Amokfahrt am CSD Berlin: Zeugen berichten von Stichverletzungen
Das ist passiert
Laut der «Bild» hat sich der Vorfall gegen 22 Uhr auf Höhe der Lennéstrasse am Tiergarten zugetragen; die Polizei hat das Geschehnis bestätigt. Augenzeugen schildern gegenüber der Zeitung, dass ein weisser Transporter mit hoher Geschwindigkeit in den Tiergarten gerast sei.
JUST IN: Multiple injuries after driver drives vehicle into crowd at Christopher Street Day (CSD) in Berlin, Germany.
— Noteworthy News (@newsnoteworthy) July 25, 2026
CSD is a pride parade held each year within the city. pic.twitter.com/4NhcNzjpMr
Ein Mann soll anschliessend aus dem Wagen gestiegen und zu Fuss geflüchtet sein. Dabei soll er Menschen mit einer Stichwaffe bedroht und auch verletzt haben. Die Spezialeinheit GSG 9 (Grenzschutzgruppe 9) sei alarmiert worden, schreibt die «Bild» weiter. Ein Bild, welches die Zeitung veröffentlichte, soll den mutmasslichen Unfallwagen zeigen, der anscheinend in einen Baum gefahren ist.
Das sagt die Polizei
Die Polizei veröffentlichte später genauere Informationen: Kurz vor 22 Uhr sei mutmasslich ein Fahrer eines weissen Fahrzeugs in den Tiergarten eingefahren, sei anschliessend auf dem Ahornsteig entlanggefahren und habe dabei mehrere Personen verletzt – einige lebensgefährlich. Derzeit würden 15 Menschen medizinische versorgt; eine Person sei ihren Verletzungen erlegen.
Nach seiner Fahrt auf dem Ahornsteig sei das Fahrzeug mit einem Baum kollidiert. Dabei seien die Airbags des Wagens ausgelöst worden. Anschliessend sei der mutmassliche Täter geflüchtet. Die Polizei dementierte kurz vor 01.00 Medienberichte, wonach eine tatverdächtige Person festgenommen worden sei.
Der Polizei sei von Zeugen geschildert worden, dass Menschen durch Stiche verletzt worden seien. Man prüfe deshalb, ob der Täter nach dem Verlassen des Fahrzeugs eine Stichwaffe eingesetzt hat: «Es ist Bestandteil der Ermittlungen, ob es eine zweite Tatphase nach der Fahrphase gab. Ob jemand dann das Fahrzeug verlassen hat und mit möglichen Stichwaffen auf Personen eingewirkt und die verletzt hat.»
Die Polizei hat eine Auskunftsstelle eingerichtet.
Gegenüber der «Berliner Morgenpost» erklärte ein Polizeisprecher, dass der Verdächtige die extra für den CSD aufgestellten Fahrzeugsperren umfahren konnte. Dies sei «besonders tragisch», weil diese Sperren die Besucher vor genau solchen Angriffen schützen sollten.
Ein Video, welches das Medium «Junge Freiheit» auf X veröffentlichte, zeigt einen mit Handschellen gefesselten Mann, der am Boden liegt und von mehreren Polizisten umstellt ist. Dabei soll es sich um den mutmasslichen Fahrer des Fahrzeugs handeln, schreibt das Medium unter Berufung auf Augenzeugen.
Alle Besucherinnen und Besucher wurden gebeten, den Veranstaltungsbereich zu verlassen. Ein Bild, das die «Bild» veröffentlichte, zeigt Feuerwehrleute, die einer anscheinend verletzten Person helfen. Der Bereich um den Tiergarten sei weitläufig abgesperrt worden, heisst es weiter.
Das wissen wir zu den Hintergründen
«Wir wissen momentan noch nichts über irgendwelche Motivlagen, über die Person des Täters oder Ähnliches», sagte ein Polizeisprecher um Mitternacht. Das sei alles «noch nicht gesichert bekannt».
Auch der Berliner Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler hat nach der Tat vor Spekulationen über den Hintergrund gewarnt. Man könne im Moment noch nichts bezüglich Hinweisen für einen politischen oder kriminellen Hintergrund sagen.
Abgesehen davon, das es sowieso besser sei, nicht zu spekulieren, käme hinzu, dass sich der Vorfall nicht in der Veranstaltung selber, sondern im Tiergarten abgespielt habe, so Gaebler.
Das sind die Reaktionen
Der Berliner Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spricht in einem Post auf X von einem «Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft». Die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin sei auf brutalste Art attackiert worden. Er danke den Einsatzkräften, die sofort vor Ort waren und alles in ihrer Macht Stehende geleistet haben.
Event abgebrochen
Auf Instagram teilen die Veranstalter des CSD mit, dass der Event abgebrochen wurde: «Bitte verlasst das Gelände ruhig und geordnet. Bitte meidet die Siegessäule und den Tiergarten. Verlasst das Gelände Richtung Hauptbahnhof.» Zudem steht auf grossen Signaltafeln am Brandenburger Tor «Evakuation».
Hunderttausende Menschen feierten in der Hauptstadt den CSD. Mit ihrer Demonstration wollten die Veranstalter ein Zeichen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt setzen. Am Abend trat unter anderem Sarah Connor bei der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor auf. Mit einer Regenbogenflagge um die Schultern spielte sie rund eine halbe Stunde lang ihre Songs. (cpf, ergänzt mit Material der sda/dpa)
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