DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Vermisste im Amazonas: Verdächtiger gesteht Beteiligung an einem Mord

16.06.2022, 03:0516.06.2022, 12:59

Was ist passiert?

Ein Verbrechen mitten im abgelegenen Amazonasgebiet Brasiliens? Vieles deutet mittlerweile darauf hin, dass ein vermisster britischer Journalist und ein ebenfalls verschollener Indigenen-Experte dort getötet wurden. In einem Gebiet, das als besonders gefährlich gilt. Zwei Verdächtige wurden bislang festgenommen, einer von ihnen gestand nun, er sei an einem Mord an den beiden beteiligt gewesen, wie die Bundespolizei in Manaus am Mittwochabend (Ortszeit) mitteilte. Er habe die Polizei zu «menschlichen Überresten» geführt, hiess es. Diese sollten untersucht werden. Die beiden Vermissten sollen einem Ermittler zufolge erschossen worden sein.

Bruno Pereira und Dom Phillips waren Anfang Juni im brasilianischen Regenwald verschwunden.bild: keystone
Bruno Pereira und Dom Phillips waren Anfang Juni im brasilianischen Regenwald verschwunden.bild: keystoneBild: keystone

Was ist der Grund für die Morde?

Das Motiv für das mutmassliche Verbrechen blieb zunächst noch unklar. Regionale Medien spekulierten, Phillips und Pereira könnten Opfer eines Hinterhalts im Auftrag von Drogenhändlern geworden sein. Ein weiterer Ermittlungsstrang nimmt den Zusammenhang mit illegalem Fischfang und der Jagd in den Blick.

Die Polizei bei der Festnahme des Verdächtigen.
Die Polizei bei der Festnahme des Verdächtigen.Bild: keystone

Was sind die Reaktionen?

«Auch wenn wir noch die endgültigen Bestätigungen abwarten, beendet dieser tragische Ausgang unsere Ängste und Qualen, nicht zu wissen, wo Dom und Bruno sind», schrieb Alessandra Sampaio, die Frau von Dom Philipps, in einer Mitteilung. «Jetzt können wir sie nach Hause bringen und mit Liebe verabschieden.» Zudem beginne die Suche nach Gerechtigkeit.

Die Indigenen-Vereinigung des Javari-Tals beklagte den «unschätzbaren Verlust» von «zwei Partnern». Es waren vor allem die Indigenen der Region gewesen, die die Suche nach den Vermissten von Anfang an vorangetrieben hatten. Der Fundort liegt laut Polizei gut drei Kilometer von dort entfernt, wo persönliche Gegenstände von Dom Phillips und Bruno Pereira gefunden wurden.

Proteste in Brasilien nach dem Verschwinden der beiden Männer.
Proteste in Brasilien nach dem Verschwinden der beiden Männer.Bild: keystone

Das Javari-Tal ist etwa doppelt so gross wie die Schweiz und damit eines der grössten indigenen Gebiete Brasiliens. Viele Indigene leben dort isoliert. Das Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien ist durch illegale Goldsuche, Abholzung, Jagd und illegalen Fischfang sowie Drogenschmuggel zudem besonders konfliktreich.

«All dies hat mit der systematischen Schwächung der Indigenen- und Umweltbehörden sowie der Bundespolizei durch die Regierung gigantische Ausmasse angenommen», hiess es in einem Bericht des brasilianischen Fernsehens zu der Frage, weshalb das Javari-Tal zu einer der gefährlichsten Gegenden des Amazonasgebiets geworden sei.

«Brasilien befindet sich in einer Situation, die an Barbarei grenzt, und dieses Szenario kann nicht weiter fortschreiten», hiess es in einem Tweet von Greenpeace Brasilien.

Was war zuvor passiert?

Phillips und Pereira waren nach Angaben einer regionalen Ureinwohner-Organisation nicht wie geplant am 5. Juni mit dem Boot in der Stadt Atalaia do Norte angekommen. Zuvor hatte Pereira bei der Polizei gemeldet, mehrmals bedroht worden zu sein. Er hatte illegale Machenschaften im Vale do Javari für die Behörden aufgezeichnet.

Gut eine Woche nach dem Verschwinden der Männer waren laut Medien persönliche Gegenstände von ihnen gefunden worden. Am Mittwoch war ein zweiter Verdächtiger festgenommen worden. Er ist Fischer und Bruder des bis dahin einzigen festgenommenen Verdächtigen.

Das Land ist der Nichtregierungsorganisation Global Witness zufolge im Jahr 2020 das viertgefährlichste Land für Umweltschützer gewesen, 20 Naturschützer und Umweltaktivisten wurden getötet. Unter den Opfern waren in den vergangenen Jahren die US-Umweltaktivistin Dorothy Stang und der als «Hüter des Waldes» bekannte Aktivist Paulo Paulino Guajajara. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9
Punks auf Sylt machen sich mit Aktion in Westerland über Gemeinde lustig
Die Punks spielen mal wieder die Gemeinde Sylt aus: Eine vor Wochen errichtete Mauer wird nun zum «Symbol der Abschottung» stilisiert.

Mit dem Start des 9-Euro-Tickets sind viele Punks nach Sylt gekommen, an den ersten Wochenenden im Juni waren es mehrere Hundert auf einmal. Zentraler Treffpunkt: der Brunnen «Dicke Wilhelmine», ein Wahrzeichen Westerlands. Umliegende Gastronomen klagten, Wildpinkler wurden zu einem Problem. Es kam sogar zu wüsten Auseinandersetzungen, die von der Polizei aufgelöst werden mussten.

Zur Story