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Immer mehr TV-Sender wollen eigene Streaming-Dienste etablieren.
Immer mehr TV-Sender wollen eigene Streaming-Dienste etablieren.
Bild: keystone

Jetzt wollen auch TV-Sender auf Netflix machen: Mit wenig Aussicht auf Erfolg

Immer mehr Streaming-Dienste buhlen um die Gunst des Publikums. Nun steigen auch Fernsehsender ins Geschäft ein. Dabei dürften nur die wenigsten erfolgreich sein, warnt ein Fachmann.
23.05.2021, 06:05
Stefan Ehrbar / ch media

HBO: Diese drei Buchstaben lösen bei Serienfans ein wohliges Schauern aus. Mit «Sex And The City» läutete das US-Netzwerk vor über 20 Jahren ein neues Serien-Zeitalter ein. Produktionen wie «The Wire», «The Sopranos» oder «Game of Thrones» entwickelten sich zum Überhit. Nun steht der Anbieter im Zentrum eines milliardenschweren Deals in den USA. Der Telekom-Riese AT&T spaltet sein Hollywood-Studio Warner Bros ab, zu dem HBO gehört, und legt es mit dem TV-Konzern Discovery zusammen. Das wurde am Montag bekannt.

Damit soll einer der weltgrössten Streaming-Anbieter entstehen. An der Technik scheitern solche Vorhaben längst nicht mehr. Entscheidend ist, Inhalte anbieten zu können, für die Nutzer zu zahlen bereit sind. Der Kampf wird immer heftiger geführt. Schon einen Tag später platzte die nächste Bombe: Amazon will offenbar für 9 Milliarden US-Dollar das Hollywood-Studio MGM übernehmen - und käme damit in Besitz von 4000 Filmen für den eigenen Streamingdienst Prime Video, etwa jene der «James Bond»-Reihe.

TV-Sender suchen im Streaming die Grösse

Die Konkurrenz ist mittlerweile fast unüberschaubar. Schweizer Kunden können auswählen zwischen den Streamingdiensten von Netflix, Disney, Amazon, Sky und Apple. Als wäre das nicht genug, lancieren auch Fernsehsender eigene Plattformen. In Frankreich soll die zum Mischkonzern Bouygues gehörende Sendergruppe TF1 mit M6, einem TV-Netzwerk der RTL-Gruppe, zusammengelegt werden. Auch das wurde diese Woche bekannt. Das Kalkül: Der neue Konzern soll so gross werden und über so viele eigene Inhalte verfügen, dass er im Heimmarkt mit einem Streaming-Dienst gegen die übermächtige US-Konkurrenz bestehen kann.

Ähnliche Pläne hegt die italienische Mediaset. Sie will die deutsche ProSiebenSat.1-Gruppe übernehmen, deren Sender auch in der Schweiz beliebt sind. Die Logik dahinter erklärte Mediaset-Finanzchef Marco Giordani in einem Interview mit dem «Spiegel» schon vor einem Jahr: Der Betrieb von Streamingdiensten ist teuer. Mit einer Plattform, die in mehreren Ländern genutzt werden kann, können Kosten gespart werden. «Amazon und Netflix betreiben das global und erfolgreich. Wenn wir dagegen bestehen wollen, geht es nur gemeinsam», sagte Giordani.

Fernsehsender haben Ass im Ärmel

Mit einer Konsolidierung soll die Position der Fernsehsender verbessert werden: «Wenn Mediaset Italia heute beim Fernsehhersteller Samsung ankommt und fragt, ob unser Streamingdienst nicht einen eigenen Button auf der Fernbedienung haben kann wie Amazon oder Netflix, ist das einfach nur lächerlich», sagt Giordani.

«Natürlich bekommen wir keinen. Wenn wir als europäischer TV-Konzern mit Millionen Nutzern anfragen, sieht die Sache anders aus.»

Die Streaming-Welle erfasst nun auch die Schweiz. Der grösste Anbieter von Fernsehinhalten, die SRG, versucht mit ihrem letztes Jahr lancierten Portal Play Suisse einen Teil des Kuchens abzuschneiden. Auch die hinter diesem Portal stehende CH Media mit Sendern wie 3+ oder TV24 lanciert Ende Jahr eine Streaming-Plattform namens «oneplus».

«Der Medienmarkt ist sowohl national als auch international in grosser Bewegung», sagt SRG-Sprecher Edi Estermann. «Die aktuell diskutierten Fusionen etwa von TF1 und M6 oder auch die Mediaset-Strategie in Deutschland sind erst der Anfang. Dabei ist der Ausbau des Streaminggeschäfts jeweils ein strategisches Kernthema.»

Alte Produktionen sind beliebt

Der Aufbau eigener Portale und die Fusion zu grösseren Angeboten werde zunehmend auch den Schweizer Markt beeinflussen, sagt Estermann. Einerseits werde sich die Konkurrenzsituation weiter verschärfen. Die Fragen, die sich stellen, sind: Wer kriegt die Aufmerksamkeit der Nutzer? Wer kann sich die Rechte für beliebte Inhalte sichern? Wer bietet die nutzerfreundlichste Oberfläche? Andererseits würden auch mehr Gelder in digitale Werbeformen fliessen, betont Estermann.

Der Streamingmarkt sei eine grosse Chance für die SRG. «Unser vielfältiger Katalog an Schweizer Dokumentationen, Serien und Filmen ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal». Tatsächlich haben die Fernsehsender damit ein Ass im Ärmel. Zwar investieren die Streaming-Anbieter grosse Summen in eigene Produktionen. Doch viele Nutzer stehen noch immer auf altbekannte, populäre Inhalte.

Die Rechtesituation ist paradox

Daran kommen auch Streamingdienste nicht vorbei. Um die Serie «Friends» zeigen zu dürfen, die ursprünglich ab 1994 beim US-Fernsehsender NBC lief, bezahlt Netflix 100 Millionen US-Dollar jährlich. Eine ähnliche Summe drückte der Streamingdienst ab, um die ebenfalls für NBC entwickelte Kultserie «The Office» anbieten zu können. Mittlerweile musste Netflix die Serie wieder abgeben: NBC lancierte seinen eigenen Streamingdienst «Peacock», vorerst allerdings nur in den USA.

Das ist auch der Grund, warum Schweizer Kunden nach wie vor «The Office» schauen können - nämlich beim Streamingdienst von Amazon. Die Inhalte von HBO wiederum, die das Netzwerk in den USA exklusiv auf dem Streamingdienst «HBO Max» vertreibt, wurden hierzulande grösstenteils an Sky verkauft, und zwar bis 2025. Deshalb wird «HBO Max» vorerst auch nicht in Europa lanciert.

Wer blickt da noch durch? Wer hat die Zeit, das Geld und die Geduld, sich durch die Streaming-Angebote und ihre Kataloge zu klicken, um den richtigen für sich zu finden oder gleich mehrere zu abonnieren?

Dass es möglicherweise etwas zu viel wird, hat selbst Disney erkannt. Statt einen neuen Streamingdienst mit Inhalten für ein erwachsenes Publikum zu starten, wie es der Konzern in den USA mit «Hulu» getan hat, integriert Disney diese Inhalte hierzulande unter dem Namen «Star» in Disney+ - natürlich verbunden mit einer Preiserhöhung. Das konnte allerdings nicht verhindern, dass der Dienst zuletzt nur noch wenige neue Abonnenten begrüssen konnte und ihm nun bereits ein «Wachstumsproblem» attestiert wird.

Nicht alle werden überleben

Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Vergleichsdienst moneyland.ch, sagt: Diese Kakofonie wird nicht ewig Bestand haben. «Unsere Umfrage zur Nutzung von Videostreaming-Diensten in der Schweiz zeigt klar, dass nur vergleichsweise wenige Kunden für mehrere Dienste bezahlen wollen», sagt er. In der Schweiz dominiere Netflix den Markt der klassischen Streamingdienste. «Es wäre sehr überraschend, wenn sich das ändern würde. Disney+ hat meines Erachtens Chancen als bedeutend kleinere Nummer 2. Allen anderen bleiben nur Brosamen übrig.»

Denkbar sei, dass sich Anbieter neue Strategien überlegten - etwa, dass sich Kunden eine Serie kaufen und die Staffel dann lebenslang ansehen könnten, oder ein werbefinanzierter Streamingdienst. «Ebenso ist absehbar, dass es irgendwann zu einer Konsolidierung kommen wird», sagt Beyeler. «Es kann natürlich immer sein, dass ein Anbieter einen Strassenfeger lanciert und so viele Kunden gewinnen kann», sagt er. «Ich gehe aber davon aus, dass die Zeit der Strassenfeger vorbei ist.» (bzbasel.ch)

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