Anschlagsversuch in Leipzig: Ermittler finden weitere Drohne
Beim Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen Anfang August sind Recherchen von WDR, NDR und «Süddeutscher Zeitung» (SZ) zufolge mehr Drohnen zum Einsatz gekommen, als bisher bekannt. Es seien ein weiteres Fluggerät und möglicherweise militärischer Sprengstoff gefunden worden.
Die erste Drohne war auf dem Flughafengelände in der Nähe eines ukrainischen Atonow-Frachtflugzeugs gefunden worden. Sie war mit Sprengstoff präpariert, sollte Ermittlungen zufolge den Flieger angreifen, doch der Zünder war offenbar defekt.
Eine zweite Drohne soll in der Luft mit einem Frachtflugzeug von DHL kollidiert sein, das durch die Sperrung des Flughafens kurz vor der Landung durchstarten musste.
Die in dem Szenario neue dritte Drohne wurde den Recherchen zufolge am frühen Abend des 14. August – zehn Tage nach dem Fund der ersten Drohne – auf einem Feld im Kabelsketal gefunden. Die Gegend im Saalekreis in Sachsen-Anhalt grenzt unmittelbar an den westlichen Teil des Leipziger Flughafens.
Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft wollte sich am Montag auf Anfrage nicht dazu äussern, schreiben WDR, NDR und SZ.
Wohl 50 Gramm Hexogen gefunden
Unter Berufung auf Sicherheitskreise heisst es weiter, dass die Ermittler am 15. August an der Fundstelle der Drohne zusätzlich eine Substanz entdeckt haben sollen, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um rund 50 Gramm des hochexplosiven Sprengstoffs Hexogen gehandelt haben könnte.
Technisch gesehen ist Hexogen (auch RDX genannt) einer der Hauptbestandteile des militärischen Sprengstoffs Semtex. Bei der industriellen Herstellung werden Hexogen und ein weiterer hochbrisanter Sprengstoff namens PETN (Nitropenta) vermischt. Hinzu kommen Plastifizierer (Weichmacher) und Bindemittel. Der Sprengstoff sieht in seiner Grundform aus wie gewöhnliche Knetmasse. Die Farbe variiert je nach genauer Zusammensetzung. (dsc)
Die zweite, mit der DHL-Maschine kollidierte Drohne wurde bisher noch nicht gefunden. Nach Einschätzung der Ermittler könnte sie allerdings nach dem Zusammenstoss mit dem Flugzeug auch in die Triebwerke geraten und in kleinste Teile zerteilt worden sein, so WDR, NDR und SZ.
Nördlich des Leipziger Flughafens hatten Ermittler eine technische Konstruktion entdeckt, die möglicherweise für die Steuerung dieser Drohne genutzt wurde.
Russische Geheimdienste hinter Anschlagsplänen vermutet
Bislang ist nicht bekannt, wie der Anschlag ablaufen sollte und wer dahintersteckt. Sicherheitskreise gehen gemäss deutschen Medienberichten davon aus, dass russische Geheimdienste in die Planung involviert waren.
Der Kreml hat jegliche Verantwortung öffentlich zurückgewiesen. Die deutschen Ermittler verfolgen derzeit mehrere Spuren, die unter anderem auf gefundener DNA beruhen.
Das ZDF bestätigte unter Berufung auf Ermittlerkreise nur, dass tatsächlich DNA-Spuren gefunden worden sind. Laut den Recherchen der ZDF-Journalisten befanden sich diese Spuren zudem auf einer improvisierten Antenne, die zur 5G-Steuerung der Drohne in einem Baum in einem Waldstück nördlich des Terminals montiert war.
Quellen
- tagesschau.de: Ermittler finden weitere Drohne und Sprengstoff
(dsc/t-online)

