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In Schweden sind Chromebooks seit 2016 die meistverkauften Schul-Rechner. bild: blog.google.com

Warum diese Schweizer Schule auf Chromebooks statt Windows-PCs setzt

Im Lehrplan 21 gehört das Fach Medien und Informatik zum Stundenplan und die Digitalisierung macht nicht vor dem Schulzimmer halt. Eine der kleinsten Aargauer Gemeinden setzt auf Budget-Laptops mit Google-Software.

Eddy Schambron / az Aargauer Zeitung



Die kleine Schule Kallern nimmt eine Vorreiterrolle wohl im ganzen Kanton Aargau ein: Mit der Anschaffung von zehn Google-Chromebooks und mit einem aktualisierten Konzept zur Informations- und Kommunikationstechnologie spielt sie ab dem neuen Schuljahr in Sachen Digitalisierung und Datenverarbeitung an der Schule in der ersten Liga.

Der digitale Fortschritt macht nicht vor der Schulhaustüre Halt und der neue Aargauer Lehrplan 21 führt das Fach Medien und Informatik auf dem Stundenplan. «Aber die heutige Vorstellung von EDV-Unterricht im separaten Informatikzimmer ist einfach nicht mehr zeitgemäss», sagt Schulpflegepräsident Daniel Schwegler, der auch im Gemeinderat sitzt. Also wurden neue Wege gesucht und zugleich der Beweis erbracht: «Die Digitalisierung an der Schule muss nicht teuer sein.» Kallern hat dafür 4000 Franken ausgegeben.

Der Aufwand, Laptops «am Leben» zu erhalten, wie sich Schwegler ausdrückt, wurde in Kallern immer grösser. Da musste wieder etwas installiert werden, dort funktionierte ein Audioausgang nicht. «Da haben wir nach einer kostengünstigen, zukunftsgerichteten Lösung gesucht», erklärt der Datenbankspezialist.

«Wir haben gemerkt: Es muss nicht immer Microsoft oder Apple sein.»

Die Schulpflege wurde unter anderem in Konolfingen BE fündig, wo man mit Chromebooks arbeitet. Diese browserbasierten Notebooks sind leicht zu bedienen und zu administrieren. Sie sind günstig (an der Oberstufe Konolfingen können die Schülerinnen und Schüler die Geräte nach drei Jahren Schulzeit gleich behalten) und erlauben es den Lehrkräften, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, ohne sich mit Hard- und Software herumschlagen zu müssen.

«Wir haben gemerkt: Es muss nicht immer Microsoft oder Apple sein», sagt Schwegler. Und zieht Bilanz: «Chrome OS überzeugt mit der einfachsten Handhabung und ausgezeichnetem Preis-Leistungs-Verhältnis.»

Es bestehe keine Abhängigkeit zu einem bestimmten Gerätehersteller und es gebe für wenig Geld explizit für den Bildungsbereich konzipierte und stabile Endgeräte.

Bei den Lehrkräften wurde der Vorschlag offen und positiv aufgenommen.

Der Datenschutz sei gewährleistet

Gespeichert wird in der Cloud. Schwegler ist sich bewusst, dass bei diesem Stichwort, zumal in Zusammenhang mit Google, bei vielen die Alarmglocke läutet. «Wenn die gespeicherten Daten aber klar klassifiziert werden, gibt es keine Probleme», erklärt er.

Eine separate Datenhaltung auf einem eigenen Server sei für die kleine Schule einfach zu aufwendig und zu teuer. Alle schützenswerten Daten wie Noten, Beurteilungen, Adresslisten usw. werden an der Schule in der Lösung «LehrerOffice» gehostet, wie es im ganzen Kanton üblich ist. Für die Internetnutzung gibt es ein Regelwerk und eine Filterung, die grösstmögliche Sicherheit bietet.

«An der Schule Kallern werden die Schülerinnen und Schüler auf das Leben in der Mediengesellschaft vorbereitet. Dazu gehört ein kompetenter und verantwortungsvoller Umgang mit Medien und Informatiksystemen», heisst es im aktualisierten Konzept zur Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT-Konzept).

Medienbildung ist Teil einer ganzheitlichen Bildung. «Es geht nicht darum, die Digitalisierung von 0 auf 100 zu pushen», sagt Schwegler. Vielmehr soll sie situationsgerecht eingesetzt werden. «Digitalisierung ist kein Allerheilmittel, nur eine Ergänzung. Wir legen viel Wert auf unseren guten bisherigen Unterricht.»

Zwar ist Kallern im Kanton jetzt in einer Vorreiterrolle, aber Schwegler weiss auch, dass andere, vor allem im Ausland, viel weiter sind. Um nochmals das Beispiel Konolfingen zu nennen: Dort werden an der Oberstufe bereits heute die Schulaufgaben teilweise digital abgegeben. «Davon sind wir noch ein Stück entfernt.» Aber er ist sicher: Das wird an den Schulen genauso Standard wie der persönliche Laptop für jede Schülerin und jeden Schüler.

In diesem Zusammenhang sieht er im Moment allerdings nicht das Bring Your Own Device (BYOD)-Prinzip, also die Nutzung privater Endgeräte, sondern das Leave Your Own Device (LYOD)-Prinzip, die Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler mit identischen Endgeräten. «BYOD geht aus meiner Sicht schon aus sozialen Gründen nicht, ganz abgesehen von der Belastung der Lehrpersonen mit unterschiedlichen Geräten und aufkommenden technischen Problemen.»

Mit zehn neuen Google Chromebooks, ergänzend zu den bisherigen Windows Laptops, hat die Schule Kallern den ersten Schritt in ihre digitale Zukunft getan.

Umfrage

Chromebooks im Klassenzimmer – eine gute Lösung?

  • Abstimmen

500

  • Ja, das ist es.74%
  • Nein, find ich nicht.18%
  • Weiss nicht8%

Nach Alter abgestufte Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler sollen einen stufengerechten und sinnvollen Umgang mit digitalen Medien erlernen. Das ICT-Konzept in Kallern sieht vor, dass im Kindergarten bis zur zweiten Klasse auf den Einsatz von Informatiksystemen so weit wie möglich verzichtet wird. Sie können aber die Medien benennen, welche sie zur Unterhaltung, zur Information und zur Kommunikation nutzen. Ein massvoller Einsatz von Tablets ist erlaubt.

In der Mittelstufe sollen die Schülerinnen und Schüler Medien als Werkzeuge nutzen, die sie beim Lernen unterstützen können. Ebenso sollen sie ab der 4. Klasse in die Grundlagen Textverarbeitung, Präsentationstools oder Bildbearbeitung am Computer eingeführt werden. Sie sollen schliesslich unter anderem Folgen medialer und virtueller Handlungen erkennen und benennen, mit grundlegenden Elementen der Bedienungsoberfläche umgehen und Gefahren erkennen können sowie wissen, dass Inhalte digitaler Medien mit einfachen Mitteln veränderbar sind.

Auf Stufe Primarschule müssen Schülerinnen und Schüler noch kein persönliches Arbeitsgerät erhalten. «Wir gehen heute von einem Gerät für zwei Kinder aus», hält das Konzept fest. «Mit den generell an der Schule vorhandenen Geräten kann jedoch auch gezielt für einzelne Fächer auf ein Gerät pro Kind gewechselt werden.» Den Schülerinnen und Schülern ist es nicht erlaubt, eigene Geräte im Schulbetrieb einzusetzen.
(aargauerzeitung.ch)

Weiterführende Infos: Pilotprojekt Chromebook, Abschlussbericht Schule Konolfingen BE (Mai 2016, PDF).

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mitz en place 05.07.2018 16:45
    Highlight Highlight Dass es auch ganz gut ohne Google, Microsoft und Apple geht, zeigt z.B. der Kanton Genf.

    Alle Primar- und Sekundarschule arbeiten seit einiger Zeit flächendeckend nur mit freien Programmen und freien Betriebsystemen.
  • Leider Geil 05.07.2018 15:03
    Highlight Highlight "Es bestehe keine Abhängigkeit zu einem bestimmten Gerätehersteller (...)"
    Erstens haben heute alle Geräte Komponenten weniger HW-Hersteller wie Intel und zweitens ist man mit ChromeOS abhängig von einer Werbefirma (Google), das ist nicht gerade gut.
  • Dadaist 05.07.2018 14:07
    Highlight Highlight Wie gerne ich den Lehrplan 21 miterlebt hätte, aber "leider" habe ich meine Matur dieses Jahr bestanden :/, 😊

    Als ich vor 13 Jahren in die Schule kam, glaubte ich wenn ich mal gross bin werden wir nur noch auf Tablets bzw. Computer schreiben, aber leider bin ich doch viel zu früh geboren.
  • Alex_Steiner 05.07.2018 12:50
    Highlight Highlight "Es muss nicht immer Microsoft oder Apple sein."
    Und dann nehmen sie Google... wow.
  • Madison Pierce 05.07.2018 11:28
    Highlight Highlight Interessant. Es wäre schön, die Kantone würden mal eine Studie über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme verfassen. Aktuell ist jede Schule auf sich alleine gestellt. Das ist unnötiger Aufwand und überfordert kleinere Schulen.

    Dann kauft man entweder iPads (weil die junge Lehrerin diese vom Studium kennt) oder man kauft Notebooks (weil der Schulpflegspräsident zuhause auch Windows hat und das "schon recht ist").

    Richtig evaluiert wird mangels Zeit und Kompetenz selten.

    Deshalb bin ich immer froh um solche Erfahrungsberichte.
  • Alnothur 05.07.2018 10:56
    Highlight Highlight Vom Regen in die Traufe... "Es muss nicht immer Microsoft oder Apple sein", und rennt dann zu Google... Da kann ich nur den Kopf schütteln...
  • Schne 05.07.2018 09:58
    Highlight Highlight BYOD geht, wenn man Raspberry Pi anschaffen lässt. Bei rund 50 Franken ist wohl keine Familie überfordert. Für die genannten Anwendungen reicht der Pi auch völlig aus. Ausserdem müssen die Kinder dann auf ihr eigenes Gerät aufpassen. So geht weniger kaputt, und wenn etwas kaputt geht hat man die Chance mehr über das Gerät zu lernen. Die Kinder an Google, Apple oder Microsoft zu verhökern ist natürlich billiger. Die bieten ja auch praktisch gratis Wohlfühl-Support. Umsonst? Wohl eher nicht.
    • Lukakus 05.07.2018 11:15
      Highlight Highlight Die Schule wollte offensichtlich Laptops. Ein RPi ist zwar sehr mobil aber er hat weder Bildschirm, Lautsprecher, Maus und Tastatur (welche man übrigens auch bezahlen müsste). Ich finde die Idee gut, Raspberry Pi ins Spiel zu bringen, bin aber nicht davon überzeugt, dass ein RPi ein Laptop ersetzen kann.
    • JayPi 05.07.2018 11:58
      Highlight Highlight Der Pi braucht dann aber noch einen Bildschirm, Tastatur und Maus. Beim Laptop ist alles integriert und kann ohne Probleme überall hingetragen werden.
    • Schne 05.07.2018 13:28
      Highlight Highlight Klar, da hast du dann als Schule alle Möglichkeiten z.B. ein Computerzimmer mit fixen Bildschirmen, Tastatur & Maus, Touchscreens zum Ausleihen usw.
      Das setzt halt etwas Informatikkompetenz bei den Lehrpersonen voraus, würde aber das Verständnis für Computer sehr viel besser fördern als jeder Laptop/Chromebook. Ist mir sowieso schleierhaft wie die Schulen das Gefühl haben Informatikkompetenz stelle sich dann schon irgendwie automatisch ein, wenn man den Kindern nur Geräte hinstellt. Da muss man doch die Lehrpersonen zuerst schulen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 05.07.2018 09:44
    Highlight Highlight Im Fach Medien und Informatik ist die verwendete Hard- und Software absolut zweitrangig. Es ist bezeichnend, dass über die verwendete Hardware und Software ein Bericht erscheint, nicht aber über innovative Inhalte des Faches.
    • beeage 05.07.2018 12:13
      Highlight Highlight Natürlich sind innovative Inhalte enorm wichtig, aber wenn das Werkzeug fehlt oder nicht funktioniert, wird es schwer und zu abstrakt und theoretisch. Zudem geht es ja um die Grundkompetenz, die gelehrt wird, und da sind funktionierende Geräte die Grundvoraussetzung. Trotz meiner Grundbedenken Google gegenüber finde ich, dass die Schule das hervorragend angegangen ist und auch das Thema Google nüchtern thematisiert. Auch das müssen die Kinder lernen.
    • Schne 05.07.2018 13:41
      Highlight Highlight Also ich hab damals als Kind Informatikkompetenzen erworben, weil die Geräte damals eben nicht einfach funktionierten. Stelle auch heute bei der jüngeren Generation fest, dass viele bei nicht funktionierenden Geräten/Software total überfordert reagieren und nicht mal nach Lösungen googeln können.
    • beat rueedi 06.07.2018 09:13
      Highlight Highlight genau. darum http://cloud.lernenunterwegs.ch
  • giandalf the grey 05.07.2018 09:11
    Highlight Highlight WhatsApp ist an Schulen ein riesiges Problem, aber ein browserbasiertes OS von Google soll datenschutztechnisch genügen? Da habe ich irgendwie meine Zweifel...
    • beeage 05.07.2018 12:14
      Highlight Highlight Man kann nun aber auch fragen, ob Whatsapp zu verteufeln der richtige Ansatz ist... Da finde ich die Schule wesentlich näher an unserer heutigen Realität.

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