International
Deutschland

Wie taktisches Wählen eine AfD-Mehrheit in Sachsen-Anhalt verhindern könnte

Landesparteitag der AfD Sachsen-Anhalt am 11.04.2026 in der Hyparschale Magdeburg in Magdeburg Ulrich Siegmund Spitzenkandidat der AfD Sachsen-Anhalt f�r die Landtagswahl 2026 *** State party conferen ...
Ulrich Siegmund Spitzenkandidat der AfD Sachsen-Anhalt für die Landtagswahl 2026.Bild: www.imago-images.de

Wie taktisches Wählen eine AfD-Mehrheit in Sachsen-Anhalt verhindern könnte

Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt klar die nächste Landesregierung stellen. Das wird aber davon abhängen, welche Parteien über die Fünfprozenthürde kommen.
11.08.2026, 21:2011.08.2026, 21:20
Marisa Lattemann / t-online
Ein Artikel von
t-online

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September könnte die AfD die absolute Mehrheit der Sitze gewinnen und erstmals eine Regierung auf Landesebene bilden. Das wäre vor allem dann wahrscheinlich, wenn es die kleineren Parteien nicht in den Landtag schaffen und die Mandatsverteilung folglich zugunsten der AfD ausfiele.

Wer dieses Szenario verhindern will, kann taktisch wählen, also die eigene Stimme gezielt einsetzen. Taktisch Wählende würden derjenigen Partei ihre Stimme geben, die die gewünschte Mehrheitsbildung am ehesten unterstützt, statt ausschliesslich die Partei zu wählen, die sie persönlich bevorzugen.

Die Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sehen die AfD mit rund 42 Prozent als die mit Abstand stärkste Kraft. Da jedoch fast alle anderen Parteien eine Koalition mit dem vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Landesverband ausgeschlossen haben, bleibt der AfD nur die Möglichkeit einer Alleinregierung. Dafür bräuchte die Partei mindestens 50 Prozent der Stimmen oder die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag.

Wie Wähler eine AfD-Mehrheit verhindern könnten

Die absolute Mehrheit im Landtag erreicht die AfD leichter, wenn kleine Parteien an der Fünfprozenthürde scheitern und nicht in den Landtag einziehen. Die AfD hätte dann zwar dieselbe Anzahl an Stimmen, aber weniger politische Gegner im Parlament, da die Stimmen, die für die kleinen Parteien abgegeben wurden, verfallen. Die AfD hätte dann die Mandatsmehrheit.

Konkret geht es bei der Sachsen-Anhalt-Wahl um die SPD, die in den Umfragen zwischen fünf und sieben Prozent schwankt. Auch die Grünen, FDP und BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) drohen bei der Wahl an der Fünfprozenthürde zu scheitern.

Könnte die SPD ihren derzeitigen Stand in den Umfragen halten oder gar ausbauen, könnte sie gemeinsam mit CDU und der Linken einen ungefähren Gleichstand an Sitzen erreichen. Würden es auch die Grünen wieder in den Magdeburger Landtag schaffen, läge die Mehrheit mit etwa 47 Prozent bei den anderen Parteien, also nicht mehr bei der AfD. Gleiches gälte für BSW und FDP.

Um jedoch abschätzen zu können, wo die Wahlstimme in taktischer Hinsicht am meisten Sinn ergibt, müssen die Wählenden abschätzen können, wie es um die Mehrheitsverhältnisse der Parteien steht. Denn gehen nicht genügend Stimmen an eine Partei, um sie über die Fünfprozenthürde zu hieven, dann werden sie, taktisch oder nicht, nicht berücksichtigt. Die Gefahr dafür ist am grössten, wenn mehrere Parteien an der Fünfprozenthürde scheitern, so wie es jetzt in Sachsen-Anhalt denkbar wäre.

Wahlempfehlung per Postleitzahl

Um das zu verhindern, gibt es bereits einige Initiativen. Die Kampagne «Taktisch Wählen» etwa hat ein Online-Tool eingerichtet, in dem Wählende aus Sachsen-Anhalt ihre Postleitzahl eingeben können und errechnet bekommen, an wen sie ihre Erst- und Zweitstimme taktisch am besten vergeben sollten. Dabei spricht «Taktisch Wählen» weder Empfehlungen für die FDP noch für das BSW aus.

Zu den Gründen erklärte Magdalena Hess, Mitinitiatorin der Kampagne, die FDP habe aus ihrer Sicht derzeit keine realistische Chance, die Fünfprozenthürde zu überwinden. Zudem schliesse die FDP in Sachsen-Anhalt zwar eine Koalition mit der AfD aus, nicht jedoch grundsätzlich gemeinsame Mehrheiten oder eine Zusammenarbeit bei einzelnen Abstimmungen. Aus demselben Grund empfehle «Taktisch Wählen» auch nicht das BSW.

Damit zieht «Taktisch Wählen» aber auch Kritik auf sich. Janek Treiber, Politikwissenschaftler an der TU Dresden, wirft dem Betreiberunternehmen The Goodforces vor, Wahlwerbung für SPD und Grüne zu machen. Schliesslich liefen die Ratschläge der Kampagne immer auf Wahlempfehlungen für eine der beiden Parteien hinaus, so Treiber.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Gianni Infantino – aus einem Dorf im Wallis an die Spitze der FIFA
1 / 28
Gianni Infantino – aus einem Dorf im Wallis an die Spitze der FIFA

Seit 2016 ist Gianni Infantino Präsident des Weltfussballverbands FIFA. Das waren die wichtigsten Momente und Stationen in der Karriere des Wallisers.

quelle: keystone / tony gutierrez
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Grossbrand und Explosionen in Schaffhausen: Das sind die Videos
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
103 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Intensiv Elefant
11.08.2026 21:31registriert März 2026
Dieses taktische Wählen ist doch genau das Problem: Seit Jahren versuchen die etablierten Parteien mit allen möglichen Tricks, die AfD aus dem Parlament oder von Mehrheiten fernzuhalten, statt sich ehrlich mit ihren Wählern auseinanderzusetzen. Wenn die AfD stärkste Kraft wird, sollte das Ergebnis akzeptiert werden. Demokratie bedeutet nicht, so lange taktisch zu wählen, bis das gewünschte Ergebnis herauskommt.
9232
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sandlerkönig Eberhard
11.08.2026 22:35registriert Juli 2020
Wow. Irgendeine Partei wählen, die man eigentlich gar nicht wählen will, nur damit eine andere Partei nicht gewählt wird.

So schaut komplettes Versagen aus. Ein Armutszeugnis schlechthin.
6612
Melden
Zum Kommentar
avatar
Corahund
11.08.2026 22:05registriert März 2014
Es gibt keinen triftigen Grund, den Wahlsieg der AFD zu verhindern. Wenn sie die Mehrheit haben, können sie sich in der Regierung beweisen. Dann hat das Volk so entschieden; Punkt.
6025
Melden
Zum Kommentar
103
Grossbrände in russischem Hinterland nach ukrainischen Angriffen
Die Ukraine hat bei neuen massiven Drohnenangriffen im russischen Hinterland mindestens eine Ölraffinerie und Lagerhallen des landesweit grössten Online-Versandhändlers Wildberries in Brand gesetzt.
Zur Story