jüngere Generationen begeistern konnte, bekamen wir mit «Silent Hill f» einen ordentlichen Nachschlag verpasst, der die Reihe mit frischem Blut versorgte. Ab da war klar, diese langlebige Horror-Marke ist gekommen, um wieder länger zu bleiben. Zeit, zu verschnaufen und den Japan-Albtraum zu verdauen, gibt es kaum, denn nun steht mit «Townfall» bereits der nächste Ableger parat, um uns einen weiteren Mindfuck zu schenken.

Erinnerungen im Nebel

Wie schon bei «Silent Hill f» steht nicht etwa die bekannte, titelgebende Stadt aus den Vorgängern im Zentrum der Geschichte, sondern eine Kleinstadt auf einer Insel vor der schottischen Küste. Zeitlich befinden wir uns in den 90ern, wo die Welt noch vorwiegend analog statt digital funktionierte. Die Verwandtschaft mit «Silent Hill» lässt sich aber nicht leugnen: Auch St. Amelia ist in dichten Nebel gehüllt, die Bewohner sind allesamt verschwunden und eine unheimliche Stille zieht um die Häuser.

Simon ist unsere Hauptfigur und hat wie wir ganz viele Fragen im Kopf.
Simon ist unsere Hauptfigur und hat wie wir ganz viele Fragen im Kopf.bild: zvg

Simon Ordell scheint mit dem Ort durchaus vertraut zu sein, doch seine Erinnerungen sind in Fetzen gerissen, als er sich aus dem Wasser zieht und ziemlich verwirrt durch die Gassen des ehemaligen Fischerstädtchens streift. Wer genau ist er, was macht er hier und was ist mit ihm passiert? Fragen, die im Verlauf des Spiels beantwortet und noch viel Stoff zum Sinnieren liefern werden. Und nein, mehr wird hier zur Geschichte nicht verraten.

Die Kleinstadt St. Amelia ist komplett in Nebel verhüllt.
Die Kleinstadt St. Amelia ist komplett in Nebel verhüllt.bild: zvg

Mini-TV wird zum Lebensretter

«Townfall» verabschiedet sich von der traditionellen Thirdperson-Perspektive und ist der erste Serienteil, der sich vollständig aus der Ego-Ansicht spielen lässt. Zwar durfte man sich bereits kurz in «Silent Hill 4: The Room» und im Kurzhorror-Trip «The Short Message» via Ego-Perspektive gruseln und auch die Demo für das eingestellte «Silent Hills» setzte auf diese Ansicht, doch eine durchgehende Ego-Erfahrung für einen vollwertigen Titel aus diesem Universum ist neu.

Zu Beginn wirkt alles noch ganz friedlich und vertraut.
Zu Beginn wirkt alles noch ganz friedlich und vertraut.bild: zvg

Ganz langsam und Schritt für Schritt erkunden wir das schaurige Städtchen und ahnen schon, dass hier die ersten fremdartigen Kreaturen auf uns hinter den Ecken lauern. Der Puls geht ordentlich nach oben, denn wir sind unbewaffnet und das Spiel zwingt uns zu schleichen, uns zu verstecken und mit einem kleinen tragbaren Mini-Fernseher die Gegner durch die Mauern hindurch zu beobachten. Dieses handliche, sogenannte CRTV-Gerät wird sich im späteren Spielverlauf noch als sehr nützlich erweisen. Wir empfangen damit nicht nur seltsame Video-Nachrichten, die uns in der Geschichte weiterbringen und antreiben, sondern auch Zusatzinfos, die uns tiefer in das Mysterium eintauchen lassen.

Ausufernde Rätsel

Auch wenn Simon zu Beginn auf passive Vorgehensweise setzen muss, darf er sich dann doch noch mit dem obligaten Holzpflock oder via Stahlrohr zur Wehr setzen. Auch eine Pistole und andere Schiesseisen stehen später zur Verfügung. Doch das Spiel macht uns immer wieder klar, dass Schleichen, Ausweichen und Beobachten hier ebenso zum Ziel führen und vielleicht auch die schlauere Art und Weise ist. Es gibt zwar immer wieder mal die Möglichkeit, sich mit den bekannten Items zu verarzten, sprich seine Lebensenergie zu füllen, aber da wir uns im Survival-Horror-Genre befinden, sind diese Gegenstände genau wie Munition nicht gerade grosszügig in den Levels verteilt.

Die Munition für diese Schusswaffe ist eher rar gesät.
Die Munition für diese Schusswaffe ist eher rar gesät. bild: zvg

Grosszügig verteilt sind jedoch Zahlenschlösser: Gefühlt gab es in noch keinem anderen Videospiel so manchen Spind oder Schrank mit einem Code zu öffnen. Die richtigen Zahlen findet man stets, wenn man entweder die Akten oder E-Mails liest, logisch kombiniert oder sich die Umgebung ganz genau ansieht. Diese Rätsel sind noch sehr einfach, denn auf dem Weg zum Abspann warten ein paar ordentliche Knacknüsse, die das Hirn richtig zum Kochen bringen und teilweise ordentlich viel Spielzeit klauen werden, bis man endlich die Lösung herausgefunden hat und weiterziehen darf. Hört sich sehr frustrierend an und ist es auch. Denn manche Knobeleien sind so hart und fies, dass der Spielspass komplett inexistent wird und das Spiel nur noch verflucht und angeschrien wird.

In der düsteren Welt warten zahlreiche knackige Rätsel auf uns.
In der düsteren Welt warten zahlreiche knackige Rätsel auf uns.bild: zvg

Frustrierender Widersacher

Schreien möchte man auch regelmässig, wenn uns eine bestimmte Kreatur den allerletzten Nerv raubt. «Townfall» verfügt über eine Handvoll an Gegner-Typen, die sich nicht wahnsinnig gross voneinander unterscheiden. Dann ist da aber noch ein einzelnes, übergrosses Monster, das nur in bestimmten Abschnitten auftaucht, uns verfolgt, unbesiegbar ist und uns bei sofortigem Kontakt tötet.

Nun gut, übermächtige Monster, die uns verfolgen und ans Leder wollen, das ist für den Genre-Fan kein grosses Problem, möchte man meinen. Doch das Viech lässt sich leider überhaupt nicht analysieren. Die Wege, die es zurücklegt, sind zufallsbedingt und es bewegt sich immer automatisch auf die Spielfigur zu. Sogar wenn man Türen verschliesst oder sich in einen Schrank versteckt, ist man von diesem Ungetüm nicht sicher. Ergebnis: Ganz viel Frust, ganz viele Fluchwörter und ein ständiges Wiederholen des Abschnitts und wildes Herumrennen. Muss man im selben Areal auch noch Gegenstände suchen und Schalter drücken, während einem das Ding verfolgt, ist man stets kurz davor das Spiel wütend zu deinstallieren.

Dieser Gegner ist zwar gruselig und hartnäckig, aber durchaus machbar.
Dieser Gegner ist zwar gruselig und hartnäckig, aber durchaus machbar.bild: zvg

Schaurig schöne, ächzende Welt

Ja, diese unnötigen Frustpassagen machen es einem nicht gerade leicht, das Spiel wirklich zu lieben. Denn Liebe hat ‹Townfall› durchaus verdient. Die optischen Schauwerte sind teilweise atemberaubend. Immer wieder zeigt uns das Spiel Dinge und Szenen, die uns unfassbar nichtsahnend erwischen und erschaudern lassen. Wenn wir zum Beispiel in eine rötlich schimmernde, von Rohren zerfressene und unter wummernden Klängen ächzende Albtraumwelt hinabsteigen, dann sind alle Frustmomente vergessen. Auch wenn wir uns mit rar gesäten Figuren unterhalten und tiefgründige Dialoge führen, wenn wir Schritt für Schritt zur Erkenntnis kommen und diese Monstrositäten der Welt verstehen, wird es einem ganz anders in der Magengegend und der «Silent Hill»-Fan wird selig.

Das Artdesgin mit seiner rötlich schimmernden Spielwelt ist bemerkenswert.
Das Artdesgin mit seiner rötlich schimmernden Spielwelt ist bemerkenswert.bild: zvg

Zwar erkennt der «Silent Hill»-Veteran schon früh, wo die Reise hingeht und dass hier dann doch der zweite Teil etwas zu stark als Vorlage gedient hat, doch «Townfall» schafft es dennoch eine eigene, schaurige Geschichte zu erzählen, die man übrigens auch ohne Vorkenntnisse der Spielreihe verstehen kann. Wobei verstehen bei «Silent Hill» so eine Sache ist. Am Schluss sitzt man wieder da und sinniert über die Geschichte, die Figuren und den Ausgang. Habe ich alles richtig verstanden? Gefällt mir das Ende? Muss ich das Spiel nochmals spielen, um ein anderes Ende zu sehen? Fragen über Fragen, doch sie sind ein wichtiger Bestandteil von «Silent Hill» und dürfen beim Betrachten des Abspanns auf keinen Fall fehlen.

Zwischen Liebe und Hass

Fazit: «Townfall» bietet besten Psycho- und Body-Horror, der uns in eine surreale Welt hinabzieht, die verstört, fasziniert und Nerven kostet. Das Nervenkostüm wird jedoch hauptsächlich von einem unfairen Monstrum und ausufernden Rätseln beansprucht, die den Spielspass immer wieder ins Wanken bringen und Wutausbrüche generieren. Diese wahrlich unnötigen Momente sorgen leider dafür, dass die Strahlkraft dieses neuen «Silent Hill»-Trips nicht konstant bleibt.

Sehr schade, denn «Townfall» weiss durchaus zu begeistern. Die Geschichte bleibt verwirrend und spannend bis zum Schluss, die optischen Schauwerte sind eine Wucht, die Soundkulisse geht tief und wir werden zusätzlich mit Schauplätzen gesegnet, die zum Verweilen einladen. Die 90er-Jahre wurden mit vielen Details wunderbar getroffen, das Spiel besitzt eine charmante Retro-Aura und hat obendrauf ein paar wirklich gute, spieltechnische Kniffe und Überraschungen auf Lager.

Trotz der Kritik ist «Townfall» auf keinen Fall ein schlechtes Videospiel geworden und gerade «Silent Hill»-Kenner werden sich sehr schnell heimisch fühlen und alles aufsaugen. Aber der Grat zwischen Liebe und Hass ist bei diesem Albtraum stellenweise wirklich sehr schmal.

«Silent Hill: Townfall» ist erhältlich für Playstation 5 und PC. Freigegeben ab 16 Jahren.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Games der PlayStation 2
1 / 7
Die besten Games der PlayStation 2
«Gran Turismo» gehört auch heute noch zu den besten Rennsimulationen.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Der übelste Horrorfilm des Jahres
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Geheimdienst: Entlastung in «Russland-Affäre», doch der Schaden ist angerichtet
Auch eine neuerliche Untersuchung klärt nicht sicher, ob NDB-Mitarbeiter Daten an eine russische Firma weitergegeben haben. Einmal mehr zeigt der Bericht dafür das zerrüttete Klima in der Behörde auf.
Hat der Schweizer Nachrichtendienst sensible Daten an Russland weitergegeben? Das behauptete ein Bericht von SRF vor einem Jahr gestützt auf vertrauliche Dokumente. Eine Administrativuntersuchung, die von Bundesrat Martin Pfister in Auftrag gegeben wurde, liefert nun zwar Entlastung – vollständig ausgeräumt sind die Zweifel aber nicht.
Zur Story