Was die Midterms für die Präsidentschaftswahl 2028 bedeuten
Im Vorfeld war von einer Schicksalswahl die Rede. Nun ist klar: Die Midterms 2026 sind ein grandioser Erfolg für die Demokraten. Sie eroberten Gouverneursämter und Senatssitze, die ihnen kaum zugetraut wurden. Im Repräsentantenhaus winkt ihnen angesichts der immer «parteiischeren» Wahlkreise eine rekordverdächtige Mehrheit.
Selbst Präsident Donald Trump schien in der Wahlnacht vom «Bluenami» überrollt zu werden. Er gratulierte der Opposition zum Wahlsieg. Ob es dabei bleibt, muss sich zeigen. Wer weiss, was er sich bis zum Amtsantritt der neuen Kongressmitglieder Anfang Januar 2027 einfallen lässt. Das Signal der US-Wählerschaft aber ist eindeutig.
Das Ende der Midterms bedeutet aber auch, dass sich die beiden grossen Parteien auf die Präsidentschaftswahl 2028 einstellen müssen. Die Demokraten müssen herausfinden, wie sie in zwei Jahren auch das Weisse Haus einnehmen wollen. Und die Republikaner müssen sich nach dem Wundenlecken auf die Zeit nach Trump einstellen.
Nicht alles liegt in ihren eigenen Händen. Einiges hängt davon ab, wie konstruktiv oder destruktiv sich Donald Trump als «lahme Ente» aufführen wird. Je nachdem könnte er den Demokraten weitere Munition liefern und seiner Partei schaden, auf die er ohnehin kaum Rücksicht nimmt. Doch auch intern lauern bei beiden Parteien einige Fallstricke:
Demokraten
Mit ihrer doppelten Mehrheit im Kongress haben die Demokraten diverse Möglichkeiten, gegen den ungeliebten Präsidenten vorzugehen. Sie können ihn kaum daran hindern, mit Dekreten um sich zu werfen, aber sie können Ernennungen blockieren. Fast zwei Drittel ihrer Basis fordern gemäss einer Politico-Umfrage eine harte Linie gegen Trump.
Praktisch sicher sind Ermittlungen gegen die Korruption im Trumpversum oder unfähige Regierungsmitglieder wie «Kriegsminister» Pete Hegseth. Die Wählerschaft als Ganzes aber will, dass die Demokraten primär etwas gegen die hohen Lebenshaltungskosten unternehmen. Das ist leichter gesagt als getan. Sie müssten beide Anliegen «ausbalancieren», meint Politico.
Ein Balanceakt ist auch die Positionierung für 2028. Der linke, israelkritische Flügel um Alexandria Ocasio-Cortez kann sich nach dem Erfolg von Senatskandidat Abdul El-Sayed in Michigan bestärkt fühlen. Sein Trumpf sind die jungen Wählerinnen und Wähler. Fast die Hälfte hat gemäss einer Fox-News-Umfrage eine positive Einstellung zum Sozialismus.
Das Spektrum der Demokraten ist breit, es umfasst auch die neuen Senatoren Adam Hamilton und James Talarico mit christlichem Background. Für die Parteiführung ist dies eine Herausforderung. Sie kann betonen, dass sie ohne das Feindbild Trump Erfolg haben und die Latinos bei der Stange halten muss, denen sie die Erfolge in Texas verdankt.
Das Ringen zwischen Progressiven und Moderaten wird die Partei beschäftigen, gerade mit Blick auf die Präsidentschaftskandidatur. AOC könnte antreten, aber auch das gemässigte Lager hat Eisen im Feuer, etwa die (Ex-)Gouverneure Gavin Newsom und Andy Beshear oder Senator Jon Ossoff. Das Image von Kamala Harris aber ist wohl zu stark ramponiert.
Republikaner
Im Vergleich zur Vielfalt bei Demokraten wirken die Republikaner wie ein monolithischer Block. In den letzten zwei Jahren standen sie nahezu geschlossen hinter ihrem Präsidenten. Nicht alle taten es aus Überzeugung. Sie sind angewiesen auf Donald Trumps MAGA-Fangemeinde, ohne die die Republikaner kaum noch siegen können.
Die klassische Million-Dollar-Frage lautet: Was macht MAGA nach Trump? Schon jetzt zeigen sich Risse im vermeintlich soliden Gefüge, vor allem wegen des Iran-Kriegs. Trumps Begründung, man müsse den Iran am Bau der Atombombe hindern, übernehmen seine Fans kritiklos. Aber nur eine Minderheit will dafür wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen.
Vielleicht kommt Donald Trump auf die glorreiche Idee, 2028 nochmals antreten zu wollen. Wahrscheinlich ist es nicht, aber er kann bis dann noch viel Schaden anrichten. Und einiges deutet darauf hin, dass die bisherige republikanische Einheitsfront nach seinem Abgang auseinanderbrechen und es zu heftigen Grabenkämpfen kommen könnte.
Das wirkt sich auf die Kandidaten für 2028 aus. Als Favoriten gelten Vizepräsident JD Vance und Aussenminister Marco Rubio. Ersterer versucht, sich als MAGA-Erbe zu empfehlen, doch ihm fehlt Trumps Charisma. Vance könnte auch schaden, dass er in seinem Heimatstaat Ohio den abstossenden Werbespot gegen die neu gewählte Gouverneurin Amy Acton befürwortet hat.
Marco Rubio verhält sich diskreter, er ist eher ein Old-School-Republikaner. Davon könnte er profitieren. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich andere Ehrgeizlinge aus der Deckung wagen werden, etwa der texanische Senator Ted Cruz, der wie Rubio schon 2016 kandidiert hat. Das Rennen könnte weitaus spannender werden, als viele annehmen.
Die Grand Old Party wird sich nach Trump zwangsläufig neu aufstellen und ausrichten müssen. Ihr Wille zur Macht ist legendär. Und dennoch: Eine Selbstzerfleischung der Republikaner wäre das grösste Geschenk, das sich die Demokraten wünschen können.
