Rumänien: Wer Blut spendet, bekommt mehr Anleihen-Rendite
Staaten finanzieren sich zu einem bestimmten Teil über Staatsanleihen, für die sie eine feste Rendite versprechen. Steigen die Staatsschulden, steigen auch die Renditen. Doch Rumänien bietet noch mehr als die weltweit durchschnittlichen fünf bis sechs Prozent für zehnjährige Anleihen – allerdings unter einer Bedingung.
Das Land hat ein Programm ins Leben gerufen, mit dem es gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Denn wer in dem Land Blut spendet, bekommt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg einen Prozentpunkt mehr als den marktüblichen Zinssatz für Staatsanleihen. Gleichzeitig werden Blutspenden attraktiver gemacht.
«Anleihen gegen Blut» ist ein Programm, mit dem die Rendite auf über sieben Prozent erhöht werden kann. Seit 2025 hat es bereits 600 Millionen US-Dollar (knapp 500 Millionen Franken) in die Staatskasse gespült. Das Geld kam von Zehntausenden Kleinanlegern, so Bloomberg. Es ist Teil des Fidelis-Projekts, mit dem Privatanleger in die Staatspapiere gelockt werden sollen. Mittlerweile macht es laut Bericht ein Fünftel der Summe aus, die Rumänien als Schulden aufnimmt.
Es wurde 2020 aufgelegt und ermöglicht es Bürgern, über die Bukarester Börse direkt in rumänische Staatsanleihen zu investieren – in Leu oder Euro, mit verschiedenen Laufzeiten von zwei bis zehn Jahren. Die Mindestanlagesummen sind bewusst niedrig gehalten, um auch Kleinsparer anzusprechen. Seit dem Start hat das Programm über 62 Milliarden Lei (rund 12,5 Milliarden Euro) eingesammelt, allein 2025 waren es mit über 21 Milliarden Lei so viel wie nie zuvor in einem einzelnen Jahr.
Kleine Länder gehen neue Wege bei Anleihen
Das Beispiel zeigt, wie Regierungen versuchen, neue Wege bei der Finanzierung zu gehen. Der Schuldenberg von Staaten wächst, und viele institutionelle Anleger fragen nach immer höheren Renditen. Das wiederum lässt die Schulden weiter ansteigen. In den USA verzeichnen die Staatsfonds steigende Zinsen, weil eine hartnäckige Inflation und Rekordschulden die Kurse langlaufender Anleihen auf Talfahrt geschickt haben. Die jüngste Zinswende der Fed hat die Kurse nochmal fallen lassen.
In Hongkong wurden digitale grüne Anleihen in mehreren Währungen ausgegeben, die mit Blockchain-Technik verteilt werden. Auch Slowenien versucht sich in digitalen Anleihen. Der Vorteil solcher Investments: Man kann schon mit geringen Beträgen einsteigen. Das Ergebnis ist eine Art «mikrosouveräne Finanzierung»: Ein Staat erhält damit Zugang zu einem bislang ausgeschlossenen Pool aus Kleinsparern, Bürgern im Ausland und Privatanlegern. «Die Digitalisierung des gesamten Emissionsprozesses senkt sowohl die Finanzierungskosten als auch die Zeichnungsgebühren», nennt das World Economic Forum die Vorteile von solchen neuen technischen und kreativen Lösungen.
Auch Länder wie Thailand, Ägypten und die Philippinen haben ähnliche Angebote. Die Elfenbeinküste und Senegal geben besonderen Anleihen für Bürger aus, die im Ausland leben. Sie gelten als finanzstark und überweisen jährlich Millionensummen zurück in die Heimat. Auf Fidschi und den Seychellen dienen die Kleinanleihen wie auch in Rumänien einem guten Zweck: Die Erlöse gehen in Klima- und Meeresschutzprojekte.
Elf Prozent der Staatsschulden gehören privaten Haushalten
«Jedes bisschen hilft», sagte Moritz Krämer, Chefökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg und ehemaliger Chief Ratings Officer bei S&P Global, Bloomberg. «Die Regierungen versuchen, jeden Kredit zu nehmen, den sie bekommen können.» Ein Vorteil bei den Kleinanlegern: Anders als Hedgefonds spekulieren sie nicht mit den Anleihen, sondern halten sie für einen längeren Zeitraum. Die hohen Renditen machen die Anleihen auch bei Sparern attraktiv.
Private Haushalte hielten 2024 in den von der OECD erfassten Ländern elf Prozent der Staatsschulden – mehr als doppelt so viel wie 2021. Sechs Länder gaben im Zeitraum bis Oktober 2025 neue, auf Privatanleger zugeschnittene Wertpapiere aus, sechs weitere planten dies ebenfalls.
Auch in Japan boomt der Anleihenverkauf, da Privatanleger nach den höchsten Renditen seit Jahrzehnten greifen. Das Land verkaufte zwischen April und September Anleihen im Rekordwert von 5,14 Billionen Yen (etwa 28,9 Milliarden Euro) an Privatanleger – ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

