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«Grossschadenslage» nach Anschlag auf Stromnetz in Berlin

Stromausfall Bahnhof Wannsee, Berlin Zehlendorf. Zehntausende Haushalte sind seit Samstagmorgen im Berliner S�dwesten ohne Strom, bei Minusgraden und Schneefall. Grund daf�r ist ein Anschlag von Links ...
Auch die S-Bahnen und Regionalzüge sind vom Stromausfall in Berlin betroffen.Bild: imago

«Grossschadenslage» nach Anschlag auf Stromnetz in Berlin

04.01.2026, 22:0804.01.2026, 22:08

Zehntausende Menschen mitten im Winter ohne Strom, Heizung und warmes Essen, Dunkelheit und ein Grosseinsatz von Polizei und Rettungskräften: Der Anschlag auf die Berliner Stromversorgung vom Samstag hat für die Hauptstadt dramatische Folgen, die noch tagelang zu spüren sein werden. Einen Tag nach der Attacke auf wichtige Kabel nahe einem Kraftwerk im Berliner Südwesten steht für Politik und Behörden fest, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen.

Ein aufgetauchtes Bekennerschreiben einer «Vulkangruppe» sei authentisch, teilte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) mit. Zuvor hatte der Staatsschutz der Polizei das Schreiben geprüft, das auch auf mehreren einschlägigen Webportalen veröffentlicht wurde. Gleichzeitig rief Berlin eine sogenannte Grossschadenslage aus, um so leichter etwa Hilfe der Bundeswehr in Anspruch nehmen zu können.

Zweiter Anschlag binnen weniger Monate

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zu dem Schreiben:

«Es ist inakzeptabel, dass erneut offenkundig Linksextreme unser Stromnetz angreifen und damit Menschenleben gefährden. Wir werden massiv und ganz engagiert ermitteln, wer diese Täter sind, die verdienen eine wirklich gerechte Strafe.»

Erst im September 2025 hatte ein ähnlicher Anschlag einen grossen Blackout im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick zur Folge.

Das lange Konvolut der mutmasslichen Täter im aktuellen Fall trägt die Überschrift «Den Herrschenden den Saft abdrehen». Es hiess dort:

«In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört.»

Das Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde sei «erfolgreich sabotiert» worden. «Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft», behauptet die Gruppe in dem Schreiben.

In Sichtweite des Kraftwerks hatte am frühen Samstagmorgen ein Brand an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal mehr als ein Dutzend wichtige Leitungen beschädigt, darunter mehrere Hochspannungsleitungen. Nach Angaben der für Energie zuständigen Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) wurden Brandsätze direkt unter den Kabeln platziert, die mit grosser Hitze die Leitungen zerstörten.

Zehntausende Haushalte ohne Strom

Von dem so ausgelösten Stromausfall waren zunächst 45'000 Haushalte und mehr als 2'200 Unternehmen betroffen. Inzwischen wurden 14'000 Haushalte und 500 Gewerbekunden wieder angeschlossen, wie Stromnetz Berlin am Abend mitteilte. Betroffen sind die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde, in denen es viele Einfamilienhäuser und Villensiedlungen gibt, aber auch Hochhäuser. Die Polizei sucht mit einem Aufruf nach Zeugen.

Stromausfall voraussichtlich noch bis Donnerstag

Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin so schwerwiegend und die Reparatur so kompliziert, dass die Notlage aussergewöhnlich lange dauern wird. Erst am Donnerstagnachmittag könnten voraussichtlich alle Stromkunden wieder versorgt werden.

Bei frostigen Temperaturen und reichlich Neuschnee stellt das viele Menschen vor erhebliche Probleme. Mehrere grosse Krankenhäuser in den Stadtteilen wurden zwar nach einem Tag wieder an das Stromnetz angeschlossen und mussten dank Notstromaggregaten nicht evakuiert werden.

Viele Alltagsprobleme für die Menschen

Vom Stromausfall sind aber auch zahlreiche Pflegeeinrichtungen und pflegebedürftige Menschen in ihren Wohnungen betroffen. Der Berliner Senat sei in enger Abstimmung unter anderem mit der Feuerwehr, um diese Menschen notfalls in Pflegeeinrichtungen in anderen Stadtteilen zu verlegen, die freie Kapazitäten gemeldet hätten, so Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD).

Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Feuerwehr richteten etwa in einem Freizeitzentrum oder im Rathaus Zehlendorf Notunterkünfte ein, in denen Menschen die Nacht verbringen, sich aufwärmen, etwas essen und trinken können. In der ersten Nacht wurden diese nach Angaben des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf nur von wenigen genutzt, darunter von einer 97 Jahre alten Rentnerin.

Auch Kirchengemeinden öffneten ihre Räume. Viele ältere oder gebrechliche Menschen können solche Angebote indes schon deshalb nicht nutzen, weil die Aufzüge in ihren Hochhäusern nicht funktionieren und sie in Wohnungen in zunehmender Kälte sitzen.

Handys aufladen

Wichtig ist für viele Leute, ihre Handys aufzuladen. Das können sie in den Notunterkünften, aber auch anderen dezentralen Anlaufpunkten, die etwa Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk eilig aufbauten. Dort kann man auch Notrufe absetzen. Internetempfang haben die meisten in den betroffenen Stadtteilen nicht.

Ebenfalls als Folge des Stromausfalls gab es erhebliche Störungen bei den S-Bahn-Linien 1 und 7. Eine Bahnsprecherin teilte am Abend mit, die S-Bahn-Linie 7 solle von 22.00 Uhr an am Sonntagabend wieder im 20-Minuten-Takt fahren. Der Regionalexpress 1 zwischen Potsdam und Berlin laufe seit etwa 18.30 Uhr wieder.

Etliche Supermärkte blieben am Samstag dicht, am Montag dürfte es nicht anders sein.

Schulen dicht

Im Gebiet ohne Strom bleiben von Montag bis zunächst einschliesslich Mittwoch rund 20 Schulen geschlossen, wie die Bildungsverwaltung mitteilte. Bei dringendem Bedarf werde in Schulen mit Strom eine Notbetreuung für Schüler eingerichtet, hiess es.

Viele Menschen in Zehlendorf beschwerten sich im Gespräch mit einem dpa-Reporter über mangelnde Informationen und aus ihrer Sicht zu wenige praktische Alltagshilfen. «Man ist abgeschnitten von der Welt», sagte etwa eine Frau, in deren Wohnung die Temperatur bereits auf 14 Grad abgesunken sei.

Es gibt aber auch viele Beispiele von Nachbarschaftshilfe oder andere Unterstützung. So bedankte sich die Leitung des Diakonie-Hospizes Wannsee, dass Feuerwehrleute ohne Wenn und Aber dabei geholfen hätten, die Bewohner in ein Krankenhaus in der Nähe zu bringen, das Hilfe angeboten habe. Dort könnten die Menschen weiter vom Hospizteam betreut werden. (sda/dpa)

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Garp
05.01.2026 08:42registriert August 2018
Die Terroristen schreiben: «Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft»

Das ist doch lächerlich, wenn man Brandsätze an Stromkabel legt. Auch viele können sich nicht aussuchen, ob sie mit Gas kochen wollen oder nicht. Sie setzten bewusst Menschenleben aufs Spiel.
Ich hoffe man findet sie bald und sie werden auch angemessen bestraft.
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