Nordstream-Sabotage: Weitere Festnahme von Taucher in Kroatien
Deutschlands oberste Anklagebehörde, die Bundesanwaltschaft, liess den Ukrainer Wolodymyr Z. in Kroatien von dortigen Beamten festnehmen, wie sie mitteilte. Die Behörde in Karlsruhe wirft ihm unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor.
Der Mann ist seit längeren im Visier der Behörden, eine Festnahme aber bereits zweimal gescheitert, wie der Spiegel berichtet. 2024 und 2025 entkam Wolodymyr Z. in Polen. Beim ersten Mal gelang es der polnischen Polizei nicht, den Mann, auf den damals bereits ein europäischer Haftbefehl lautete, zu verhaften. Er konnte sich mit der Unterstützung ukrainischer Behörden in sein Heimatland absetzen.
Beim zweiten Mal wurde Z. in Polen, wohin er zwischenzeitlich zurückgekehrt war, festgenommen – ein Gericht entschied dann aber, die Nordstream-Pipelines seien militärisch legitime Ziele gewesen, und bestimmte deshalb die Freilassung des Mannes. Die Vorfälle sorgten für diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland, Polen und der Ukraine. Beim dritten Mal klappte demnach nun die Festnahme, im kroatischen Ferienort Pula.
Z. soll laut Bundesanwaltschaft als ausgebildeter Taucher an den Tauchgängen in der Ostsee beteiligt gewesen sein, bei denen die Sprengsätze an den Gasleitungen platziert wurden. Für den Transport nutzten er und seine Mittäter demzufolge eine Segeljacht, die aus Rostock startete. Mit Hilfe gefälschter Ausweispapiere soll diese über Mittelsmänner bei einem deutschen Unternehmen angemietet worden sein.
Die Sprengung der Nordstream-Pipelines, Gasrohre durch die Nordsee zwischen Deutschland und Russland, sorgte 2022 für viel Aufsehen und Spekulationen. So wurden zunächst sowohl Russland und die USA, als auch die Ukraine verdächtigt. Ermittlungen deutscher und anderer europäischer Polizeibehörden sowie Medienrecherchen deuteten in der Folge allerdings daraufhin, dass die Verantwortlichen für die Sprengung in der ukrainischen Armee zu verorten sind.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die sieben mutmasslichen Täter mit der Segeljacht Andromeda zu den Gaspipelines begeben hatten – unter ihnen ein Schiffsführer, ein Sprengstoffexperte und vier Tiefseetaucher. Bei Tauchgängen in bis zu 80 Metern Tiefe sollen sie vier mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den Pipelines befestigt haben, die am 26. September 2022 detonierten.
Bereits 2025 wurde der mutmassliche Operationschef, ein Ukrainer namens Serhij K., in Italien während eines Familienurlaubs festgenommen. Er sitzt mittlerweile in Deutschland in Untersuchungshaft. Ob der nun festgenommene Wolodymyr Z. nach Deutschland ausgeliefert wird, ist noch nicht geklärt. Experten sind allerdings aus deutscher Sicht zuversichtlich. Die Festnahme auf der Grundlage eines Europäischen Haftbefehls lässt erwarten, dass die Auslieferung nach Deutschland relativ zügig erfolgen wird.
Der Verdächtige hat die Möglichkeit, seine Auslieferung vor dem Gespanschaftsgericht in Pula zu bekämpfen. Nach kroatischer Rechtslage muss das Verfahren – einschliesslich eventueller Berufung – innerhalb von 60 Tagen abgeschlossen sein.Nach dem rechtskräftigen Urteil muss die Übergabe innerhalb von zehn Tagen erfolgen. Weil es sich um einen Europäischen Haftbefehl handelt, hätte die Zagreber Regierung – wenn sie etwa wie die polnische mit den Anschlagsbeteiligten sympathisieren würde – kaum eine Handhabe, um in das Verfahren einzugreifen. Es wird aber auch nicht erwartet, dass sie das anstreben würde.
(con/sda/dpa)
