International
Armee

Kremlkritiker Kasparow: «Der Kollaps steht bevor»

Kremlkritiker Kasparow: «Der Kollaps steht bevor»

Der russische Schachweltmeister und Buchautor sieht einen baldigen Zerfall des Putin-Regimes. Er warnt aber den Westen vor den Konsequenzen.
20.05.2023, 17:5321.05.2023, 11:05
Ein Artikel von
t-online

Nach Ansicht des Kremlkritikers und ehemaligen Schachweltmeisters Garri Kasparow würde ein Sieg der Ukraine den Kollaps von Wladimir Putins Regime nach sich ziehen. Das wiederum würde den Weg für ein neues Russland freimachen, sagte er dem amerikanischen Magazin «Newsweek».

FILE - In this Tuesday, Sept. 22, 2009 file photo, former chess world champion Garry Kasparov, right, and Anatoly Karpov, left, play an exhibition rematch in Valencia, Spain. Kasparov is hoping to ous ...
So kannte man ihn früher: Weltmeister Garri Kasparow an einem Schachturnier, 2009.Bild: AP

«Ich bin mir sehr sicher, dass Russland in den nächsten fünf Jahren kleiner werden wird», sagte er. Der russische Oppositionelle glaubt, dass Republiken wie das ohnehin schon sehr eigenständige Tatarstan und das an Rohstoffen reiche Baschkortostan sich abspalten würden. Auch für Tschetschenien sieht er diese Möglichkeit. Derzeit wird das Land aber von einem Putin-Vertrauten, Ramsan Kadyrow, beherrscht.

Mitglied der Anti-Putin-Diaspora

Kasparow ist als sowjetischer Schachweltmeister in die Geschichte eingegangen, heute aber als Oppositioneller aktiv. Drei Monate nach Kriegsbeginn gründete er zusammen mit dem im Exil lebenden russischen Geschäftsmann Michail Chodorkowski das Russische Aktionskomitee.

Ziel der Gruppe ist der Aufbau einer Zusammenarbeit zwischen der russischen Anti-Putin-Diaspora und westlichen Organisationen und Regierungen.

Kasparow glaubt an eine Fortsetzung eines Zerfalls, der schon vor langer Zeit begonnen hat. «Der Prozess wurde 1991 mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion gestoppt, aber ich denke, der Kollaps des russischen 'Reiches' steht bevor», so der Kremlkritiker. Die Frage sei aber, ob die freie Welt in der Lage sei, den Kräften innerhalb Russlands zu helfen, ein Alliierter einer «Euro-atlantischen Zivilisation» zu werden. «Oder wird es ausser Kontrolle geraten?».

Deshalb seien Waffenlieferungen und ein rascher Sieg der Ukraine auch wichtig. Noch gebe es Kräfte in der russischen Regierung, die ein neues System einrichten könnten. Er denke dabei an eine parlamentarische Republik oder eine lockere Föderation. «Aber wir müssen neu anfangen.»

epa10610905 Chess Grandmaster, Russian Garry Kasparov, delivers his speech during the opening ceremony for the Grand Chess Tour 2023 - Superbet Chess Classic Romania, in Bucharest, Romania, 05 May 202 ...
Garri Kasparow im Mai dieses Jahres.Bild: keystone

Erst vor kurzem sagte Kasparow im Interview mit t-online: «Putins Regime ist kriminell und muss liquidiert werden. Das alles ist da. Das ist ein grosser Schritt vorwärts.» Er hatte das Ende des Putin Regimes bereits für dieses Jahr vorhergesehen.

«Also, ich muss ehrlich sagen, ich hatte erwartet, dass der Westen deutlich aggressiver Waffen liefert. Sicher ist: Das Putin-Regime wird nicht lange überleben, wenn erst einmal die ukrainische Flagge in Sewastopol gehisst ist. Dann können wir die Tage herunterzählen. Schon von dem Moment an, wenn ukrainische Truppen auf die Krim vordringen, wird das Regime brüchig.»

Quellen

Weitere interessante Artikel:

(t-online/dsc)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Anschläge auf Gegner von Putin und der russischen Elite
1 / 14
Anschläge auf Gegner von Putin und der russischen Elite
Der russische Despot Wladimir Putin lässt politische Gegner und kritische Journalistinnen nicht nur mundtot machen, sondern umbringen. Diese Bildstrecke ruft einige der schlimmsten Fälle in Erinnerung...
quelle: ap/pool sputnik kremlin / alexei druzhinin
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump gibt erstes Interview nach der Anklage – und lässt den Moderator ungläubig zurück
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Anschlag bei Paris: Täter gab mehr als 100 Schuss ab
Bei dem als rassistischen Terroranschlag eingestuften Angriff bei Paris mit einem Toten hat der Verdächtige mehr als 100 Schüsse abgegeben. Man habe 128 abgefeuerte Munition gezählt, sagte Anti-Terrorstaatsanwalt Olivier Christen. Der Täter schoss demnach an acht Orten in einem Umfeld von zwölf Kilometern. Sein tödliches Unterfangen habe er in besonderem Masse vorbereitet. Die Behörden ermitteln wegen Mord und versuchten Mordes mit Terrorbezug und rassistischer Komponente.
Zur Story