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Tuttlingen: Polizei erschiesst einen bewaffneten Mann

«Viele haben geschrien»: Schüsse in deutscher Kleinstadt an der Schweizer Grenze

08.10.2026, 16:3608.10.2026, 16:36

Es sind Geräusche, die die Passanten in der Tuttlinger Innenstadt zunächst gar nicht richtig zuordnen können.

«Ich bin gerade durch den Innenhof des Rathauses gelaufen, als ich einen Knall gehört habe», berichtet eine Frau der «Schwäbischen Zeitung». Zunächst habe sie an Feuerwerkskörper gedacht. «Aber dann wurde es auf einmal so hektisch, und viele haben geschrien», erzählt sie der Zeitung.

Was die Frau gehört hat, waren aber keine Böller, sondern Schüsse. Bei einem Einsatz am Rathaus der 38'000-Einwohner-Stadt im Süden des südwestdeutschen Bundeslandes Baden-Württemberg – wenige Dutzend Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt – kommt es zu einem Schusswechsel, die Polizei tötet einen bewaffneten Mann. Der 27-Jährige sei noch vor Ort gestorben, sagt ein Polizeisprecher.

LKA-Sprecherin: «Er hat direkt geschossen»

Der Mann sei mit einer Pistole in der Hand im Bereich des Rathauses aufgefallen, so eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA). Polizeikräfte werden ans Rathaus gerufen. Sie treffen schliesslich im Innenhof auf den 27-Jährigen. Der eröffnet laut LKA unmittelbar das Feuer auf die Beamten.

«Er hat direkt geschossen», so die Sprecherin. Die Polizisten hätten daher von ihren Schusswaffen Gebrauch machen müssen. Der Mann sei leider getroffen worden und trotz Reanimationsversuchen noch vor Ort gestorben.

Wie viele Schüsse die Polizisten abfeuerten, ist bislang unbekannt. Weshalb sich der Mann mit einer Pistole am Rathaus aufgehalten haben soll, ist ebenfalls ungeklärt. Bei dem 27-Jährigen handelt es sich den Angaben zufolge um einen Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit, der in Tuttlingen wohnhaft war. Er sei bereits in der Vergangenheit polizeilich in Erscheinung getreten.

Rathaus bleibt geschlossen

Ein Stadtsprecher sagte, dass der Mann sich auch im Rathaus aufgehalten habe. Inwieweit er dort Mitarbeiter bedroht habe, konnte der Sprecher nicht sagen. Man gebe keine Auskünfte, die Ermittlungen liefen noch. Die Stadt verwies an die Polizei. Der Stadtsprecher teilte jedoch mit, dass das Rathaus für den Rest des Tages geschlossen bleibe. Die Mitarbeiter, die nicht für Zeugenaussagen benötigt würden, habe man nach Hause geschickt.

Der Ort des Geschehens wurde weiträumig abgesperrt. Die Polizei bat, den Bereich um das Rathaus zu meiden. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, so die Polizei weiter.

Auf Bildern war zu sehen, wie mehrere Polizeibeamte um eine am Boden liegende Person stehen. Weitere Beamte knien neben der Person. Zu sehen ist auch medizinisches Material. Die Beamten tragen Schutzwesten, einer hat auch einen Helm auf. Nach Angaben des LKA sind immer noch Beamte vor Ort, um den Tatort zu durchsuchen und Zeugen zu befragen.

«Das werde ich heute Nacht noch verarbeiten»

Eine Restaurantbesitzerin, deren Lokal in direkter Nähe zum Tatort liegt, berichtet, dass die Personalien aller Gäste aufgenommen worden seien. Sie sagt zur «Schwäbischen Zeitung»:

«Ich bin nur froh, dass keiner unserer Gäste auf der Terrasse sass.»

Der Schrecken sitzt ihr zufolge tief. «Wir sind alle unter Schock. Das erlebt man ja nicht alle Tage hautnah.» Die Besitzerin eines Teeladens berichtet, sie habe sich unter ihre Ladentheke gekauert und das Geschäft nicht verlassen. Die Strasse vor ihrem Laden sei dann von der Polizei abgeriegelt worden.

Und auch die Frau, die die Schüsse im Innenhof des Rathauses direkt erlebte, zeigt sich betroffen. «Mit diesem Wissen habe ich ein ganz schlimmes Bauchgefühl jetzt. Ich denke, das werde ich heute Nacht noch verarbeiten.» (leo/sda/dpa)

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