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Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt: Das sagt die deutsche Presse

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Mitglieder der AfD freuen sich über den Wahlsieg ihrer Partei in Sachsen-Anhalt.Bild: keystone

«Friedrich Merz ist der falsche Mann in diesem Amt»: Das sagt die internationale Presse

Die Reaktionen zum historischen Wahlsieg der AfD im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt fallen dramatisch aus. Die Presseschau.
06.09.2026, 20:1807.09.2026, 01:27

Deutschland

«Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ)

«Wer Sicherheit, Wirtschaft und Gesellschaft in die Hände von Politikern geben will, die Deutschland zum Spielball der Grossmächte und eines romantisch-neurotischen Volksglaubens machen, der weiss nicht, was er tut.»

So heisst es in der FAZ. Man müsse der Koalition im Bundestag bei aller berechtigten Kritik dankbar sein, «die Deutschen jeden Tag daran zu erinnern, was demokratische Politik eigentlich ist: nicht die Zerstörung, nicht die reine Lehre, sondern das Mögliche».

«Der Spiegel»

Im Spiegel heisst es:

«Diese Wahl ist ein Sprung in eine neue Dimension. Bislang war die AfD für ihre Gegner ein Horror, aber sie war weit weg von der Macht (...) Nun hat sie die Schwelle zur Machtzone erreicht.»

Für die CDU stelle der Abend eine «brutale Niederlage» dar. Angesichts des Absturzes sei offen, ob sich Sven Schulze halten könne. Der Spiegel geht aber noch weiter:

«Es kommt also auch auf Berlin an, auf die Koalition, die dort regiert. Sie braucht eine Stunde null, einen Neuanfang und der beginnt bei Friedrich Merz. Er ist offenkundig der falsche Mann in diesem Amt in diesen Zeiten. CDU und CSU müssen sich überlegen, ob sie mit ihm weitere Wahlkämpfe riskieren wollen.»

«Die Zeit»

Die sozialliberale Wochenzeitung weist daraufhin, dass der Moment, in dem die AfD so stark werden würde, dass man sie kaum noch von der Macht fernhalten könne, sich seit Jahren angebahnt habe. Vielleicht gelinge es auch dieses Mal noch, ein «paar Tage, ein paar Wochen, ein paar Monate».

«Noch nie seit 1990 und, tja, auch noch nie seit 1945 hat eine in weiten Teilen rechtsextreme Partei eine Wahl auf Bundes- oder Landesebene so kolossal für sich entschieden. Das wird die politische Kultur, die Verhältnisse, die ganze verdammte Lage verändern.»

Diese Wahlnacht habe das Potential, den Blick der Welt auf Deutschland zu verändern, das Verhältnis zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland ins Wanken zu bringen, den Kanzler zu stürzen.

«Süddeutsche Zeitung» (SZ)

Die SZ schreibt:

«Das Wahlergebnis der AfD gilt manchen als Meilenstein der Normalisierung der Partei.»

Viele ihrer Wähler hätten sich lange nicht zu erkennen gegeben. «Das war im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt nicht mehr der Fall.» Das Ergebnis werde auch die Diskussionen über die sogenannte Brandmauer und ein AfD-Verbotsverfahren beeinflussen.

«Neue Osnabrücker Zeitung»

«Sachsen-Anhalt könnte zur Warnung werden», heisst es in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Zwar habe in anderen europäischen Ländern eine erstarkende Rechte zu deren Mässigung geführt, doch auch, dass eine AfD im Rausch ihrer Stärke über die Stränge schlage, sei denkbar.

«Am besten wäre ein dritter Trend: dass das Wahlergebnis dazu führt, sich zusammenzureissen und Kurs und Tonlage im ganzen Land zu ändern, egal wer regiert.»

«Münchner Merkur»

Der Münchner Merkur geht auf das internationale Signal ein. «Insgesamt fast 60 Prozent für russlandnahe Parteien, das ist mit dem Begriff ‹historisch› noch zurückhaltend beschrieben», heisst es. Im Kreml hätten nach dem AfD-Wahlsieg die Korken geknallt.

Schweiz

«Tages-Anzeiger»

Auch in der Schweiz sorgen die Wahlen in Sachsen-Anhalt für Schlagzeilen. «Das Wahlergebnis schwächt die Bundesregierung in Berlin», heisst es im Tages-Anzeiger. Die AfD stelle den deutschen Kanzler mit einem Erdrutschsieg «vor sein bisher grösstes Problem».

NZZ

«In Sachsen-Anhalt haben die Wähler die alte Ordnung abgewählt. Aber sie haben keine neue bestellt.»

So titelt die NZZ am Wahlabend. Als eindeutige Siegerin sei die AfD nicht mehr politisch zu isolieren. «Im Gegenteil: Sie bestimmt so oder so inzwischen mit, unter welchen Bedingungen in dem ostdeutschen Bundesland überhaupt Mehrheiten entstehen können.»

Frankreich

«Le Monde»

Die AfD erzielt einen historischen Durchbruch in Sachsen-Anhalt, schreibt die französische Zeitung Le Monde. Auch in Frankreich sieht man die Partei des deutschen Bundeskanzlers am Ende:

«Die CDU unter Friedrich Merz bricht ein.»

Italien

«La Repubblica»

Die liberale römische Zeitung spricht von einer «schwarzen Welle», die Sachsen-Anhalt überrollt habe. Sie zitiert den italienischen Aussenminister Antonio Tajani, der von einem «himmeltraurigen Abend» spricht und darauf hofft, das Ergebnis in Sachsen-Anhalt bleibe eine regionale Ausnahme.

«Corriere della Sera»

Die Mailänder Zeitung spricht von einem historischen Abend, der Angst mache. Sie analysiert, dass die AfD noch besser abgeschnitten habe als erwartet und das damit eingetreten sei, wovor sich viele in Deutschland fürchteten: eine Regierung unter Führung der AfD ist möglich. Das Zünglein an der Waage spiele nun das Bündnis Sahra Wagenknecht.

Grossbritannien

BBC

«Seit dem Zweiten Weltkrieg hat keine rechtsextreme Partei in Deutschland die Kontrolle über ein Bundesland erlangt», heisst es in Grossbritannien von der BBC. Die AfD habe mit dem Resultat ihre etablierten Konkurrenten weit hinter sich gelassen.

«The Economist»

Jubel sei durch das Alte Theater in Magdeburg gebrandet, dem Ort, wo sich die AfD am Wahltag versammelt hatte, beschreibt «The Economist» den Moment der ersten Hochrechnung:

«Dieses Resultat wird weit über dieses relativ kleine, ländlich geprägte Bundesland hinauswirken.»

USA

CNN

In den USA ist man noch skeptisch. «Deutschlands rechtsextreme AfD wird voraussichtlich in einem ostdeutschen Bundesland gewinnen, doch es ist unklar, ob sie dort regieren kann», schreibt CNN im Titel.

«New York Times»

Das US-Leitmedium zitiert einen Experten für Internationale Angelegenheiten, der sagt, dass das Resultat in Sachsen-Anhalt symptomatisch dafür sei, «dass es den etablierten Parteien nicht merh gelingt, stabile Koalitionen zu bilden.» Zudem streicht die New York Times die hohe Wahlbeteiligung heraus und, damit verbunden, die Tatsache, dass die AfD bei vielen Erstwählenden gepunktet hat.

(hkl/her)

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