Flávio Bolsonaro begründet erstmals Flucht aus Brasilien
Der bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl unterlegene Flávio Bolsonaro hat seine Flucht aus Brasilien mit angeblicher «Verfolgung» in seinem Heimatland begründet. «Die Verfolgung begann sogar früher, als ich gedacht hatte», sagte der Rechtspopulist am Freitag in einem live im Onlinedienst Instagram übertragenen Video. «Ich habe Brasilien nicht verlassen, ich bin für Brasilien gegangen», fügte er hinzu.
In dem Video schilderte Bolsonaro, wie die Polizei ihn am Montag darüber informiert hatte, dass seine Pässe eingezogen würden, als er gerade einen Besuch bei seinem Vater, Ex-Präsident Jair Bolsonaro, beendet hatte. «Mit Tränen in den Augen sagte er zu mir: ‹Du weisst, worauf das hinausläuft, oder›», sagte der unterlegene Präsidentschaftskandidat mit Blick auf seinen Vater. «Ich sagte zu ihm: ‹Papa, ich weiss. Jetzt weiss ich, was ich tun muss›», fügte er hinzu.
Bolsonaro nennt keine Details über Flucht aus Brasilien
Obwohl Bolsonaro keine Details darüber nannte, wie er das Land verlassen hatte, sagte Bolsonaro, er und seine Frau hätten die Entscheidung «ohne, dass jemand davon wusste» getroffen. Er rief die Menschen dazu auf, «nicht mit dem Finger auf jemanden zu zeigen».
Dem Sieger der Präsidentschaftswahl in Brasilien, dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva, sagte Bolsonaro voraus, er werde die Wirtschaft «vor die Wand fahren». Er erklärte zudem, er sei bereit, erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren: «Ich rede nicht von 2030, ich rede von davor», sagte er.
Bolsonaro flieht mit seiner Familie in die USA
Nach seiner Wahlniederlage am Sonntag war Bolsonaro am Mittwoch gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Miami gelandet. Der Politiker hatte Brasilien trotz eines Ausreiseverbots des Obersten Gerichtshofs verlassen und war über Argentinien und Ecuador in die USA gereist. Sein Reisepass war für ungültig erklärt worden, Bolsonaro besitzt allerdings auch die italienische Staatsangehörigkeit.
Das US-Aussenministerium hatte der Familie Visa zugesagt. Medienberichten zufolge wollte Bolsonaro in den USA Asyl beantragen. US-Präsident Donald Trump, der der Bolsonaro-Familie politisch nahesteht, hatte bereits Zweifel an Lulas Wahlsieg geäussert und von einer «manipulierten Wahl» gesprochen.
Eigene Partei weist Betrugsvorwürfe bei Brasilien-Wahl zurück
Nach seiner Ausreise in die USA stösst Flávio Bolsonaro mit seinen unbelegten Wahlbetrugsvorwürfen auf Kritik im eigenen politischen Lager. «Niemand hat den Brief gebilligt. (...) Wir wollen das Land voranbringen», sagte der Vorsitzende seiner rechten Partei PL, Valdemar Costa Neto.
Auch Bolsonaros früherer Wahlkampfkoordinator Rogério Marinho wies die Betrugsvorwürfe zurück. «Die PL kann diese Behauptung nicht aufstellen, und ich kann sie ebenfalls nicht aufstellen, denn es gibt keine Beweise dafür», sagte er. Zugleich bezeichnete er Bolsonaro weiterhin als eine der wichtigsten Figuren der brasilianischen Rechten.
US-Regierung will Bolsonaro nicht weiter unterstützen
Tarcísio de Freitas, der Gouverneur von Sao Paulo und ein wichtiger Verbündeter Bolsonaros, forderte, das Wahlergebnis zu respektieren. «Ich verstehe Flávios Gefühle, ich verstehe seine Empörung und seine Entrüstung, und diese Gefühle teilen auch viele Brasilianer. Aber wir müssen das Wahlergebnis respektieren und nach vorne schauen», sagte er.
Die US-Regierung will sich Insidern zufolge nicht dem Anspruch des unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flavio Bolsonaro auf die Führung seines Landes anschliessen. Präsident Donald Trump habe derzeit nicht vor, Bolsonaros politische Ambitionen zu unterstützen, sagten zwei Insider am Donnerstag. Trump könne seine Haltung aber noch ändern.
Verwendete Quellen:
- Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters und afp

