International
Deutschland

Nach Hinweis aus Bekennerbrief: Einsatz an deutschem Kraftwerk

Nach Hinweis aus Bekennerbrief: Einsatz an deutschem Kraftwerk

Im Umfeld des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen im Westen Deutschlands zieht die Polizei nach einem Hinweis aus einem Bekennerschreiben immer mehr Kräfte zusammen.
04.09.2026, 10:1704.09.2026, 12:23

Nach dem Fund einer verdächtigen Abschussvorrichtung an einem Umspannwerk in Nordrhein-Westfalen geht die Polizei von einem weiteren Sabotageversuch auf die Energieversorgung aus. Schäden an der kritischen Infrastruktur seien an der Anlage in Dormagen zwischen Düsseldorf und Köln aber nicht entstanden, hiess es.

Damit setzt sich die Serie von Sabotageversuchen auf das Energienetz fort. Zuletzt hatten Unbekannte Stromleitungen in Jänschwalde in Brandenburg und in Bergheim westlich von Köln angegriffen.

Einsatz an deutschem Kraftwerk

Auch am Freitagmorgen gab es Einsätze an weiteren Standorten mit kritischer Energieinfrastruktur: In der Nähe von Aachen wurde ein Umspannwerk in Weisweiler abgesucht. Es gebe ein Bekennerschreiben, in dem eine weitere Tat dort erwähnt werde, sagte ein Polizeisprecher.

Mitarbeiter der Spurensicherung sind in Schutzanzügen und mit Atemschutz im Einsatz. Sie fokussieren sich auf mehrere Stellen auf einem Feld und in einem Gebüsch in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks und einem Umspannwerk in der Stadt Eschweiler, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) beobachtete. Die Bereiche wurden von Beamten fotografisch dokumentiert.

Zuvor waren zwei Bekennerschreiben aufgetaucht, die nach dpa-Informationen beide von einem Mann aus Gevelsberg bei Hagen (Nordrhein-Westfalen) stammen sollen. Darin hatte der Mann die jüngsten Angriffe auf das Energienetz in Brandenburg und in Nordrhein-Westfalen für sich reklamiert. Ausserdem hatte er Weisweiler als weiteren Tatort genannt.

In Niedersachsen untersuchten Einsatzkräfte zudem das Gelände an einem Umspannwerk in Ganderkesee bei Oldenburg. Eine Polizeistreife habe dort eine Feststellung getroffen und weitere Kräfte angefordert, sagte eine Sprecherin. Weitere Details nannte sie nicht.

Spaziergänger entdeckte Abschussvorrichtung

Zu dem Fall in Dormagen seien die Ermittlungen noch ganz am Anfang, betonte die Polizei. Am Donnerstagabend hatte ein Spaziergänger an dem Umspannwerk mutmassliche Abschussvorrichtungen entdeckt und die Behörden alarmiert. Die gefundenen Konstruktionen ähneln laut Polizei stark den Abschussvorrichtungen, mit denen Unbekannte in Bergheim Kabel über die Oberleitungen geschossen und so mehrere Kraftwerksblöcke lahmgelegt hatten.

Nach Informationen der «Bild» waren an den Abschussvorrichtungen Zeitschaltuhren und Kupferdrähte befestigt. Die Polizei bewertet den Fall als Sabotagedelikt.

Bekennerschreiben ging auch an Zeitung

Die «taz» berichtete am Donnerstagabend, sie habe ein Bekennerschreiben zu dem Vorfall in Brandenburg erhalten, das laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen abgeschickt worden sei. Nach Angaben der Zeitung stellt sich der Absender als Einzeltäter dar, der die verwendeten Selbstbauraketen im Detail beschreibt. Er habe als Motiv «unermessliches Leid» genannt, das die Nutzung fossiler Brennstoffe verursache.

Die «taz» wies nach umfassender Recherche ausdrücklich darauf hin, dass nicht zweifelsfrei geklärt werden könne, ob der Verfasser des Schreibens auch der Täter sei. Die Tat in Bergheim werde in diesem Schreiben nicht erwähnt, betont die Zeitung.

Brandenburg will kritische Infrastruktur besser schützen

Als Reaktion auf die Stromnetz-Sabotage nahe dem Kraftwerk Jänschwalde kündigte das brandenburgische Innenministerium am Donnerstag ein neues Sicherheitszentrum im Land zum Schutz von kritischer Infrastruktur an. Die Angriffe auf das Stromnetz in Jänschwalde sowie in Bergheim zeigten, wie bedroht die kritische Infrastruktur in Deutschland sei und dass sie dringend geschützt werden müsse. «Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind», sagte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU).

Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Hans Ernis Wandgemälde «Die Schweiz, das Ferienland der Völker»
1 / 7
Hans Ernis Wandgemälde «Die Schweiz, das Ferienland der Völker»

Ausschnitte aus dem Wandgemälde «Die Schweiz, das Ferienland der Völker» von Hans Erni, entstanden 1939.

quelle: schweizerisches nationalmuseum / hans erni-stiftung luzern
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Zwei Arbeiter nach neun Tagen aus Tunnel in Nepal gerettet
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
7 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7
Erderwärmung erhöhte Risiko für Sturzflut in Nepal
Die Erderwärmung erhöht die Wahrscheinlichkeit für verheerende Sturzfluten wie die im Himalaya Ende August. Das geht aus einer Analyse der Forschungsinitiative World Weather Attribution (WWA) hervor.
Zur Story