Trumps kolossales Scheitern: Das ist der entscheidende Fehler des US-Präsidenten
Fürs Schachspielen ist Donald Trump nicht bekannt. Trotzdem bemühte er am Sonntag folgenden Vergleich: Die Verhandlungen mit dem Iran über die Wiedereröffnung der Strasse von Hormus seien «wie eine Schachpartie». Es werde sich schon regeln, fügte er an. «Es regelt sich immer.»
Trump mag Sportvergleiche. Schach führt er allerdings selten ins Feld. Verwundern mag das kaum: Das Spiel erfordert Geduld und strategisches Denken. Qualitäten, die der US-Präsident zumindest im Nahen Osten bislang nicht an den Tag legte.
Der Angriff auf den Iran war vielmehr das Gegenteil: impulsiv und weitgehend ohne Strategie. Mehrfach wechselte Trump die Begründung und die Kriegsziele. So nachvollziehbar die Absicht war, der drangsalierten Bevölkerung zu helfen und Irans Atom- und Raketenprogramm militärisch zu schwächen, so planlos steht Trump heute vor der Frage, wie der Krieg enden soll.
Bislang setzte er auf Härte: Drohungen gefolgt von Bomben. Gefruchtet hat das kaum. Zwar zerstörten die Amerikaner einen grossen Teil des iranischen Raketenarsenals mit Luftschlägen. Vieles davon haben die Iraner inzwischen jedoch wieder aufgebaut. Laut Beobachtern steht das Regime heute stärker da als vor dem Krieg. Und mit der Strasse von Hormus halten die Revolutionsgarden in Teheran ein Druckmittel in der Hand, das manche Experten für wirksamer halten als eine eigene Atombombe.
Auf jede Beteuerung Trumps, dass die Iraner klein beigeben und ein Deal praktisch schon eingetütet sei, folgt umgehend das Dementi. Am Wochenende verschärfte Teheran seine Position noch einmal: Forderungen, die bislang Teil eines endgültigen Friedensabkommens sein sollten, macht das Regime nun teilweise zur Voraussetzung für die Hormus-Öffnung. Ferner sollen die Amerikaner vollständig aus der Region abziehen.
Spätestens diese Reaktion der Iraner zeigt, dass ihnen mit Druck allein nicht beizukommen ist. Das musste inzwischen selbst der US-Präsident einsehen. Darum wechselt er offenbar die Taktik: Nun will er also Schach spielen. Die Rhetorik wird leiser. Zum US-Portal «Axios» sagte Trump am Wochenende, man werde die Sache «low key» angehen und nur noch «halb verhandeln».
Dahinter steht die Hoffnung, dass die katastrophale Wirtschaftslage im Iran das Regime früher oder später in die Knie zwingt. «Wir beobachten einfach, wie Iran mit seiner riesigen Inflation dasteht und kein Geld hat», so Trump. Die Seeblockade der iranischen Häfen führe bereits dazu, dass Teheran seine eigenen Soldaten nicht mehr bezahlen könne.
Zu befürchten ist, dass auch dieser Zug nicht gerade grossmeisterlich durchdacht ist. Glaubt man dem wohl namhaftesten israelischen Iran-Kenner Danny Citrinowicz, taugt der wirtschaftliche Druck allein nicht, um die Mullahs schachmatt zu setzen. Teheran werde so kaum kapitulieren oder zu einem Abrücken vom Anspruch auf die Kontrolle der Strasse von Hormus gezwungen, bilanziert er.
Klar ist inzwischen eines: Der Krieg gegen den Iran sollte mit wenigen Zügen zu Ende sein. Nun wird er zur echten Hängepartie. Irans Aussenamtssprecher Ismail Baghai reagierte entsprechend trocken auf Trumps Vergleich. Die Iraner, sagte er, hätten bewiesen, dass sie professionelle Schachspieler seien.
Auch der Gaza-Deal rückt in weite Ferne
Nicht besser sieht es in Gaza aus. Am Wochenende erteilte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu Trumps Friedensplan eine deutliche Absage.
Anfang Jahr hatte Trump mit der Schaffung seines Friedensrats («Board of Peace») einen Prozess angestossen, der die Kämpfe endgültig beenden und den Wiederaufbau Gazas gewährleisten sollte. Ende Juli legte das Gremium dafür einen neuen 15-Punkte-Fahrplan vor.
Die israelische Armee sollte im Zuge dessen aus Gaza abziehen und die Hamas ihre Waffen abgeben. Israel reicht das nicht: Netanyahu fordert die vollständige Entwaffnung der Hamas, bevor auch nur ein weiterer israelischer Soldat abzieht.
Netanyahu sieht die einmalige Gelegenheit, die Hamas endgültig zu vernichten. Durch den Friedensplan sieht er dieses Ziel offenbar gefährdet. «Die israelische Armee wird keinerlei Abzug vollziehen, bis die Hamas entwaffnet ist», so Netanyahu. Die Hamas denkt derweil gar nicht daran, ernsthafte Zugeständnisse zu machen.
Trump erliegt der immergleichen Fehleinschätzung: In seiner Welt legen sämtliche Konfliktparteien sofort die Waffen nieder, wenn Geschäfte mit den USA und das grosse Geld winken. So hat es Trump bereits in Russland versucht – und sich an den imperialistischen Plänen Wladimir Putins die Zähne ausgebissen. Im Iran unterschätzt er die Durchhaltefähigkeit des Regimes. Und in Gaza gibt es zwischen Netanyahu und der Hamas, die nicht ruhen wird, bis Israel vernichtet ist, keinerlei gemeinsame Basis.
In beiden Krisenherden, sowohl im Iran als auch in Gaza, war Trumps Eröffnung spektakulär. Im Endspiel manövriert er sich immer tiefer in die Sackgasse. (schweizheute.ch)

