International
Gesellschaft & Politik

Sozialdemokraten gewinnen Wahlen, Schwedendemokraten verlieren

epa13237936 Social Democrats party leader Magdalena Andersson speaks during the Social Democrats' election night watch party at the Stockholm Waterfront Conference Center in Stockholm , Sweden, 1 ...
Magdalena Andersson, die Parteichefin der schwedischen Sozialdemokraten, hat die Wahle gewonnen. Ob sie allerdings auch die Regierung anführen wird, ist fraglich.Bild: keystone

Sozialdemokraten gewinnen Wahlen in Schweden – Regierungsbildung schwierig

14.09.2026, 03:5414.09.2026, 03:54

Schweden hat gewählt – aber noch lange keine Regierung. Aus der Parlamentswahl gehen die Sozialdemokraten von Ex-Regierungschefin Magdalena Andersson zwar wohl als stärkste Kraft hervor, wie die Wahlbehörde am frühen Morgen nach Auszählung von 93 Prozent der Stimmen bekannt gab. Noch ist aber unklar, ob Anderssons mögliches Mitte-Links-Bündnis mit drei weiteren Parteien die Mehrheit im Parlament erringen kann.

Die potenziellen Regierungspartner der Sozialdemokraten sind sich ausserdem in entscheidenden Punkten uneins. Der konservative Regierungschef Ulf Kristersson hat deshalb noch eine Chance, an der Macht zu bleiben, dann in einer Koalition – unter anderem – mit den rechtspopulistischen Schwedendemokraten.

epa13229434 Prime minister and Moderates party leader Ulf Kristersson in the studio ahead of TV4's election debate in Stockholm, Sweden, 10 September 2026. General elections will be held in Swede ...
Der amtierende konservative schwedische Premierminister Ulf Kristersson kann sich Hoffnungen auf eine zweite Amtszeit machen.Bild: keystone

Am frühen Morgen sah die Wahlbehörde das Lager von Andersson bei einer knappen Mehrheit von 176 der 349 Sitze im Parlament. Kristerssons Konservative, seine beiden bisherigen Koalitionspartner und die Rechtspopulisten kamen gemeinsam auf 173 Mandate. Ein klarer Wahlsieger könnte aufgrund des engen Rennens erst am Mittwoch feststehen, wenn die letzten Stimmen von Schwedinnen und Schweden aus dem Ausland und spät abgegebene Briefwahlstimmen ausgezählt worden sind.

Nach Auszählung von 93 Prozent der Stimmen kamen Anderssons Sozialdemokraten auf 28,1 Prozent der Stimmen – im Vergleich zu 2022 wäre das ein Rückgang (30,33 Prozent). Kristerssons Konservative folgten mit 19,9 Prozent (2022: 19,10 Prozent). Sollte sich das Ergebnis bestätigen, hätten sie die Rechtspopulisten damit als zweitstärkste Kraft im Parlament nach 2022 wieder überholt.

Einbussen für Schwedendemokraten

Für die Schwedendemokraten war es ein bitterer Abend: Sie kommen den Zahlen zufolge auf 17,6 Prozent und müssen damit voraussichtlich zum ersten Mal überhaupt bei einer Parlamentswahl Einbussen hinnehmen (2022: 20,54 Prozent). «Wir haben offensichtlich gegenüber dem Wahlergebnis von vor vier Jahren einige Prozentpunkte verloren», sagte deren Chef Jimmie Åkesson. «Ich finde trotzdem, dass wir in diesem Wahlkampf Gewinner gewesen sind, weil es so viele Menschen in unserem Land gibt, die es nicht mehr unangenehm finden zu sagen, dass sie Schwedendemokraten sind.»

Vor vier Jahren war es in Schweden zum Tabubruch gekommen, als die Rechtspopulisten nach der Wahl 2022 erstmals als Mehrheitsbeschaffer der konservativen Regierung von Ulf Kristersson auftraten.

epa13229479 (L-R) Christian Democrats party leader Ebba Busch (KD), Green Party spokesperson Amanda Lind (MP), Sweden Democrats party leader Jimmie Åkesson (SD), Social Democrats party leader Magdalen ...
Weil auch die von Ebba Busch (erste von links) angeführten Christdemokraten und die Grüne Partei (im Bild Parteisprecherin Amanda Lind) Zugewinne verbuchen, könnte eine Mitte-Links-Koalition möglich sein. Bild: keystone

Dass Andersson – Kristerssons Vorgängerin im Amt – trotz des Rückgangs für die Sozialdemokraten die Chance auf eine Rückkehr an die Regierungsspitze hat, liegt an den Zugewinnen bei den Partnerparteien. Die Linkspartei kamen nach Auszählung fast aller Stimmen auf 8,2 Prozent, die liberale Zentrumspartei auf 7,1 Prozent und die Grünen auf 6,1 Prozent. Kristerssons bisherige Partner in der sogenannten Tidö-Regierung, die Christdemokraten und Liberalen, holten 6,2 und 5,4 Prozent der Stimmen.

Was bedeutet das für die Regierungsbildung?

Unabhängig davon, welches Lager am Ende die Nase vorn hat, stehen den Schweden komplizierte Regierungsverhandlungen bevor. Beobachter hatten bereits vor der Wahl schwierige Sondierungsgespräche vorhergesagt. Damit, dass es so eng werden würde, hatte aber wohl kaum jemand gerechnet.

Im Lager der Opposition liegen insbesondere die Linken und die Zentrumspartei weit auseinander. Vor der Wahl hatte die Vorsitzende der Zentrumspartei, Elisabeth Thand Ringqvist, dem Sender SVT gesagt, ihre Partei würde eher Neuwahlen in Kauf nehmen als eine Regierung unter Beteiligung der Linkspartei. Sie brachte eine Alternative mit den Christdemokraten anstelle der Linken ins Spiel. Die Linken fordern wiederum für die Unterstützung von Andersson als Regierungschefin Ministerposten.

Auf der Kristersson-Seite würde eine Fortsetzung der Regierung eine stärkere Beteiligung der Rechtspopulisten bedeuten. Die Schwedendemokraten hatten das in einer Minderheitsregierung agierende Dreierbündnis zwar auch bislang schon unterstützt, aber keine Ministerposten besetzt. Für Letzteres hatte sich Kristersson aber vor der Wahl sehr offen gezeigt. Die Schwedendemokraten beanspruchen ein klares Mitspracherecht etwa in Migrationsfragen. Die Partei hat ihre Wurzeln im rechtsextremen Spektrum der 1980er-Jahre.

«Sie haben einen schwedischen Weg des Populismus entwickelt. Er ist nicht laut oder schreiend, sondern wirkt gemässigter, bleibt aber provokant», hatte Wahlforscher Torbjörn Sjöström vom schwedischen Meinungsforschungsinstitut Novus laut der ARD vor der Wahl erklärt.

epa13237965 Sweden Democrats party leader Jimmie Akesson speaks during the Sweden Democrats election night watch party in Solna, near Stockholm, Sweden, 13 September 2026. Sweden's general electi ...
Der Parteichef der Schwedendemokraten ist stolz darauf, dass sich seine Wählenden nicht mehr schämen zuzugeben, die Schwedendemokraten zu wählen.Bild: keystone

Minderheitsregierungen sind in Schweden keine Seltenheit: Zum Ministerpräsidenten oder zur Ministerpräsidentin kann gewählt werden, wer keine absolute Mehrheit im Parlament gegen sich hat. Andersson hatte angekündigt, gleich nach der Wahl den Kontakt zu den anderen Parteichefs suchen zu wollen – mit Ausnahme der Schwedendemokraten. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Vermeintlich langweilige Touristenbilder mal anders
1 / 25
Vermeintlich langweilige Touristenbilder mal anders

Den Touristen mal zeigen, wie es sich anfühlt, so gehalten zu werden.Bild: imgur

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Köttbullar-Fondue. Jap, es musste ja so kommen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
Israel: Minister fordert Entzug der Staatsbürgerschaft für preisgekrönte Regisseure
Wegen Landesverrats will der israelische Kulturminister Miki Zohar den beiden für ihren Dokumentarfilm «NAZA» in Venedig preisgekrönten Regisseuren Rachel Szor und Yuval Abraham die Staatsbürgerschaft entziehen lassen. «Der vernichtende Selbsthass der Regisseure, die bereit sind, ihrem Heimatland zu schaden, nur um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu ernten, ist unvorstellbar und stellt einen Verrat am Staat dar», schrieb Zohar am Abend auf der Plattform X.
Zur Story