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«Ihre Zeit ist abgelaufen»: Weidel und Merz greifen sich im Bundestag an

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Alice Weidel und Friedrich Merz (im Hintergrund rechts) treffen heute im Bundestag aufeinander.Bild: keystone

«Ihre Zeit ist abgelaufen»: Schlagabtausch zwischen Weidel und Merz

Drei Tage nach dem haushohen Sieg der AfD über die regierende CDU in Sachsen-Anhalt treffen die Vorsitzenden der beiden Parteien bei einem Rededuell im Bundestag aufeinander – und schiessen aus vollen Rohren gegeneinander.
09.09.2026, 15:5109.09.2026, 15:51

Drei Tage nach dem haushohen Wahlsieg der AfD im Bundesland Sachsen-Anhalt hat der deutsche Kanzler Friedrich Merz die rechtspopulistische Partei im Parlament scharf attackiert. Merz warf der AfD in der Generaldebatte zum Haushalt «Verachtung unserer demokratischen Institutionen» und eine «permanente Herabsetzung der Repräsentanten unseres Staates» vor.

«Sie wollen unser Land destabilisieren», sagte der CDU-Chef. Er warf der AfD auch mit Blick auf den Begriff «Remigration» vor, «ethnische Säuberung» nach Herkunft und Hautfarbe betreiben zu wollen.

Video: watson/mwe

Merz wurde seine ganze Rede über von Zwischenrufen der AfD unterbrochen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner rügte das Verhalten der Abgeordneten der Partei, die vom Verfassungsschutz in mehreren Bundesländern als rechtsextremistisch eingestuft wird. «Wir sind hier nicht auf dem Fussballplatz», sagte die CDU-Politikerin - und drohte Abgeordneten der AfD, sie aus dem Plenarsaal zu werfen.

AfD-Chefin Weidel: «Schwarz-Rot ist vorbei»

Zuvor hatte AfD-Chefin Alice Weidel als Auftaktrednerin erklärt, dass die schwarz-rote Koalition aus Christ- und Sozialdemokraten aus ihrer Sicht am Ende sei. «Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben es Ihnen in der Sprache des demokratischen Souveräns mit aller Klarheit mitgeteilt: Schwarz-Rot ist vorbei», sagte sie. Die Menschen wollten einen Politikwechsel und kein Weiter-so.

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AfD-Chefin Alice Weidel am Mittwoch im Bundestag.Bild: keystone

Es war das erste Aufeinandertreffen von Merz und Weidel nach dem Erdrutschsieg der AfD bei der Wahl im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. Sie konnte ihr Ergebnis von 2021 dabei mehr als verdoppeln und wurde mit 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Mit Hilfe des linkspopulistischen BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) könnte sie nun eine Regierung bilden - ob das BSW dafür zu gewinnen wäre, ist aber noch nicht klar. Die CDU stürzte dagegen um fast 20 Prozentpunkte ab auf nunmehr 17,2 Prozent.

Merz wirft AfD «Wahlbetrug» vor

Für das Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wird in der CDU der Kanzler mitverantwortlich gemacht. Er hatte schon am Montag Fehler und Defizite eingeräumt und versprochen, die Politik der Bundesregierung besser erklären zu wollen. Man müsse «die Menschen auch in ihrer ganzen Emotionalität» stärker erreichen.

Die Generaldebatte war die erste Gelegenheit, sein Versprechen wahrzumachen. In seiner Rede konzentrierte er sich aber zunächst darauf, die stärkste Oppositionspartei zu attackieren - als wenn er selbst der Oppositionsführer wäre.

Dass die AfD in Sachsen-Anhalt nicht die absolute Mehrheit erreicht hat, wertete Merz als Scheitern. Sie habe damit ihr Wahlziel verfehlt. «Nirgendwo in Deutschland werden Sie mit dieser Politik Mehrheiten bekommen», prophezeite er der Partei. Er warf er der AfD in Sachsen-Anhalt «Wahlbetrug» vor, weil sie nun entgegen der Ankündigung vor der Wahl auch ohne eine absolute Mehrheit im Parlament regieren will.

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Merz bei seiner Rede im Bundestag.Bild: keystone

Schon kurz vor der Wahl hatte Merz eine Grundsatzdebatte über ein neues Narrativ für Deutschland gefordert. Im Bundestag wiederholte er, dass es gerade für die jüngeren Generationen eine Erzählung geben müsse, welchen Sinn die Reformen machten. Merz hatte dafür bereits die Überschrift «Wohlstand für alle Generationen» kreiert.

Weidel: CDU «pulverisiert»

Weidel eröffnete die Debatte als Chefin der grössten Oppositionspartei mit scharfen, teils persönlichen Angriffen auf Merz. Er sei in Sachsen-Anhalt nicht nur abgestraft, die CDU sei «pulverisiert» worden, sagte sie. Der Kanzler habe die Botschaft der Wähler in Sachsen-Anhalt nicht verstanden. «Das ist auch nicht weiter relevant, weil Ihre Zeit ist ohnehin abgelaufen. Die Bürger wollen den Politikwechsel, und sie werden ihn bekommen», sagte Weidel. Sie wiederholte das Ziel ihrer Partei, absehbar im Bund zu regieren.

Weidel griff die Finanzpolitik der Bundesregierung an und warf Merz eine beispiellose Schuldenpolitik vor. Die Staatsfinanzen seien zerrüttet. Er hinterlasse «verbrannte Erde». «Sie treiben Deutschland in Rekordzeit in die Staatspleite», sagte Weidel. Der Haushaltsentwurf der Regierung sei eine Kapitulationserklärung der Koalition und verfassungswidrig.

In ihrer Rede attackierte Weidel auch die Migrationspolitik der Regierung und machte diese verantwortlich für Kriminalität und Probleme der inneren Sicherheit im Land. In der Aussenpolitik warf sie der Bundesregierung «Kriegspropaganda» und eine Verschärfung der Konfrontation mit Russland vor. Die AfD-Chefin kritisierte erneut auch die Energiepolitik. Die Energiewende erdrücke die Wirtschaft. «Die Energiewende ist verlorenes und verbranntes Geld.» (sda/dpa)

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Aufstieg der AfD
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Aufstieg der AfD

Die Alternative für Deutschland wird am 14. April 2013 rund um den Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke gegründet. Sie ist zu Beginn eine EU-skeptische, neoliberale Partei.

quelle: imago images
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230 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kettentreffer
09.09.2026 07:27registriert Januar 2022
Der grosse Vorteil der schweizerischen Politik ist, dass Parteien von links nach rechts in der Regierung und in den Räten eingebunden sind. Dies Bundesweit, aber auch in den Kantonen und Gemeinden.
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Pummelfee
09.09.2026 08:03registriert Mai 2020
Die AfD hatte einen Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt. Zwei weitere Abstimmungen stehen bevor. Und Merz will einfach weitermachen wie bisher. Das ist kostenlose Wahlkampagne für die AfD…
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Gottfried Keller
09.09.2026 07:44registriert August 2025
Ich denke Merz und emotional ist ein Widerspruch an sich.
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