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Nur einer von hundert Schweizern bevorzugt das Bezahlen mit dem Handy an der Kasse.
Nur einer von hundert Schweizern bevorzugt das Bezahlen mit dem Handy an der Kasse.
Bild: Twint

Darum bezahlt (fast) niemand mit dem Smartphone an der Kasse

Twint, Apple Pay und Samsung Pay werden an den Ladenkassen weiterhin kaum genutzt – und dafür gibt es gleich mehrere Gründe.
05.03.2018, 10:0806.03.2018, 09:18

Trotz fortschreitender Digitalisierung: Nur wenige Schweizerinnen und Schweizer bezahlen per Smartphone. Das zeigt eine Umfrage des Internet-Vergleichsdienstes Comparis, welche am Montag publiziert wurde.

Nur 1,2 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an, das Handy als Zahlungsmittel zu bevorzugen. Knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer nutzen das Zahlen per Handy überhaupt nie. Das Bezahlen mit dem Handy wird von den Schweizer Banken (Twint) sowie Techkonzernen wie Apple, Samsung oder Google immer wieder mit aufwändigen Werbekampagnen propagiert – bislang ohne nennenswerten Erfolg.

In Skandinavien hat sich das Bezahlen mit dem Handy längst etabliert, nicht so bei uns.
In Skandinavien hat sich das Bezahlen mit dem Handy längst etabliert, nicht so bei uns.
tabelle: comparis

«Die Bezahlung mit dem Smartphone erscheint vielen Nutzern kompliziert, wozu die drei untereinander inkompatiblen Systeme Apple Pay, Twint und Samsung Pay in der Schweiz massgeblich beitragen», wird Jean-Claude Frick, Telecom-Experte bei Comparis.ch, in der Mitteilung zur Umfrage zitiert. Klarer Marktführer bei den mobilen Bezahldiensten in der Schweiz ist Twint, das für Android und iOS verfügbar ist und von grossen Online-Shops wie Digitec unterstützt wird. Der andere grosse Vorteil: Im Gegensatz zu Samsung Pay und Apple Pay ist Twint direkt an das Bankkonto des Nutzers gekoppelt, man braucht also keine Kreditkarte.

Mehr Erfolg als an der Ladenkasse könnten Twint und Co. beim Onlineshopping oder beim Transferieren von kleineren Beträgen unter Freunden und Kollegen haben – beispielsweise um nach einem gemeinsamen Restaurantbesuch die Rechnung aufzuteilen.

Beliebt bleibt das Zahlen mit Karte

Fast die Hälfte der Befragten denken nicht, dass Bezahlen mit dem Handy Kartenzahlungen ablösen wird. Bei Kreditkarten ist das kontaktlose Bezahlen bereits Standard und inzwischen unterstützen auch die in der Schweiz viel beliebteren Maestro-Karten kontaktloses Bezahlen. Kartenherausgeber testen zudem Karten, die mit einem Fingerabdruckscanner ausgestattet sind. So könnten Nutzer wie beim Smartphone Zahlungen über 40 Franken schnell autorisieren.

Frauen bevorzugen Bargeld und Debitkarten, Männer Bargeld und Kreditkarten.
Frauen bevorzugen Bargeld und Debitkarten, Männer Bargeld und Kreditkarten.
tabelle: comparis

Allerdings zeigt sich eine Kluft zwischen der deutschen und der lateinischen Schweiz: 44,7 Prozent der Romands und sogar 66,4 Prozent der Italienischsprachigen glauben, dass das Handy dereinst Kredit- und Debitkarten ersetzen wird. Von den Deutschschweizern glauben dies jedoch nur 34 Prozent.

Früher oder später wird das Smartphone wohl die Karte ablösen, aber es wird ein langer Weg.
Früher oder später wird das Smartphone wohl die Karte ablösen, aber es wird ein langer Weg.
tabelle: comparis

Im vergangenen Jahr seien über eine Milliarde Transaktionen mit Kredit- oder Debitkarten getätigt worden – das sei Rekord, schreibt Comparis.ch. 17 Millionen Kredit- und Debitkarten seien in der Schweiz in Umlauf. Comparis.ch beruft sich dabei auf Informationen der Schweizerischen Nationalbank.

Apple und Twint blockieren sich gegenseitig

Apples und Samsungs Problem: Sie müssen den Umweg über die in der Schweiz an den Ladenkassen nur wenig genutzten Kreditkarten gehen. Apple Pay und Samsung Pay sind hierzulande (und teils auch in anderen Ländern) aber nur mit wenigen Kreditkarten kompatibel. Die Schweizer Banken wollen so ihrer Bezahl-App einen Vorsprung verschaffen. Im Gegenzug verweigert Apple Rivalen wie Twint bis anhin den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle des iPhones, die das schnelle und bequeme Bezahlen erlauben würde. Nur dem eigenen Bezahldienst Apple Pay wird die Kommunikation via Near Field Communication (NFC) erlaubt. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hat daher bereits Mitte 2016 Klage bei der Wettbewerbskommission (Weko) eingereicht. Auch in anderen Ländern steht Apple wegen seiner Blockadepolitik in der Kritik.

Für den Fall, dass Apple die NFC-Schnittstelle auf den iPhones dereinst für andere Bezahldienste freigeben sollte, wäre die Twint-App gerüstet. Sie wird technologieoffen konzipiert und funktioniert neben Bluetooth und QR-Codes auch mit NFC.

Vorerst müssen aber auch Android-Nutzer auf das Bezahlen mit Twint über NFC verzichten, weil man offenbar nicht zwei verschiedene Systeme für Android und iOS entwickeln und unterhalten will. Dies lässt vermuten, dass für Twint das Bezahlen an der Kasse nicht zwingend im Fokus steht. Twint an sich ist keine App, sondern ein elektronisches Bezahlsystem ähnlich wie PayPal, das die Schweizer Banken im elektronischen Handel etablieren wollen. 

(oli/sda)

So manipulieren Karten unser Kaufverhalten

Video: srf
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