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me vs Afghan woman: Netz-Aktion beleuchtet Lage in Afghanistan

Das steckt hinter dem Social-Media-Trend «me vs Afghan woman»

Nutzerinnen sozialer Netzwerke versuchen, auf das schwere Schicksal von Frauen in Afghanistan aufmerksam zu machen: Sie veröffentlichen dabei Bilder, die ihr eigenes Leben mit dem von Afghaninnen kontrastieren.
16.07.2026, 04:1716.07.2026, 05:32

«ich hab kein bock auf Schule oder Arbeit», heisst es etwa bei TikTok vor dem Hintergrund eines lächelnden Mädchens in sommerlichem Kleid. Einmal mit dem Finger wischen, dann steht da vor dem Hintergrund einer Frau in blauer Verschleierung: «du darfst in die Schule oder Arbeit?»

Grösse des Social Media Trends schwer einzuschätzen

Seit fast fünf Jahren herrschen die islamistischen Taliban wieder in Afghanistan. Mit Gesetzen und Erlassen beschränken sie seither die Rechte von Frauen und Mädchen.

In Netzwerken wie TikTok und Instagram verbreiten sich häufig Trends, bei denen Nutzer Beiträge in ähnlichen Formaten veröffentlichen, jedoch den Inhalt jeweils leicht abändern. Dabei sind die Trends in der Regel nicht zentral gesteuert – User springen schlicht auf vorherige Posts auf.

Wie gross der sogenannte «me vs Afghan woman»-Trend ist, ist schwer einzuschätzen, besonders reichweitenstarke Accounts halten sich bisher zurück. Aber mittlerweile kursieren nicht nur die Beiträge selbst, sondern auch Videos, in denen mit Kritik sowie Fürsprache auf die Posts reagiert wird.

@annika.theresa.h Today I had the rare opportunity to try on a burqa and try to understand the reality many Afghan women live every day. As a tourist I'm still in a very privileged position to be able to just try on the burqa instead of having to wear it every day. The burqa is heavy, and because a headscarf is worn underneath, it gets quite warm. Surprisingly, you can still see relatively well through the mesh screen in front of the eyes. But what stays with me most is not the fabric itself, it is what the burqa represents. What you see in the media is true, but it is still far from the whole story. There are many nuances to what women currently wear in Afghanistan. You will see different styles of hijabs, dresses, abayas and burqas, including different shades of blue burqas depending on the region, traditions and level of conservatism. The blue burqa is more commonly seen in rural areas and conservative provinces such as Kandahar. These areas are generally more conservative and under stronger Taliban influence, which creates more pressure and fear for women to fully cover themselves. In Kabul, the situation can look different. Some women wear only a loose headscarf, while others still choose or feel pressured to wear the burqa. The burqa itself existed in Afghanistan long before the Taliban, especially in conservative rural communities. But during the Taliban’s first rule in the 1990s, strict dress codes were enforced on women across the country, making full-body coverings far more widespread and often mandatory in public. Before decades of war and extremism, Afghanistan looked very different. In cities like Kabul, women studied at universities, worked as doctors and teachers, and wore skirts, dresses or simple headscarves freely. For many women today, the burqa is no longer just clothing. It is about fear, pressure and survival. Behind the blue fabric are women whose voices, dreams and freedoms are slowly being erased from public life. • • #afghanistan #afghanistantravel #solofemaletraveler #solotravel #afghanistan🇦🇫 ♬ original sound - Anni 🩷✈️

Rechte von Frauen und Mädchen «massiv eingeschränkt»

Christina Ihle vom Afghanischen Frauenverein mit Sitz in Hamburg befürwortet die Aktion, um Aufmerksamkeit für die Lage im Land zu schaffen: «Die Rechte von Mädchen und Frauen in Afghanistan sind seit 2021 mit weit mehr als 100 Erlassen massiv eingeschränkt». Es gebe unter anderem keinen Schulbesuch mehr nach der sechsten Grundschulklasse und strenge Überwachung von Kleiderordnungen.

Erst vor einem Monat hatten Taliban-Sittenwächter in der westafghanischen Stadt Herat Dutzende Frauen wegen angeblicher Verstösse gegen Kleiderregeln festgenommen und eine Demonstration dagegen brutal niedergeschlagen. Dabei wurden nach UN-Angaben mindestens zwei Menschen – darunter ein Kind – getötet.

Social-Media-Kampagne schafft Betroffenheit

Ein Post bei Instagram zeigt eine Userin im Bikini auf einer Luftmatratze in einem Pool. Darauf steht auf Englisch: «Ich habe Angst, dass ich von der Sonne zu braun werde.» Darunter ist ein Foto montiert, das Frauen in Burka zeigt. Es trägt die Aufschrift: «Bist du frei, die Sonne zu fühlen?»

Für Christina Ihle schaffen die Beiträge Nahbarkeit und wecken beim Publikum in erster Linie Betroffenheit. «Aber bekanntlich ist Betroffenheit ja der erste Schritt zum Wunsch, eine Situation zu verändern, zu helfen oder zumindest dazu beizutragen», sagt Ihle.

Ihle lobt auch, dass die Beiträge faktisch gut recherchiert, wenn auch zugespitzt seien: «Sie zeigen zum Beispiel oft ausschliesslich Frauen in Burka, während viele Frauen in Afghanistan auch nur Tuch und Corona-Maske tragen, um die Kleidervorschriften zu erfüllen. Dennoch: Fake, falsch oder realitätsverfälschend sind die genutzten Bilder meist nicht.»

Andere Nutzerinnen in den sozialen Medien kritisieren die Aktion: So sagt eine Frau in einem Video, sie begrüsse zwar, dass Aufmerksamkeit geschaffen werde. Aber gehe es jenen, die die Posts veröffentlichen, wirklich um die Veränderung der Situation von Frauen in Afghanistan oder eigentlich darum, mehr Likes zu kassieren, indem sie auf einen Trend aufspringen? Denn etwa finanziell erhielten Frauen in Afghanistan keine Vorteile aus der Aktion. (sda/dpa)

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103 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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001243.3e08972a@apple
16.07.2026 06:19registriert Juli 2024
Kann man alles aus den religiösen Schriften lesen, also gebt allen religiösen Schriften absoluten keinen Raum in den Regeln für unseres Zusammenleben.
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Sonichu
16.07.2026 08:14registriert Dezember 2022
In Hamburg und Berlin wird darüber diskutiert, separate Wagen für Frauen und queere Personen in Ubahnen und Zügen einzuführen, weil die Zahl der Übergriffe so rasant wächst. Mit der Politik der letzten Jahre sind wir afghanischen Verhältnissen leider näher gekommen.
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Lena01
16.07.2026 10:21registriert März 2026
Während Frauen in Afghanistan systematisch entrechtet werden, verteidigt die SP hierzulande das Kopftuch als Ausdruck von Freiheit.

Dieser Widerspruch ist kaum aufzulösen – insbesondere dann, wenn ausgerechnet westliche Parteien ein Symbol fördern, das in vielen Teilen der Welt für Unterdrückung steht.

Damit liefern sie islamistischen Ideologien eine willkommene Legitimation: Wenn selbst Europa das Kopftuch propagiert, warum sollten sie dann davor zurückschrecken, bereits Mädchen dazu zu verpflichten – angeblich zu ihrem „Schutz“?
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