Digital
Wissen

Internetzugang lässt uns unserem Wissen weniger vertrauen

Weniger Selbstvertrauen: Im Zweifelsfall fragen wir schnell bei Google nach.
Weniger Selbstvertrauen: Im Zweifelsfall fragen wir schnell bei Google nach.
Bild: Shutterstock

Wir vertrauen unserem eigenen Wissen weniger, wenn wir googeln können

12.12.2015, 12:02
Mehr «Digital»

Wer tut es nicht? Etwas googeln, obwohl man es eigentlich schon weiss. Es scheint, als würde uns die Möglichkeit, etwas schnell im Internet nachzuschlagen, gewissermassen dümmer machen. Man denkt an das Schlagwort von der «Digitalen Demenz», das der Psychiater und Buchautor Manfred Spitzer vor ein paar Jahren populär machte. 

«Durch das omnipräsente Internet sind wir beinahe ständig mit riesigen Informationsbeständen verbunden. Und wenn sich diese Daten in Reichweite befinden, scheinen die Leute weniger auf ihre eigenen Kenntnisse zu vertrauen.»
Evan Risko, Psychologe

Spitzer ist wegen seiner – sagen wir mal: überspitzten – These zu Recht kritisiert worden. Doch eine kanadische Studie zeigt nun, dass Menschen weniger auf ihr vorhandenes Wissen vertrauen, wenn sie Zugang zum Internet haben. 

Experiment mit 100 Testpersonen

Die Forscher um den Psychologen Evan Risko von der Universität von Waterloo (Ontario) führten ein Experiment an 100 Versuchspersonen durch: Sie stellten ihnen Wissensfragen, beispielsweise nach der Hauptstadt von Frankreich. Darauf mussten die Probanden angeben, ob sie die Antwort kennen. Falls nicht, durften sie im Internet danach suchen. In einem zweiten Durchgang wurden die Testpersonen erneut befragt, doch diesmal durften sie das Internet nicht nutzen. 

Wie heisst sie schon wieder, die französische Hauptstadt?
Wie heisst sie schon wieder, die französische Hauptstadt?
Bild: AP

Hatten die Probanden Zugang zum Internet, gaben sie um fünf Prozent häufiger an, dass sie die Antwort auf eine Frage nicht wussten. «Durch das omnipräsente Internet sind wir beinahe ständig mit riesigen Informationsbeständen verbunden», sagt Professor Risko. «Und wenn sich diese Daten in Reichweite befinden, scheinen die Leute weniger auf ihre eigenen Kenntnisse zu vertrauen.» 

«Wir hoffen, diese Studie trägt zu unserem wachsenden Verständnis bei, wie der einfache Zugang zu enormen Informationsmengen unser Denken und Handeln beeinflusst.»
Evan Risko

Irrtümer weniger akzeptabel

Die Forscher vermuten, dass der Zugang zum Internet dafür sorgt, dass es weniger akzeptabel ist, wenn man behauptet, man wisse etwas, dann aber falsch liegt. Eine andere Möglichkeit ist, dass Leute, die etwas im Internet suchen können, sich weniger auf ihre Kenntnisse verlassen, weil sie die zuerst online bestätigen wollen – und zudem den Vorgang des Suchens und Findens im Web als angenehm erfahren. 

«Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass der Umstand, ob wir Zugang zum Internet haben oder nicht, einen Einfluss darauf hat, wie wir einschätzen, ob wir etwas wissen oder nicht», sagt Risko. «Wir hoffen, diese Studie trägt zu unserem wachsenden Verständnis bei, wie der einfache Zugang zu enormen Informationsmengen unser Denken und Handeln beeinflusst.» (dhr)

Passend dazu: 20 Tipps zur Google Suche

«Googeln wie ein Profi.»
YouTube/neuland.tips
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4
Suizidkapsel kommt in der Schweiz bald erstmals zum Einsatz

Die Schweizer Suizidkapsel «Sarco» sorgte vor knapp drei Jahren international für Schlagzeilen. Nun steht die Kapsel vor ihrer Premiere: Wie die «NZZ» berichtet, soll im Juli zum ersten Mal ein Patient durch «Sarco» freiwillig sterben. Die Person, die sich dazu entschieden hat, sei bereits in die Schweiz eingereist, heisst es. Die Webseite von Exit Switzerland – der Firma, welche die Kapsel entwickelte – kündigte den ersten Einsatz mit den Worten «Coming soon» und einem Bild der Suizidkapsel an.

Zur Story