International
Analyse

Wahlen in Schweden: 3 Gründe, warum die Rechtspopulisten verloren haben

NYK÷PING, SVERIGE 20260907 Sverigedemokraternas partiledare Jimmie Akesson SD presenterar partiets valmanifest fˆr 2026 pa Stora torget i Nykˆping. NYK÷PING SVERIGE x10658x *** NYK÷PING, SWEDEN 202609 ...
SD-Chef Jimmie Akesson: Seine Partei musste Stimmen einbüssen. Bild: www.imago-images.de
Analyse

3 Gründe, warum Schwedens Rechtspopulisten verloren haben

Am Sonntag haben die Schwedinnen und Schweden ein neues Parlament gewählt. Die rechtspopulistische SD geht als Verlierer aus der Wahl heraus. Woran liegt das?
14.09.2026, 18:5114.09.2026, 18:51

Die Ergebnisse der schwedischen Parlamentswahlen zeigten am Montag einen knappen Vorsprung der Mitte-Links-Opposition gegenüber der rechtsgerichteten Regierung.

Vieles ist noch unklar: Einerseits sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt, andererseits ist noch ungewiss, ob die Demokratin und Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson die Mehrheit im Parlament erreichen kann. Es besteht noch immer die Chance, dass der konservative Regierungschef Ulf Kristersson mithilfe einer Koalition an der Macht bleibt.

Eines ist jedoch klar: Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) haben im Vergleich zu den Wahlen 2022 deutlich an Stimmen verloren. Vor vier Jahren sind sie mit 20,5 Prozent zweitstärkste Partei Schwedens geworden und konnten Kristerssons Regierung im Parlament stützen. Nun kommen sie den aktuellen Zahlen zufolge auf 17,6 Prozent.

Angesichts des Rechtsrutsches in vielen Teilen Europas überrascht die Entwicklung in Schweden: Warum wählen die Menschen dort nach vier Jahren wieder gemässigter?

Jüngere Wähler haben sich nach links bewegt

Jüngere Wählerinnen und Wähler haben sich in Schweden stärker nach links orientiert. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei jungen Männern, die bei der letzten Wahl 2022 stark nach rechts tendierten. Das Bild junger Männer, die eindeutig konservativ wählen, trifft nicht mehr zu. Das sagt Per Söderpalm, Chef für Meinungsforschung und Medienanalyse beim schwedischen Meinungsforschungsinstitut Verian Group, gegenüber Schwedens Fernsehen SVT.

Aktuellen Verian-Daten zufolge sank der Rückhalt für die vier Parteien des rechten «Tidö»-Blocks bei jungen Männern von 63,7 Prozent im Jahr 2022 auf 43,9 Prozent vor der Wahl 2026. Auch die SD-Partei selbst schnitt unter den 18- bis 29-Jährigen schwächer ab als in der Gesamtbevölkerung.

epa13237396 Ballot envelopes are opened during vote counting at the polling station at Kockum Fritid in Malmo, Sweden, 13 September 2026, on election day. Sweden's general election takes place on ...
Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt.Bild: keystone

Junge Wählerinnen und Wähler sind viel weniger parteigebunden als ältere Wählerinnen und Wähler, sagt Söderpalm gegenüber SVT. Daher könne sich die politische Richtung auch schnell wieder ändern.

Kernthemen sind nicht mehr exklusiv

Schweden zählte lange zu den einwanderungsfreundlichsten Ländern Europas – bis Ulf Kristersson vor vier Jahren an die Macht kam. Seine Regierung schaffte die unbefristete Aufenthaltserlaubnis für Migrantinnen und Migranten ab, räumte der Polizei mehr Befugnisse ein und schob mehr Personen ohne Aufenthaltsrecht ab. Die konservative Regierung hat die Einwanderungs- und Kriminalpolitik somit selbst verschärft.

epa13238040 Moderates party leader Ulf Kristersson (C) speaks to the media during the Moderates' election night watch party in Stockholm, Sweden, 13 September 2026. Sweden's general election ...
Ulf Kristersson wird in der Wahlnacht befragt.Bild: keystone

Damit können Wählerinnen und Wähler heute eine vergleichsweise harte Linie bei Migration und Kriminalität wählen, ohne die Schwedendemokraten wählen zu müssen. Den Verlust dieses Alleinstellungsmerkmals sieht der Sender SVT als Hauptgrund für die sinkende Beliebtheit der Partei.

Migration ist für Schwedinnen und Schweden zwar weiterhin ein wichtiges Thema, es hat den Wahlkampf jedoch nicht dominiert. Stattdessen war das Gesundheitswesen für die Wählerinnen und Wählern in diesem Jahr am wichtigsten.

Von der Protestpartei zur politischen Mitverantwortung

Die Schwedendemokraten haben seit 2022 zwar keine eigenen Ministerposten besetzt, die konservative Regierung um Ulf Kristersson jedoch gestützt und wesentliche Teile ihrer Politik mitgestaltet. Für die Schwedendemokraten wurde es dadurch schwieriger, gleichzeitig als radikale Alternative zum politischen Establishment aufzutreten. Nun erforderte die Zusammenarbeit Kompromisse, die einen Teil der eigenen Anhängerinnen und Anhänger enttäuscht haben könnten.

Trotzdem weist die SD noch immer eine hohe Wählerbindung auf. Laut einer Nachwahlbefragung des Senders SVT konnte die rechtspopulistische Partei 78 Prozent ihrer Wählerinnen und Wähler von 2022 behalten. Damit besteht das Problem weniger in einem völligen Einbruch der Stammwählerschaft als im fehlenden Wachstum und einer gewissen Abwanderung.

Dass die Rechtspopulisten Stimmen verloren haben, bedeutet also nicht zwingend einen Linksruck der schwedischen Wählerschaft. Vielmehr könnten etablierte Parteien deren politische Forderungen übernommen und umgesetzt haben.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Bilder, die es so vermutlich nur in Skandinavien gibt
1 / 28
Bilder, die es so vermutlich nur in Skandinavien gibt
Solche «Strassenverhältnisse» sind wir bei uns nicht gewohnt.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So teuer wird die Fahrt mit dem Nachtzug nach Schweden
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
87 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
f7f9179b-a4b9-41e3-ac6e-f8419baf90f6
14.09.2026 19:09registriert Dezember 2024
Wow, die Politik geht Probleme der Migration(sängste) an und nimmt sie ernst, anstatt sie nur klein zu reden und nimmt damit den (extremen) Rechten den Wind aus den Segeln ... Wer hätte nur gedacht, das sowas funktionieren könnte?
12932
Melden
Zum Kommentar
avatar
SC90
14.09.2026 19:37registriert Juli 2025
Manchmal habe ich das Gefühl, die Skandinavier sind die einzigen in Europa, die wirklich verstehen was die Wähler beschäftigt.

Ich hätte gerne eine linke Regierung, sehe darin nur Vorteile. Aber ich will keine ungezügelte Massenmigration und Islamisierung.
9334
Melden
Zum Kommentar
avatar
B-Arche
14.09.2026 19:52registriert Februar 2016
Akesson hat halt immer dieselben Sprüche rausgehauen. Am Ende konnte man den Eindruck gewinnen an der roten Ampel seien auch die Ausländer und Muslime Schuld.

Er versuchte Methode Trump und das ging nach hinten los. Es ist einfach nur noch nervend immer dasselbe zu hören als Antwort auf jedes präsentierte Problem.
3511
Melden
Zum Kommentar
87
Er hat einen Plan, um Putin am 20. September ins Wanken zu bringen
Zwei Jahre lang sass Ilja Jaschin in Russland im Gefängnis, danach wurde er freigelassen. Heute lebt der Oppositionelle in Berlin und versucht, seine Landsleute zu mobilisieren. Gleichzeitig warnt er Europa.
Der Kreml-Kritiker Ilja Jaschin, der seit mehreren Jahren im Exil lebt, ruft alle «Russen, die gegen den Krieg» in der Ukraine sind, dazu auf, bei der kommenden Parlamentswahl gegen die Partei von Wladimir Putin zu stimmen.
Zur Story