3 Gründe, warum Schwedens Rechtspopulisten verloren haben
Die Ergebnisse der schwedischen Parlamentswahlen zeigten am Montag einen knappen Vorsprung der Mitte-Links-Opposition gegenüber der rechtsgerichteten Regierung.
Vieles ist noch unklar: Einerseits sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt, andererseits ist noch ungewiss, ob die Demokratin und Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson die Mehrheit im Parlament erreichen kann. Es besteht noch immer die Chance, dass der konservative Regierungschef Ulf Kristersson mithilfe einer Koalition an der Macht bleibt.
Eines ist jedoch klar: Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) haben im Vergleich zu den Wahlen 2022 deutlich an Stimmen verloren. Vor vier Jahren sind sie mit 20,5 Prozent zweitstärkste Partei Schwedens geworden und konnten Kristerssons Regierung im Parlament stützen. Nun kommen sie den aktuellen Zahlen zufolge auf 17,6 Prozent.
🇸🇪 SWEDEN • RESULTS
— Elections Stats (@ElectionsStats) September 14, 2026
2026 Swedish general election
🧮 94.8 % counted
🌹 S: 28.1 | 100 seats
Ⓜ️ M: 19.9 | 70
🌼 SD: 17.6 | 62
📛 V: 8.2 | 29
🍀 C: 7.1 | 25
🟦 KD: 6.2 | 22
🌻 MP: 6.1 | 22
📘 L: 5.4 | 19
...
Numbers in %
———#Sverige #Riksdagsvalet #Riksdagsvalet2026 pic.twitter.com/ay2rdm5gnv
Angesichts des Rechtsrutsches in vielen Teilen Europas überrascht die Entwicklung in Schweden: Warum wählen die Menschen dort nach vier Jahren wieder gemässigter?
Jüngere Wähler haben sich nach links bewegt
Jüngere Wählerinnen und Wähler haben sich in Schweden stärker nach links orientiert. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei jungen Männern, die bei der letzten Wahl 2022 stark nach rechts tendierten. Das Bild junger Männer, die eindeutig konservativ wählen, trifft nicht mehr zu. Das sagt Per Söderpalm, Chef für Meinungsforschung und Medienanalyse beim schwedischen Meinungsforschungsinstitut Verian Group, gegenüber Schwedens Fernsehen SVT.
Aktuellen Verian-Daten zufolge sank der Rückhalt für die vier Parteien des rechten «Tidö»-Blocks bei jungen Männern von 63,7 Prozent im Jahr 2022 auf 43,9 Prozent vor der Wahl 2026. Auch die SD-Partei selbst schnitt unter den 18- bis 29-Jährigen schwächer ab als in der Gesamtbevölkerung.
Junge Wählerinnen und Wähler sind viel weniger parteigebunden als ältere Wählerinnen und Wähler, sagt Söderpalm gegenüber SVT. Daher könne sich die politische Richtung auch schnell wieder ändern.
Kernthemen sind nicht mehr exklusiv
Schweden zählte lange zu den einwanderungsfreundlichsten Ländern Europas – bis Ulf Kristersson vor vier Jahren an die Macht kam. Seine Regierung schaffte die unbefristete Aufenthaltserlaubnis für Migrantinnen und Migranten ab, räumte der Polizei mehr Befugnisse ein und schob mehr Personen ohne Aufenthaltsrecht ab. Die konservative Regierung hat die Einwanderungs- und Kriminalpolitik somit selbst verschärft.
Damit können Wählerinnen und Wähler heute eine vergleichsweise harte Linie bei Migration und Kriminalität wählen, ohne die Schwedendemokraten wählen zu müssen. Den Verlust dieses Alleinstellungsmerkmals sieht der Sender SVT als Hauptgrund für die sinkende Beliebtheit der Partei.
Migration ist für Schwedinnen und Schweden zwar weiterhin ein wichtiges Thema, es hat den Wahlkampf jedoch nicht dominiert. Stattdessen war das Gesundheitswesen für die Wählerinnen und Wählern in diesem Jahr am wichtigsten.
Von der Protestpartei zur politischen Mitverantwortung
Die Schwedendemokraten haben seit 2022 zwar keine eigenen Ministerposten besetzt, die konservative Regierung um Ulf Kristersson jedoch gestützt und wesentliche Teile ihrer Politik mitgestaltet. Für die Schwedendemokraten wurde es dadurch schwieriger, gleichzeitig als radikale Alternative zum politischen Establishment aufzutreten. Nun erforderte die Zusammenarbeit Kompromisse, die einen Teil der eigenen Anhängerinnen und Anhänger enttäuscht haben könnten.
Trotzdem weist die SD noch immer eine hohe Wählerbindung auf. Laut einer Nachwahlbefragung des Senders SVT konnte die rechtspopulistische Partei 78 Prozent ihrer Wählerinnen und Wähler von 2022 behalten. Damit besteht das Problem weniger in einem völligen Einbruch der Stammwählerschaft als im fehlenden Wachstum und einer gewissen Abwanderung.
Dass die Rechtspopulisten Stimmen verloren haben, bedeutet also nicht zwingend einen Linksruck der schwedischen Wählerschaft. Vielmehr könnten etablierte Parteien deren politische Forderungen übernommen und umgesetzt haben.
