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Afghanistan: Vater verkauft aus Hunger Kinder, um zu überleben

Afghanische Väter verkaufen Töchter, um zu überleben

Die Lage in Afghanistan ist für viele Menschen prekär. So prekär, dass Väter ihre Kinder verkaufen, um ihr Überleben und das ihrer Familie zu sichern.
19.05.2026, 13:5419.05.2026, 13:54

Laut UN können in Afghanistan aktuell drei von vier Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht decken. Weit verbreitete Arbeitslosigkeit führt zu Hunger, das Gesundheitssystem ist stark geschwächt und internationale Hilfe kaum noch vorhanden. Schätzungsweise 4,7 Millionen Menschen – mehr als ein Zehntel der afghanischen Bevölkerung – stehen kurz vor einer Hungersnot. In der Provinz Ghor ist die Situation derzeit am prekärsten, berichtet die BBC in einer Reportage.

Die Männer in Ghor warten tage-, teilweise wochenlang auf Arbeit, um ihre Familie versorgen zu können. Der Afghane Juma Khan erzählt der BBC, dass er in den vergangenen sechs Wochen nur drei Tage Arbeit gefunden habe. Er lebe in der ständigen Angst, dass seine Kinder verhungern könnten. Viele Männer teilen sein Schicksal.

In manchen Fällen führt die Verzweiflung so weit, dass Väter einen drastischen Schritt in Erwägung ziehen. So erzählt Abdul Rashid Azimi der BBC, dass er seine Zwillinge Roqia und Rohila verkaufen will. «Ich bin bereit, meine Töchter zu verkaufen», sagt er unter Tränen. «Ich bin arm, verschuldet und hilflos.» Die 7-jährigen Zwillinge zu verkaufen sei der einzige Weg, seine anderen Kinder zu ernähren.

Ein anderer Vater, Saeed Ahmad, hat seine 5-jährige Tochter bereits verkauft, berichtet BBC. Er habe sich zu diesem Schritt gezwungen gesehen, nachdem sie eine Blinddarmentzündung und eine Zyste in der Leber bekommen hatte. «Ich hatte kein Geld, um die medizinischen Kosten zu bezahlen. Also habe ich meine Tochter an einen Verwandten verkauft», erzählt Saeed gegenüber der BBC.

Die Operation seiner Tochter sei erfolgreich verlaufen. «Hätte ich damals die gesamte Summe genommen, hätte er sie mitgenommen. Deshalb sagte ich ihm, er solle mir jetzt nur genug für ihre Behandlung geben, und in den nächsten fünf Jahren könne er mir den Rest geben, danach könne er sie mitnehmen», erklärt Saeed der BBC weiter. In fünf Jahren müsse seine Tochter somit zu Verwandten ziehen. Das Übel habe er für die Gesundheit seiner Tochter in Kauf genommen.

Die massiven Kürzungen der Entwicklungshilfe haben die Lebensbedingungen in Afghanistan in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Die USA, früher der grösste Geber für Afghanistan, haben ihre Hilfe im letzten Jahr fast vollständig eingestellt. Auch weitere wichtige Geber haben ihre Beiträge deutlich reduziert. Aktuelle UN-Zahlen zeigen laut BBC, dass die bisher in diesem Jahr erhaltene Hilfe um 70 Prozent niedriger ist als im Jahr 2025. Ein grosser Teil der Bevölkerung erhält somit keine Unterstützung mehr. Verschärft wird die Situation durch eine zunehmende Dürre.

Die Situation in Afghanistan
Seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 steckt Afghanistan in einer schweren humanitären und wirtschaftlichen Krise. Wegen massiver Menschenrechtsverletzungen, insbesondere gegenüber Frauen und Mädchen, ist die Taliban-Regierung international isoliert. Viele Geberstaaten haben ihre Unterstützung reduziert oder eingestellt. Zusätzlich kommt es immer wieder zu bewaffneten Konflikten mit dem Nachbarland Pakistan entlang der Grenze.
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Bild: iMAGO / Xinhua

(hkl)

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