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Kemal Kocak

Kemal Kocak Bild: screenshot hessenschau

«Ich möchte keine Angst haben»: So nimmt ein Freund der Hanau-Ermordeten Abschied

Philipp Luther / watson.de



Hanau gedenkt der Ermordeten vom 19. Februar. In der deutschen Stadt hat am Mittwochabend die zentrale Trauerfeier für Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Said Nessar El Hashemi, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Vili Viorel Păun und die Mutter des rassistischen Attentäters Tobias R. stattgefunden.

Die Trauerfeier stand unter der Überschrift «Die Opfer waren keine Fremden».

Hanaus Oberbürgermeister, Claus Kaminsky (SPD) sagte, die Stadt werde für immer mit dem Anschlag verbunden sein.

«Dies tut unendlich weh. Auch wenn dieser Schmerz nicht mit dem Leid der Opfer und dem Schmerz der Angehörigen zu vergleichen ist»

OB Claus Kaminsky

In Hanau gebe es eine grosse und gute Tradition im Zusammenleben der unterschiedlichsten Menschen. «Wir glauben unterschiedlich, wir leben unterschiedlich, wir sprechen auch unterschiedlich, aber uns eint der Respekt vor den Mitmenschen, die Nächstenliebe, die Toleranz und auch die unerschütterliche gemeinsame Freude am Leben in dieser Stadt», so der SPD-Politiker.

«Sie alle haben diese Stadt mitgeprägt, sie alle gehören zu dieser Stadt, sie alle sind Hanauer»

Kaminsky

Freund der Ermordeten sagt, was alle hören sollten

Nach dem Bürgermeister sprach Kemal Kocak, ein Freund der Ermordeten. «Was vorgefallen ist, tut mir so in der Seele weh. Mein Herz blutet dermassen, ich kann nicht in Worten beschreiben, was passiert ist.»

An die Gäste der Trauerfeier gerichtet, sagte Kocak: «Ihr müsst euch einfach mal vorstellen, jeder von den Angehörigen und Freunden isst gerade irgendwo, und hat noch so viele Ziele für den nächsten Tag. Und einer kommt, der nicht so denkt wie wir, und der nicht so ist, wie wir, und nimmt das Leben der Brüder. Und der Schwestern.»

Dann legte Kocak eine kurze Pause ein, bevor er sagte:

«Ich verstehe das nicht»

Später in seiner Rede richtete Kocak das Wort an, wie er es sagte, «die oben, die am grossen Hebel stehen»: «Wir wollen Taten sehen.»

Er selbst, so erzählte Kocak, sei am Dienstagabend zuhause gesessen, es sei spät gewesen, die beiden Kinder und seine Frau hätten geschlafen, als ihm dies hier passiert sei:

«Ich habe Angst gehabt, in meiner eigenen Wohnung, vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer zu gehen. Ich habe Angst gehabt. Aber ich möchte keine Angst haben»

Die gesamte Rede kannst du hier sehen:

abspielen

Video: YouTube/Alternative für Denker AfD

Für seine bewegende Rede, in der er auch persönliche Erinnerungen an die Ermordeten teilte, erhielt Kocak viel Zuspruch, insbesondere auf Twitter.

Zu den rund 650 geladenen Gästen gehören der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU). Aufgrund des hohen öffentlichen Interesses wurde die Veranstaltung auf zwei Plätzen in der Innenstadt live übertragen. Die Trauerfeier wurde begleitet von hohen Sicherheitsmassnahmen. Bereits am Nachmittag riegelte ein Grossaufgebot der Polizei die Innenstadt ab.

Auf dem Marktplatz und dem Freiheitsplatz versammelten sich nach Angaben der Polizei zu Beginn der Veranstaltung rund tausend Menschen.

(mit Material von sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sherlock_Holmes 05.03.2020 11:09
    Highlight Highlight Die Worte von Kemal Kocak machen deutlich, was uns alle verbindet.

    In Momenten wo wir uns einander ungeschützt und bedingungslos zuwenden, öffnen, Anteil nehmen und geben, begegnen wir uns nicht nur als Menschen, sondern als Beseelte.

    Freude, Güte, Liebe, Vertrauen und Hoffnung – aber auch Angst, Leid, Argwohn, Wut und Hass – sind als conditio humana universell.

    Es ist unsere Entscheidung, welchen Gefühlen wir Raum geben. Das eine baut auf, das andere zerstört.

    Die Worte von Kemal Kocak machen auch deutlich, dass wir letzterem keinen Raum geben dürfen.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 05.03.2020 09:08
    Highlight Highlight Auf Verbrechen von Rechten, die eine menschenverachtenden Ideologie folgen, muss nun reagiert werden. Diese Gruppierungen müssen so stark überwacht werden wie islamistische Extremisten.

    In Deutschland gab es seit 1990 über 200 Morde mit rassistischem Hintergrund. Das ist nicht mehr schön zu reden.

    Wenn die Täter aus den eigenen Kreisen kommen, dann hat die Gesellschaft Mühe, damit umzugehen. Dann nennt man die Mörder Einzeltäter, psychisch krank oder sonstwas, aber woher haben diese Leute die Ideologie, wer zur Gesellschaft dazugehören soll und wer nicht? Woher kommt dieser Hass?
  • Name_nicht_relevant 05.03.2020 08:03
    Highlight Highlight Mein beileid allen angehörigen, möge das Gute in uns Siegen u. all die Bösen aussterben lassen. Ich werde u. kann niemals verstehen warum jemand mordet u. unschuldige Lebewesen auslöscht. Wir haben alle Ziele u. ein Recht auf Leben u. Leben lassen, wir sind alle Kinder, Schwester, Bruder, Freund oder Eltern. Auch wenn man uns nicht mag, es gibt andere die uns Lieben oder brauchen. Wir dürfen nicht egistisch sein u. nur an unser Leid denken, den wir wissen nicht ob wir genau diesen Menschen eines Tages oder jeden Tag brauchen oder er/sie gebraucht wird. R.I.P. den Opfern auf der ganzen Welt.

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