International
Deutschland

Kopfschussmord am Frankfurter Hauptbahnhof: Mögliche Blutfehde dahinter

mord frankfurt hauptbahnhof 22.08.2024
Der Mord wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet.Bild: screenshot x

Kopfschüsse am Hauptbahnhof Frankfurt: Brutale Vorgeschichte in der Türkei?

Am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main, Deutschland hat am Donnerstag, dem 22. August, ein Mann einem anderen Mann mehrmals von hinten in den Kopf geschossen. Dabei starb der Erschossene. Laut türkischen Medien sollen sie das Resultat einer blutigen Fehde sein.
23.08.2024, 10:1123.08.2024, 10:57
Philip Buchen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Im Internet kursieren mutmassliche Aufnahmen von Überwachungskameras, auf denen zu sehen ist, wie sich ein Mann von hinten einem zweiten Mann nähert, mit der Pistole auf dessen Hinterkopf zielt und dieser Mann kurz darauf zu Boden geht.

Der 54-jährige Tatverdächtige soll dem 27-Jährigen laut den Ermittlungen noch zweimal in den Kopf geschossen haben, als dieser auf dem Boden lag. Dank des beherzten und professionellen Einschreitens der Bundespolizei sei der Verdächtige noch unweit des Tatorts festgenommen worden, hiess es. Die Beamten hätten verhindert, dass der Mann einen Zug besteigen und flüchten konnte.

Das zensierte Video der Tat:

Video: twitter/Infrarot_Medien

Der Tatverdächtige habe sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäussert, teilte der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Dominik Mies, am Donnerstag mit. Türkischen Medien zufolge hängt das Motiv des Mannes jedoch wohl mit einer blutigen Fehde zusammen, die ihren Anfang 2016 in der Türkei nahm.

Demnach soll der am Dienstagabend in Frankfurt erschossene 27-Jährige selbst für den Tod eines Mannes verantwortlich sein. Laut dem kurdischen Portal «Rudaw.net» soll dieser im Mai einen Geschäftsmann aus Antalya erschossen haben, den er für die Ermordung seines Bruders im Jahr 2016 verantwortlich gemacht hatte.

Nach der Tat sei der 27-Jährige nach Deutschland geflohen. In Deutschland habe ihn der Onkel des getöteten Geschäftsmanns aus Ankara schliesslich aufgespürt und ihn im Frankfurter Hauptbahnhof erschossen.

Experte: «Das hat etwas Demonstratives, vielleicht sogar Inszeniertes»

Gegen den 54-jährigen Schützen wurde inzwischen Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes erlassen. Sein Opfer war nach der Attacke noch am Tatort verstorben. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wollte die Berichte aus der Türkei nicht kommentieren und machte auch bisher keine Angaben, in welchem Verhältnis der mutmassliche Täter und das Opfer standen.

«Das hat etwas Demonstratives, vielleicht sogar Inszeniertes», sagt der Kriminalpsychologe Rudolf Egg über die tödlichen Schüsse. «Wer in aller Öffentlichkeit eine solche Tat begeht, nimmt ein sehr hohes Entdeckungsrisiko in Kauf», sagt der frühere langjährige Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden.

Dem Täter müsse klar gewesen sein, dass Überwachungskameras die Tat aufzeichnen und es viele Zeugen gibt. Er müsse damit gerechnet haben, dass er nicht davonkommt, was eine lebenslange Freiheitsstrafe zur Konsequenz hat.

«Wenn jemand so etwas macht, dann muss er schon ein sehr starkes Motiv haben oder unter sehr grossem Druck gestanden haben», sagt Egg. Vielleicht habe es auch keine andere Möglichkeit gegeben, die Tat zu begehen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Endspurt zur Demokratie
Kaum Probleme bei Parlamentswahlen in Tunesien
Mit überraschend wenigen Zwischenfällen sind die Tunesier in die letzte Phase der Demokratisierung ihres Landes gestartet. Die Parlamentswahl am Sonntag verlief bis zum Nachmittag weitgehend ruhig, Unregelmässigkeiten wurden nur vereinzelt gemeldet.
Zur Story